Wissen : Unternehmen und Unis

Einige Hochschulen für neuen Ressortzuschnitt

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Das Bildungs- und das Wissenschaftsressort sollen im Berliner Senat wieder getrennt werden, die Wissenschaft dafür mit der Wirtschaft und womöglich zusätzlich mit der Gesundheit in einem neuen Großressort verschmelzen. Dieser Vorschlag zur Zerschlagung seines Ressorts, den der scheidende Bildungs- und Wissenschaftssenator Jürgen Zöllner (SPD) im Tagesspiegel-Interview gemacht hat, ist an den Berliner Universitäten auf ein unterschiedliches Echo gestoßen. Alle Präsidenten begrüßen zwar, die Einheit von Schule und Wissenschaft wieder aufzulösen. Aber mit welchem anderen Bereich die Wissenschaft dann zusammengehen sollte, ist umstritten.

Für eine Fusion von Wirtschaft und Wissenschaft werben die Präsidenten der Freien Universität, Peter-André Alt, und der Technischen Universität, Jörg Steinbach. Zwar seien „Universitäten keine Unternehmen“, sagte Alt dem Tagesspiegel. Dennoch würden sich viele Überschneidungen ergeben, zumal auch die Wirtschaft von der Wissenschaft lernen könne. So habe die Wirtschaftsförderung in den vergangenen Jahren das Bilden von Clustern (zukunftsweisenden Themenfeldern) von der Wissenschaftspolitik übernommen. Auch beim Aufbau von Campus, etwa in Dahlem und Adlershof, sei gemeinsames Vorgehen sinnvoll.

TU-Präsident Steinbach sagte, ein Zusammengehen der Bereiche Wissenschaft und Wirtschaft sei gerade für eine Technische Universität „die naheliegendste Kombination“.

Anders sieht die Sache der Präsident der Humboldt-Universität, Jan-Hendrik Olbertz. Er hält eine Kombination mit der Kultur für geeigneter: „Die Potenziale der wechselseitigen Inspiration sind da am größten, gerade in Berlin.“ Ein Zusammengehen mit der Wirtschaft würde er zwar nicht völlig ablehnen. Das würde aber zu „Vorbehalten bezüglich des Unabhängigkeitsanspruchs der Wissenschaft“ führen. In den Augen von FU-Präsident Alt spricht beim Bereich Kultur jedoch vieles dafür, die bisherige Lösung – der Regierende Bürgermeister macht die Kultur mit, sein Staatssekretär André Schmitz hat dafür den Hut auf – beizubehalten.“ Auch Zöllner hatte Kultur und Wissenschaft als Option genannt.

Skeptisch äußerten sich alle drei Präsidenten zu der Idee eines Großressorts Wissenschaft-Wirtschaft-Gesundheit. Die Gesundheit auch noch unter ein Dach zu holen, bedeute „eine Überlastung“, sagte Alt. Er sehe keine großen Überschneidungen. Steinbach gab zu Bedenken, dass so mit den Lebenswissenschaften ein Segment in der vielfältigen Wissenschaftslandschaft stark herausgehoben werde: „Da wäre bei allen anderen die Angst groß, dass ihre Bereiche nur noch zweite Wahl sind.“ Tilmann Warnecke

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