Teure Wissenschaftsverlage : Uni Konstanz trennt sich von Elsevier

3400 Euro pro Zeitschrift - das ist der Uni Konstanz zu teuer. Sie kündigt die Lizenzverhandlungen mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier wegen dessen "aggressiver Preispolitik" auf.

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Menschen sitzen arbeitend an Tischen im Lesesaal der Berliner Staatsbibliothek Unter den Linden.
Universitäts- und andere wissenschaftliche Bibliotheken klagen seit langem über überhöhte Zeitschriftenpreise. Im Bild die...Foto: Mike Wolff

Die Universität Konstanz kündigt die Lizenzverhandlungen mit dem Wissenschaftsverlag Elsevier auf. Hintergrund sei dessen „aggressive Preispolitik“, teilte Unipräsident Ulrich Rüdiger am Donnerstag mit (hier die Erklärung der Uni). Nach einer erheblichen Preissteigerung in den vergangenen Jahren koste eine bei Elsevier lizenzierte Zeitschrift heute im Schnitt 3400 Euro pro Jahr, dreimal mehr als beim zweitteuersten großen Verlag. Dies wolle die Universität nicht länger mittragen und werde deshalb versuchen, den Lizenzvertrag mit Elsevier „durch alternative Beschaffungswege zu ersetzen“.

Für die Universität habe sich das Kosten-Nutzen-Verhältnis mit Elsevier in den vergangenen Jahren erheblich verschlechtert, klagt Rüdiger. In den jüngsten Lizenzverhandlungen habe der Verlag dann eine "geringe Verhandlungsbereitschaft" gezeigt. Petra Hätscher, Direktorin der Konstanzer Unibibliothek, argumentiert, hohe Preise seien nicht gerechtfertigt, weil die Universitäten letztlich "in Form von Abonnementgebühren ein Gut teuer zurückkaufen, das eigentlich von ihren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern produziert wird".

Der Großverlag Elsevier publiziert gegenwärtig mehr als 2500 wissenschaftliche Zeitschriften. 2012 hatte der britische Mathematiker William Timothy Gowers (Cambridge) den Boykottaufruf „The Cost of Knowledge“ (Der Preis des Wissens) initiiert. Inzwischen haben gut 14500 Wissenschaftler aus aller Welt unterschrieben, dass sie planen, künftig nichts mehr bei Elsevier zu veröffentlichen, sich nicht mehr für Peer-Review-Verfahren zur Verfügung zu stellen oder Artikel für Elsevier editorisch zu bearbeiten. Die Hauptvorwurf lautet auch hier, dass Elsevier überhöhte Subskriptionspreise für seine Zeitschriften verlange. Außerdem seien die Bibliotheken aus Kostengründen gezwungen, ganze Pakete von Zeitschriften des Verlags abzunehmen, die auch für sie nicht relevante Titel beinhalten. Daraufhin hatte die mathematische Fakultät der Technischen Universität München ebenfalls 2012 beschlossen, "alle Elsevier-Zeitschriften ab 2013 abzubestellen".

Elsevier begründet hohe Preise mit Qualitätskontrolle

Elsevier weist die Vorwürfe zurück. "Andere Verlage haben seit 2000 deutlich höhere Preissteigerungen als Elsevier vorgenommen", sagte die Vizepräsidentin von Elsevier Deutschland, Angelika Lex, vor einem Jahr im Tagesspiegel-Interview. Und gerade in der Mathematik habe der Verlag "die Preise einiger Journale gesenkt". Die hohen Preise erklärten sich aus dem "Prozess der Qualitätsprüfung", dem Elsevier die eingereichten Artikel vor der Publikation unterziehe, und aus Investitionen in digitale Neuentwicklungen.

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