Studyworld : Auf zu neuen Unis

Sonne, Kultur, gute Hochschulen: Spanien ist bei deutschen Studenten beliebt – und dieses Jahr Gastland der Messe Studyworld.

Herien Wensink
Flanieren und studieren. Barcelona hält neben den Vorlesungen viel Zerstreuung bereit – zum Beispiel bei einer Tour über die Promenade „Las Ramblas“.
Flanieren und studieren. Barcelona hält neben den Vorlesungen viel Zerstreuung bereit – zum Beispiel bei einer Tour über die...Foto: mauritius images

„So wie wir Deutschen übers Wetter reden, reden die Spanier übers Wohnen“, sagt Johanna Freudenthal. Die 28-Jährige hat im Wintersemester 2007/2008 mit einem Erasmus-Stipendium an der Universitat Autònoma de Barcelona (UAB) Geschichte und Sozialwissenschaften studiert. „In Barcelona ist die Wohnsituation für junge Leute sehr schwierig. Man wohnt entweder in einer schlechten, viel zu teuren Wohngruppe oder noch bei den Eltern.“ Deshalb sei die Unterkunft ein ständiges Thema – wie eben bei uns das Wetter. „Darüber wird in Barcelona allerdings kaum gesprochen, denn das ist ja meistens gut.“

Wie Johanna Freudenthal studierten 2007/2008 mehr als 5500 Deutsche Studenten mit einem Erasmus-Stipendium in Spanien, die meisten davon in Madrid, Barcelona, Salamanca und Granada. Die Iberische Halbinsel ist das beliebteste europäische Ziel unter den Erasmus-Studenten – und Spanisch nach Englisch die meistgelernte Fremdsprache in Deutschland. Deshalb ist Spanien in diesem Jahr auch Schwerpunktland der internationalen Studienmesse Studyworld, die am 23. und 24. April zum fünften Mal im Russischen Haus der Wissenschaft und Kultur in der Berliner Friedrichstraße stattfindet.

Mehr als 9500 junge Leute aus ganz Deutschland besuchen jedes Jahr die Messe, die einen großen Überblick zu Studium, Praktikum und akademischer Weiterbildung in Deutschland und der Welt bietet. 170 Aussteller aus über 25 Ländern beraten an Infoständen. Aus Spanien sind zum Beispiel Bildungsinstitutionen aus Madrid, Granada, Barcelona und Sevilla vertreten.

Unterstützt wird die Messe unter anderem vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und vom Deutschen Akademischen Austausch Dienst (DAAD). Auch Ana Lene Maaß vom DAAD stellt fest, dass ein Studium in Spanien immer beliebter wird – und immer wichtiger. „Es macht kaum einen Unterschied, welchen Studiengang man belegt. Heutzutage sind internationale Qualifikationen für alle Fachrichtungen von Bedeutung,“ sagt Maaß.

Viele deutsche Studenten wählen Spanien wegen der Sprache, aber auch wegen der hohen Lebensqualität und der reichen Kulturlandschaft, weißt Maaß. „Außerdem ist das Unterrichtsniveau an spanischen Universitäten und Hochschulen hoch. Und es ist einfach, nach einem Bachelorstudium in Deutschland einen Master in Spanien zu absolvieren.“

Johanna Freudenthal hat ihr Austausch großen Spaß gemacht, und sie hat in Barcelona viel gelernt. Über das Erasmus-Programm war alles gut organisiert: An der UAB gab es Ansprechpartner für Erasmus-Studenten und eine eigene Programm-Koordinatorin. Außerdem hat Freudenthal Adressen von Studentenwohnheimen bekommen. Und hatte beim Dauerthema Wohnen Glück. „Ich war in einer tollen Wohngruppe im Zentrum Barcelonas, für 350 Euro Miete, warm.“

Der Unterricht an der Gast-Universität sei schon anders gewesen als in Deutschland, sagt Freudenthal. „Das spanische System ist sehr verschult. Frontalunterricht ist dort normal.“ Lehrer und Mitstudenten seien aber sehr offen gewesen und hätten ihr alles, was sie nicht verstanden habe, noch einmal erklärt. Auch die Extra-Kurse, die Auslandsstudenten in die katalanische Sprache und Kultur einführen, empfiehlt sie wärmstens. „Sobald man ein bisschen Katalanisch spricht, bekommt man viel Kontakt zu Einheimischen. Auf diese Weise habe ich viele interessante Menschen kennengelernt.“

Auch Katharina Einert hat ihr Studium in Barcelona genossen. Die 28-Jährige studierte im Wintersemester 2006/2007 an der Fakultät für Übersetzen und Dolmetschen der Universitat Pompeu Fabra. Akademisch gesehen habe sie der Austausch zwar nicht so sehr vorangebracht. „Abgesehen davon war es aber sehr lehrreich“, sagt Einert. „Man muss sich in einer fremden Umgebung, einer fremden Sprache und Kultur zurechtfinden und sich ein neues soziales Umfeld aufbauen.“ So wunderte sich die Studentin zum Beispiel über die spanische Gewohnheit, sich selten vor 22 Uhr zum Abendessen zu verabreden. „Essen und gemeinsame Mahlzeiten spielen aber grundsätzlich eine größere Rolle als bei uns – das hat viel Spaß gemacht.“

Wer ein Auslandssemester plant, dem rät Katharina Einert, sich vorher mit Geschichte und Kultur des Gastlandes zu beschäftigen – und zum Beispiel schon zuhause einen Sprachkurs zu belegen. An ihrem ersten Tag in Barcelona verstand sie selbst kaum ein Wort Katalanisch und versuchte verzweifelt, ein belegtes Baguette zu kaufen. „Die Karte war aber ausschließlich auf Katalanisch. Und obwohl die Auswahl sehr groß war, habe ich leider nur das Käse-Baguette erkannt.“

Rund ums Auslandsstudium sowie zu Fördermöglichkeiten informiert der Deutsche Akademische Austausch Dienst unter www.daad.de

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