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Turners Thesen : Schluss mit naiver Parteienforschung

14.05.2012 00:00 Uhr
George Turner, Wissenschaftssenator a. D.Bild vergrößern
George Turner, Wissenschaftssenator a. D. - Foto: Mike Wolff

Nun hat auch die Berliner Landespolitik ihren Plagiatsfall, und auf der Bundesebene geht es mit den Verdachtsfällen weiter. Eine Lehre lautet: Parteienforschung sollte mehr sein als die bloße Darstellung von Koalitionsbrüchen.

Annette Schavan, der Bundesbildungsministerin, wird unkorrektes Zitieren vorgeworfen. Florian Graf, Vorsitzender der Fraktion der CDU im Abgeordnetenhaus, hat zugegeben, in seiner Dissertation Texte fremder Autoren übernommen zu haben, ohne die Quellen anzugeben.

Der Kandidat hat das Diplom als Verwaltungswirt an der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege Berlin erworben. Selbstverständlich wird auch dort korrektes Zitieren erwartet. Allerdings hat der Delinquent in schöner Naivität erklärt, dass er sich mit Fragen der wissenschaftlichen Redlichkeit im Umgang mit Quellen als externer Promotionsstudent nicht befasst habe.

Aber was sagt das schon, wenn man die Verfehlungen betrachtet, die sich Absolventen universitärer Studiengänge bei dort angenommenen Dissertationen geleistet haben.

Die Arbeit der Bildungsministerin gehört in eine andere Kategorie. Hier ist das Bemühen der „Jäger“, unterstützt von eigenen Partei-„Freunden“, zu offensichtlich, eine erfolgreiche Politikerin zu Fall zu bringen, nachdem VroniPlag, sonst als Maß aller Dinge in Sachen Plagiat gepriesen, keine Verstöße sieht, die ein Öffentlichmachen rechtfertigt. Das Drängen, sie müsse sich äußern, geht in die falsche Richtung. Gefordert sind die zuständigen Gremien der Universität Düsseldorf.

Die Angelegenheit Graf hat noch andere Haken. Der Ertappte hat zwar an einer Universität promoviert, allerdings ohne ein Universitätsstudium hinter sich gebracht zu haben. Das ist an der Universität Potsdam nach einer Eignungsprüfung möglich. Der Doktorvater des Sünders, Jürgen Dittberner, war auch Hochschullehrer an der Herkunftseinrichtung des späteren Doktoranden. Im Zuge des Auf- und Ausbaus der Universität Potsdam wurde er dorthinberufen.

Nach dem, was über den qualitativen Inhalt der Arbeit bekannt ist, sind Versäumnisse nicht nur dem Doktoranden anzulasten. Parteienforschung und Dissertationen, die unter dieser Flagge segeln, sollten mehr sein als die bloße Darstellung von Koalitionsbrüchen und der Betrachtung des Wundenleckens der Betroffenen. Zwei Schlüsse sind unvermeidlich: 1. Allen, die vehement ein eigenes Promotionsrecht der Fachhochschulen fordern, hat der reuige Ex-Dr. einen Bärendienst erwiesen. 2. Auch Eignungsprüfungen sind „für die Katz“, wenn sie zu solchen Ergebnissen führen.

- Wer mit dem Autor diskutieren möchte, kann ihm eine E-Mail schreiben: g.turner@tagesspiegel.de

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