Turners Thesen : Mehr Ethik für die Eliten

27.07.2009 00:00 UhrVon George Turner

Jede pluralistische Gesellschaft lebt davon, dass die sogenannten Eliten Maßstäbe setzen und sie selbst leben. Dies ist dann Orientierung für die Mehrheit und zugleich die Garantie, dass das Zusammenleben einigermaßen reibungslos funktioniert.

Einigen Vertretern unserer Wirtschaftselite scheint jedweder Sinn für Verhältnismäßigkeit abhandengekommen zu sein. Die Mehrheit lässt das zu. Den Ausgangspunkt solcher Exzesse setzten Ackermann & Co. mit den üppigen Abfindungen für Esser und Funk bei dem Verkauf von Mannesmann an Vodafone. Das Ärgernis war bei Esser die unverhältnismäßige Höhe, bei Funk die Tatsache, dass er selbst als Aufsichtsrat bei einer Entscheidung zu seinen Gunsten mitgewirkt hat. Immerhin handelten sich die Herrschaften ein Strafverfahren ein, das einige Flecken auf den sprichwörtlichen Westen hinterließ.

Akut springen zwei Fälle ins Auge. Da bekommt ein Bankmanager, Nonnenmacher, Vorsitzender der HSH-Nordbank, eine Prämie fürs Bleiben, obwohl das Geldinstitut Staatshilfe in Anspruch nimmt und es eine Deckelung der Bezüge gibt.

Wenigstens arbeitet Nonnenmacher weiter; offenbar ist sonst niemand bereit, den maroden Laden zu übernehmen. Dagegen ist das, was sich bei der Hypo Real Estate abgespielt hat, an Dreistigkeit kaum zu überbieten: Georg Funke fordert trotz Schlechtleistung Abfindungen in Millionenhöhe.

Wenn die Vodafone-Profiteure wenigstens einen Teil ihrer Abfindungen in eine wohltätige Stiftung eingebracht hätten wie Wiedeking es gerade praktiziert, hätten sie Respekt gewonnen und könnten als Vorbilder gelten. So entsprechen sie dem Zerrbild, das vor allem Linke von Topmanagern zeichnen, um dem Kommunismus neue Impulse zu verleihen.

Und sonst? Den Studierenden der Wirtschaftswissenschaften, den zukünftigen Wirtschaftseliten, wird das Fach „Ethik in der Wirtschaft“ vermittelt. Nonnenmacher ist Honorarprofessor an der „Elite-Universität“ Heidelberg. Schrempp, der mit Daimler Chrysler Unsummen in den Sand gesetzt und trotzdem gewaltig abkassiert hat, ist vom Ministerpräsidenten des Landes Baden-Württemberg zum Professor ernannt worden; er hat keine Lehrverpflichtungen und kann mithin insofern kein Unheil anrichten.

Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-mail schicken: g.turner@tagesspiegel.de

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