Turners Thesen : Akkreditierung – ein Holzweg

Vor rund zehn Jahren wurde der Akkreditierungsrat eingerichtet. Seine Aufgabe besteht darin, Agenturen, die meist als eingetragener Verein organisiert sind, zu begutachten beziehungsweise zu akkreditieren.

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Die Agenturen akkreditieren ihrerseits Studiengänge mit den Abschlüssen Bachelor und Master, die im Bolognaprozess eingeführt werden. Unter den zehn Agenturen gibt es die „für Qualitätssicherung durch Akkreditierung von Studiengängen“, „für Studiengänge der Ingenieurwissenschaften, der Informatik, der Naturwissenschaften und der Mathematik“, „für Studiengänge im Bereich Gesundheit und Soziales“ – und etwa auch die „Foundation for International Business Administration Accreditation“.

Die Kosten der Akkreditierung eines einzelnen Studienganges liegen bei 10 000 bis 15 000 Euro. Diese Kosten gehen in der Regel zulasten der Ausstattung für die Lehre. Das Ergebnis ist ein Beispiel dafür, wie hochschulpolitische Initiativen sich verselbstständigen und oft einen gegenteiligen Effekt erreichen als ursprünglich erhofft.

Die Entwicklung von Studiengängen und die Erarbeitung von Studienplänen und Prüfungsordnungen war Aufgabe der Fakultäten. Grundsätzlich bedurfte es der Genehmigung durch die Wissenschaftsverwaltung, also das zuständige Landesministerium. Dies erschien autonomiefeindlich und wurde von den Hochschulen als eine Bevormundung verstanden. Auf der Suche nach einem Weg, keinen Wildwuchs an Studienangeboten zu riskieren, und einem Gütesiegel ist man auf die Idee verfallen, ein Akkreditierungssystem einzurichten. Offen ist die Frage, wie die frei gewordenen Kapazitäten der Länder eingesetzt werden.

Der Versuch kann als gescheitert betrachtet werden. Das Verfahren nimmt unnötig Mittel in Anspruch. Es ist mindestens so bürokratisch wie das seinerzeitige Genehmigungsverfahren durch die Ministerialbürokratie. Eine Verbesserung der zeitlichen Abläufe ist nicht erkennbar, vielmehr gibt es immer wieder Verzögerungen dadurch, dass die als Experten beigezogenen Gutachter durch andere Inanspruchnahme, wie die Tätigkeit an der eigenen Hochschule, ihre Voten nicht so zügig wie erwartet abgeben können.

Das Verfahren und seine Wirkungen zeigen, dass die Sucht, möglichst viele öffentliche Aufgaben zu privatisieren, nicht immer das erhoffte Heil bringt.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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