Universitäten : Hochschulverträge sorgen bei Professoren für "Verzweiflung"

Die Berliner Universitäten haben Angst vor einer neuen Sparrunde: 76 Berliner Professoren appellieren an den Regierenden Bürgermeister Wowereit.

Anja Kühne
277487_0_3bfccafb.jpg
Post aus der Uni. Finanzsenator Nußbaum und Klaus Wowereit. Foto: ddp

In einem Brief haben 76 Professorinnen und Professoren von Berliner Universitäten an den Regierenden Bürgermeister appelliert, die Grundfinanzierung der Hochschulen zu sichern. Die Unterzeichner sind Sprecher von großen Drittmittelprojekten an den drei großen Berliner Universitäten: von Exzellenzclustern und Graduiertenschulen der Exzellenzinitiative, Forschungszentren, Sonderforschungsbereichen, Schwerpunktprogrammen oder Graduiertenkollegs. In dem Schreiben vom 18. Mai, das in Kopie auch an Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner und Finanzsenator Ulrich Nußbaum verschickt wurde, erklären die Forscher, der Stand der Verhandlungen über die neuen Hochschulverträge erfülle sie „mit größter Sorge und beginnender Verzweiflung“.

Bislang gibt es vom Senat kein offizielles Angebot an die Hochschulen für die zukünftige Finanzierung. Die Hochschulen fordern knapp 20 Prozent mehr. Der frühere Finanzsenator Sarrazin hatte eine Erhöhung um 1,3 Prozent für denkbar gehalten, unlängst hatte Wissenschaftssenator Zöllner vor Journalisten eine Erhöhung um 5,4 Prozent ins Gespräch gebracht. Am heutigen Freitag will Zöllner dem Vernehmen nach den Kuratoriumsvorsitzenden der Universitäten seine Sicht der Lage erklären.

Die Professoren wiederholen in ihrem Brief an Wowereit die bereits von den Uni-Präsidenten vorgebrachten Argumente. Zwischen 2010 und 2013 kämen „dramatisch gestiegene und absolut unvermeidbare zusätzliche Kosten auf die Berliner Hochschulen zu“: für Tarifsteigerungen, für wachsende Pensionskosten, für Energie und für die Instandhaltung von Gebäuden. Darum bräuchten alle Hochschulen gemeinsam jährlich 175 Millionen Euro zusätzlich.

Sollte die Grundfinanzierung der Hochschulen nicht gesichert sein, ergäben sich für den Wissenschaftsstandort Berlin „dramatische Auswirkungen“. „Nach mehreren drastischen Etatkürzungen in den vergangenen Jahren ist das Einsparpotenzial an allen Berliner Hochschulen ausgeschöpft.“ 2000 Arbeitsplätze und 5200 Studienanfängerplätze seien in Gefahr. Die Forschung werde doppelt geschwächt, da die Voraussetzungen, im Wettbewerb Mittel vom Bund oder der EU einzuwerben, „erheblich reduziert“ würden.

Die Unterzeichner weisen auf die Erfolge Berliner Hochschulen hin. Trotz „wiederholter substanzieller Haushaltskürzungen“ seien „international immer sichtbarere Erfolge und zusätzliche Reputation“ gewonnen worden wie der Verlauf die Exzellenzinitiative oder auch zahlreiche neue Sonderforschungsbereiche und Graduiertenschulen zeigten. „Diese im scharfen nationalen und internationalen Wettbewerb errungenen Erfolge, die entscheidend zum Profil Berlins als einer der führenden Wissenschafts- und Forschungsstandorte Deutschlands beigetragen haben, stehen jetzt zur Disposition“, schreiben die Forscher. Es drohe ein irreparabler Imageschaden „für die Berliner Hochschullandschaft (und damit für die Berliner Politik!)“. Auch die Rolle der Hochschulen als „Jobmotoren“ sei gefährdet. „Wir appellieren an Sie, die geplanten unverantwortlichen Weichenstellungen zu verhindern“, schließen die Wissenschaftler.

Zu den Unterzeichnern gehören Peter-André Alt (FU), Dieter Bimberg (TU), Hartmut Böhme (HU), Michael Borgolte (HU), Christina von Braun (HU), Matthias Driess (TU), Martin Grötschel (TU), Friederike Fless (FU), Gudrun Krämer (FU), Sybille Krämer (FU), Richard Lucius (HU), Volker Mehrmann (TU), Robert Nitsch (Charité), Georg Nolte (HU), Jürgen Rabe (HU), Vera Regitz-Zagrosek (Charité), Thomas Risse (FU), Joachim Sauer (HU), Helmut Schwarz (TU), Günter M. Ziegler (TU) und Frauke Zipp (Charité). Anja Kühne

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben