Turners Thesen : Die Universität Düsseldorf blendet bei Schavan was aus

Für Ehrungen der an Schavans Plagiatsverfahren beteiligten Professoren besteht kein Anlass, meint unser Kolumnist George Turner

George Turner
George Turner, Berlins Wissenschaftssenator a.D.Foto: Mike Wolff

Der Rektor der Universität Düsseldorf hat den an der Entziehung des Doktorgrades der früheren Bundesbildungsministerin an vorderster Front Beteiligten mit Ehrenmedaillen für ihre „beispielhafte akademische Zivilcourage“ gedankt.

Nach dem Stand des Verfahrens lohnt es nicht, darüber zu streiten, ob die Fehler in der Dissertation verzeihlich waren oder nicht. Ein Gericht hat das Verfahren der Aberkennung des Titels für fehlerfrei befunden und auch in der Sache zum Nachteil der früheren Doktorandin entschieden. Wenn auf Rechtsmittel verzichtet wird, verbieten sich Urteilsschelte und kritische Kommentare.

Damit, so hätte man meinen können, sei die Sache erledigt. Mit der Ehrung hat die Universität Düsseldorf aber erneut „ein Fass aufgemacht“.

Es ist immerhin nachvollziehbar, wenn sich öffentlich Gescholtene im Nachhinein rehabilitiert wissen wollen und ihren früheren Kritikern vorhalten, dass diese ihrerseits Fehler gemacht haben. Auch die Solidarität der Hochschulleitung ist verständlich. Was allerdings ein schlechtes Licht auf die Universität wirft, ist das Ausblenden der eigenen Verantwortung. Wenn die Verfehlungen so evident waren, wie die Gutachter im Entzugsverfahren es meinten feststellen zu können, bleibt die Frage, warum dies die Berichterstatter bei der Annahme der Dissertation nicht festgestellt haben. Jene Professoren, die seinerzeit die Arbeit ausgegeben, sie zu prüfen hatten und mit ordentlichen Noten haben passieren lassen, haben entweder schlampig gearbeitet oder kannten die einzuhaltenden Regeln selbst nicht. Es ist müßig zu fragen, inwiefern dies bei einer rechtlichen Beurteilung des Aberkennungsverfahrens zu berücksichtigen gewesen wäre, da die Angelegenheit rechtskräftig entschieden ist.

Aber es bleibt die Frage, warum eine Universität die Verantwortung früherer Mitglieder so konsequent ausblendet. Jene Professoren, die vor über dreißig Jahren eine Dissertation akzeptiert haben, die Fehler enthielt, haben auch die nächste Generation von Kollegen berufen. Haben sie womöglich bei der Bewertung der Qualität der Nachfolger, die zum Teil noch im Amt ist, ähnliche Fehler gemacht? War man zu großzügig bei der Anlegung der Qualitätskriterien? Schließlich stehen die heutigen Mitglieder der betroffenen Fakultät in der Tradition der seinerzeit Beteiligten.

Solche Überlegungen werden selbstverständlich von den Akteuren empört zurück gewiesen. Aber warum ist man dann nicht so ehrlich und nennt auch frühere Fehler der eigenen Fakultät? Es gilt dann wohl auch hier: eine Krähe hackt der anderen kein Auge aus. Insofern ist das Verhalten der Düsseldorfer ein Lehrstück für falsch verstandene Kollegialität.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail senden: george.turner@t-online.de

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