US-Hochschulen mit Milliarden-Vermögen : Unis als Spekulantinnen

Die Universitäten in den USA werden wieder reicher, Harvard etwa hat ein Vermögen von fast 36 Milliarden Dollar. Wie Spekulanten bedienen sie sich vielfältiger Finanzinstrumente.

von
Im Wettbewerb. Harvard (hier Studierende jüngst beim Football auf dem Campus) ist die vermögendste US-Universität.
Im Wettbewerb. Harvard (hier Studierende jüngst beim Football auf dem Campus) ist die vermögendste US-Universität.Foto: AFP

Die amerikanischen Universitäten werden wieder reicher. Ihr Stiftungsvermögen stieg im vergangenen Jahr im Schnitt um 15,5 Prozent, das sind vier Prozentpunkte mehr als im Jahr 2013. Am meisten Geld besitzt – mit großem Abstand – Harvard: Und zwar 35,8 Milliarden Dollar, was derzeit 31,6 Milliarden Euro entspricht. Harvard hat damit inzwischen fast die großen Verluste aus der Finanzkrise wettgemacht. Auf dem Höhepunkt der Finanzkrise vor sechs Jahren hatte Harvard binnen weniger Monate fast die Hälfte des Vermögens verloren, weil die Uni-Manager stark auf „exotische“ Finanzspekulationen gesetzt hatten, wie es damals hieß. Doch nun ist die Uni wieder nahe an ihrem Rekordwert aus dem Jahr 2008 angelangt, der 37 Milliarden Dollar betrug.

Harvard vor der University of Texas

Zweitreichste Universität ist mit 25,4 Milliarden Dollar die Universität von Texas, unter deren Dach mehrere Hochschulen zusammengefasst sind. Die Texaner überholten das jetzt drittplatzierte Yale (23,9 Milliarden Dollar). Die Daten hat die National Association of College and University Business Officers (Nacubo) veröffentlicht.

Aktien, Hedgefonds, Spekulationen mit Öl und Gas

Die Nacubo-Übersicht zeigt, dass die US-Unis auch heute wie Finanzinvestoren agieren und nicht nur konservative Anlageformen zur Vermögenssteigerung einsetzen. So handeln sie nicht nur mit Aktien und verzinsbaren Wertpapieren wie Anleihen. Sie spekulieren auch mit risikoreicheren Hedgefonds, und sie beteiligen sich an Finanzinstrumenten, die an Firmenübernahmen und -fusionen verdienen wollen. Die Unis kaufen und verwalten Immobilien im In- und Ausland. Und sie handeln mit Öl, Gas, Holz und anderen Rohstoffen.

Die Unterschiede sind enorm

Die Unterschiede zwischen reichen und armen Hochschulen in den USA sind dabei enorm. Dickschiffe wie Harvard und Yale mit ihren zweistelligen Milliardenbeträgen gibt es kaum mehr als eine Handvoll. Das Durchschnittsvermögen liegt schon deutlich niedriger: bei 620 Millionen Dollar. Von 851 aufgeführten Einrichtungen liegen aber auch nur 152 über diesem Schnitt. Mehr als die Hälfte verfügt dagegen nicht einmal über 100 Millionen Dollar.

Nur ein Bruchteil wird für Lehre und Forschung verwendet

Für deutsche Ohren mag das immer noch nach viel klingen. Allerdings können die Hochschulen jedes Jahr nur einen Bruchteil des Geldes tatsächlich in Forschung und Lehre investieren. Für den Alltagsbetrieb setzen sie normalerweise die erwirtschafteten Zinsen ein, die ihr Vermögen abwirft. Im Jahr 2014 waren das im Schnitt 4,4 Prozent. Sprich: Eine Uni mit einem Stiftungsvermögen von einer Milliarde Dollar kann letztlich 44 Millionen Dollar, also rund 39 Millionen Euro, wirklich ausgeben. Das entspricht rund einem Achtel der Staatszuschüsse, die jede der großen Berliner Universitäten bekommt. Mit einem Stiftungsvermögen von zehn Millionen Dollar kann man dagegen mal gerade rund eine halbe Million für den laufenden Betrieb einplanen. Auf andere Zuschüsse, nicht zuletzt vom Staat, sind deswegen auch die wohlhabenden Hochschulen in den USA angewiesen.

Auch staatliche Unis haben ein enormes Vermögen

Zu den reichsten US-Unis gehören übrigens nicht nur die bekannten privaten Ivy-League-Unis wie eben Harvard, Yale, oder Princeton. Schon die zweitplatzierte University of Texas ist ein staatliches Hochschulsystem, ebenso wie das siebtplatzierte Texas A&M University System, das ebenfalls über die Zehn-Milliarden-Dollar-Grenze kommt. Beide texanischen Einrichtungen haben ihr Stiftungsvermögen im vergangenen Jahr noch deutlich mehr gesteigert als Harvard, nämlich um je ein Viertel. Mit der University of Michigan in Ann Arbor kommt eine weitere öffentliche Hochschule unter die Top Ten. Die unter dem Dach der University of California zusammengefassten staatlichen Unis Kalifornien – dazu gehört zum Beispiel Berkeley – konnten ihr gemeinsames Stiftungsvermögen um eine Milliarde Dollar steigern und liegen jetzt mit 7,3 Milliarden Dollar auf Platz 14.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben