US-Forscher : Ölpest im Golf schlimmer als gedacht?

650 Millionen Liter - von dieser Menge ausgetretenem Öl gingen Experten bislang im Golf von Mexiko aus. Doch möglicherweise haben sie sich verrechnet.

Maximilian Klose

Die Ölpest im Golf von Mexiko war möglicherweise noch verheerender als bisher angenommen. Amerikanische Forscher berichten im Fachblatt „Science“ (online vorab), dass in den 84 Tagen bis zur Schließung des Lecks rund 700 Millionen Liter Öl ins Meer flossen. Das sind fast 48 Millionen Liter mehr als bisher angenommen.

Das Team um den Geophysiker Timothy Crone von der New Yorker Columbia-Universität ermittelte, dass täglich zwischen 8,9 und 10,8 Millionen Liter aus der Austrittsstelle strömten. In den letzten Regierungsinformationen war von etwa drei Millionen die Rede.

Die Forscher arbeiteten mit einer von Crone entwickelten Technik, die die Austrittsmenge anhand von Filmaufnahmen berechnete. In den von der Regierung bereitgestellten, knapp 20 Sekunden langen Sequenzen wurde jeder Bildpunkt (Pixel) dreidimensional betrachtet und zeitlich eingeordnet. Damit wurde die Austrittsmenge und Geschwindigkeit des Öls genau bestimmt. Die Technik wurde ursprünglich erfunden, um Gasströmungen am Meeresboden zu messen. „Das ist ein großartiges Beispiel dafür, wie einfache Forschung ohne augenscheinlichen Nutzen große gesellschaftliche Bedeutung gewinnen kann“, meint Crone.

Bei der Schätzung handelt es sich jedoch nur um das ausgetretene Öl aus dem Hauptleck. Bislang konnten sich die Forscher noch nicht mit kleineren Öffnungen in der Pipeline oberhalb der Austrittsstelle befassen. Von diesen nimmt man jedoch an, dass sie im Laufe der Zeit größer geworden sind. Die tatsächliche Ölmenge liegt demnach noch über dem bisher ermittelten Wert. „Wir müssen zugeben, dass unsere Technik Grenzen hat“, sagt Crone. „Es ist unwahrscheinlich, dass wir je die exakte Menge kennen werden.“

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