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Technik : Ruf der Tiefe

21.02.2012 12:41 Uhrvon
Ab nach unten. Der Unterwassergleiter der Firma „Virgin Oceanic“ wird dank seiner Stummelflügel immer weiter in die Tiefe gedrückt. So soll das Boot bis in die tiefsten Schluchten der Ozeane, elf Kilometer unter dem Wasserspiegel, vordringen.Bild vergrößern
Ab nach unten. Der Unterwassergleiter der Firma „Virgin Oceanic“ wird dank seiner Stummelflügel immer weiter in die Tiefe gedrückt. So soll das Boot bis in die tiefsten Schluchten... - Foto: picture alliance / dpa

Neue Tauchboote sollen Touristen bis zum Grund der Ozeane bringen. Das Unterfangen ist sehr aufwendig – und riskant.

Kolossale Unterwassergebirge, die noch niemand besichtigt hat; gigantische Ebenen am Meeresgrund, die noch keiner durchmaß; Lebewesen aus der Tiefe, die wie Außerirdische wirken. Kein Wunder, dass Forscher, Entdecker und Abenteurer darauf brennen, die Tiefsee zu bereisen. Die technischen Voraussetzungen dafür sind sehr aufwändig, doch mittlerweile sind nicht allein Forschungsinstitute auf diesem Gebiet tätig. Mehrere reiche Unternehmer lassen sich zurzeit Tauchboote bauen, um in diese exotische Welt vorzustoßen.

Zu ihnen gehört der Brite Richard Branson, Gründer der Virgin-Unternehmensgruppe. Branson, der bisher vor allem als Anbieter für private Weltraumflüge von sich reden machte, hat auch ein neues Tauchboot finanziert: eine Art Unterwasserflugzeug, gefertigt aus Kohlenstofffasern und Titan.

Es ist fünfeinhalb Meter lang und bietet Platz für eine Person, die, auf dem Bauch liegend, aus einem großen Fenster herausschauen kann. Am Rumpf des Fahrzeugs sitzen Stummelflügel mit einem Tragflächenprofil. Sie sollen aber keinen Auftrieb erzeugen wie bei einem Flugzeug, sondern einen Abtrieb, der das Boot während der Fahrt nach unten drückt.

Zusammen mit dem Mutterschiff kostet Bransons Tauchboot etwa 17 Millionen Dollar. Der Milliardär will damit zu den tiefsten Stellen der Ozeane vorstoßen, unter anderem zum Grund des westpazifischen Marianengrabens. Dort, in 11.000 Metern Tiefe, muss das Boot einem Druck standhalten, der mehr als 1000 Mal so groß ist wie der Atmosphärendruck. Das entspricht einer Last von einer Tonne pro Quadratzentimeter. Damit das Boot nicht zerquetscht wird, muss es äußerst stabil sein. Eine mögliche Schwachstelle sind die Glasfenster – vor allem, wenn sie groß ausgelegt werden wie bei Bransons Boot. Glas ist zwar extrem hart, doch bilden sich in ihm leicht Spannungen, die zum Bersten führen können.

Fremde Welt. In der Tiefsee leben ungewöhnliche Tiere, wie dieser Viperfisch aus gut 1000 Meter Tiefe. Viele Arten sind noch nicht entdeckt.Bild vergrößern
Fremde Welt. In der Tiefsee leben ungewöhnliche Tiere, wie dieser Viperfisch aus gut 1000 Meter Tiefe. Viele Arten sind noch nicht entdeckt. - AFP PHOTO/HO/QUEENSLAND BRAIN INSTITUTE/Justin Marshall

Das haben schon die bisherigen Rekordhalter im Tieftauchen erfahren müssen. Jaques Piccard und Don Walsh stießen 1960 mit der „Trieste“ zum Grund des Marianengrabens vor. Als sie etwa zehn Kilometer Tiefe erreicht hatten, hörten sie einen dumpfen Knall, begleitet von einem Zittern des Boots. Wenig später sahen sie, dass ein Fenster gerissen war. Das dicke Glas hatte anders auf die Wassertemperatur reagiert als das umgebende Metall, hatte sich verzogen und war gesprungen. Unmittelbare Gefahr bestand zwar nicht, denn das Fenster führte nur zu einem Vorraum des Druckkörpers, in dem sich die Männer aufhielten. Vermutlich waren die beiden trotzdem einigermaßen beunruhigt.

„Sichtfenster in Tiefsee-Tauchbooten werden aus Plexi- oder Acrylglas hergestellt, da herkömmliches Glas zu viele Spannungen aufbaut“, sagt Jürgen Schauer aus dem Team der „Jago“, Deutschlands einzigem bemannten Forschungstauchboot, das am Kieler Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung (Geomar) stationiert ist. Jago kann 400 Meter tief tauchen und hat zwei große Fenster. Sie wölben sich nach außen, ähnlich der Oberfläche einer Kugel, und fangen so die Kraft des Umgebungsdrucks optimal auf – eine typische Bauform bei Unterwasserfahrzeugen. „Die Fenster sind fünf Zentimeter dick“, erläutert Schauer. „Bei Booten, die bis 1000 Meter hinabgleiten, müssen es bereits zehn Zentimeter sein.“

Mit der Jago untersuchen die Wissenschaftler zum Beispiel Kaltwasserkorallen. Sie bilden kalkhaltige Skelette und sind deshalb besonders stark vom Klimawandel bedroht, denn der steigende Gehalt von Kohlendioxid, auch im Meerwasser, droht ihre Skelette anzugreifen.

Könnte das neue Tauchboot mit Flügeln den Forschern bei ihrer Arbeit helfen? „Nicht, wenn wir den Meeresboden untersuchen“, sagt Schauer. Denn Bransons Boot muss mit hoher Geschwindigkeit durchs Wasser fahren, um den nötigen Abtrieb zu erzeugen. Forscher wie Schauer fahren lieber langsam am Grund entlang, müssen immer wieder anhalten, um Proben zu nehmen oder zu fotografieren.

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