Tutus Erbgut : Genseits von Afrika

Forscher haben das Genom von Erzbischof Desmond Tutu aus Südafrika entziffert. Die Gensequenz des Friedensnobelpreisträgers soll unter anderem dazu beitragen, die Verwandtschaftsverhältnisse der südafrikanischen Volksstämme zu klären.

Das berichtet eine Gruppe um Vanessa Hayes von der Universität New South Wales (Australien). Die Forscher stellen ihre Resultate im Journal „Nature“ (Band 463, Seite 943) vor. Nach James Watson, Entdecker der DNS-Doppelhelix, ist Tutu der zweite Nobelpreisträger, dessen Genom gelesen wurde.

Insgesamt analysierte das internationale Team Gensequenzen von fünf afrikanischen Männern. Tutu – er gehört zum Stamm der Bantu – und ein Stammesältester aus der Kalahari-Wüste wurden dabei vollständig „gelesen“. Ergänzt werden diese Sequenzen um zahlreiche Gendaten dreier weiterer Stammesältester, die jeweils Gemeinschaften von Jägern und Sammlern vorstehen. Von ihnen wurden jene Erbgut-Regionen gelesen, die in Proteine übersetzt werden. Die Daten sind zugänglich via Internet. Tutu sei durch seine Herkunft ein idealer Repräsentant für die meisten Menschen im Süden Afrikas, erläuterte Hayes.

Die Forscher untersuchten unter anderem die Unterschiede in den Genomen. Dabei stellte sich heraus, dass die Differenzen innerhalb der Afrikaner im Durchschnitt größer waren als zwischen einem Europäer und einem Asiaten, erklärte Webb Miller von der federführenden Penn State University (USA). Die Studie könnte ein neues Licht auf die frühe Entwicklung der Menschheit werfen.

Für die Arbeit wurden drei neue, besonders schnelle und günstige Sequenzierungsverfahren eingesetzt. Die genetischen Daten werden jeweils um eine Krankengeschichte ergänzt. Diese sollen helfen, die Funktion der Gene zu deuten.

Bereits in der vorliegenden Analyse zeigt sich, dass die umherziehenden Buschmänner bei einer Änderung ihres Lebensstils für Krankheiten anfällig wären, die besonders sesshafte Menschen treffen. Dazu zählen die Folgen fettreicher Ernährung sowie Malaria.

Tutu stammt in mütterlicher Linie von Buschmännern ab. Der Erzbischof wusste bisher nichts davon, sagte aber: „Ich bin ein wahres Kind Südafrikas. Darüber bin ich sehr glücklich“. Tutu hatte 1984 für seine versöhnende Rolle bei der Überwindung der Rassentrennung in Südafrika den Friedensnobelpreis erhalten. Derzeit sind die Genome von rund 25 Menschen gelesen. dpa

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