Wissen : Vegetarier mit 800 Zähnen

Dinosaurierart in den Rocky Mountains entdeckt

Dagny Lüdemann

„Er war ein Monster“, sagt Terry Gates fasziniert über den Dinosaurier, dessen Überreste er am Institut für Geologie und Geophysik der Universität Utah mit Kollegen untersucht hat. Der Paläontologe hat schon so manchen Saurierschädel in den Händen gehalten – doch einen solchen Koloss mit einem Kiefer, in den ein Gebiss mit mehr als 300 Zähnen passte, hat auch Gates noch nie gesehen.

Gryposaurus monumentensis tauften die Forscher die bisher unbekannte Hakennasen-Echse, deren Fossilien schon im Jahr 2002 auf einer Exkursion des Alf Museums gefunden wurden. Das Museum im kalifornischen Claremont gehört zu einer privaten High-School und bietet jeden Sommer Ausgrabungsexkursionen in die Rocky Mountains für Schüler und Laien an. So kam es, dass der Möbelfabrikant Ducan Everhart aus Pennsylvania den Dinosaurierschädel auf dem Kaiparowits-Plateau im Nationalpark Grand Staircase Escalante National Monument entdeckte. Doch erst als die Forscher von der Universität Utah einen ersten Blick auf das gut erhaltene Fundstück warfen, wurde klar, was für eine sensationelle Entdeckung der Möbelfabrikant gemacht hatte: Denn der gewaltige, 76 Zentimeter lange Schädel stammt von dem größten Entenschnabel-Dinosaurier, der jemals auf der Erde gelebt hat, vermutet Terry Gates.

Wie die Paläontologen vom Naturhistorischen Museum Utah im Fachmagazin „Zoological Journal of the Linnean Society“ (Band 151, Seite 351) berichten, war Gryposaurus monumentensis ein Pflanzenfresser. Neben den rund 300 sichtbaren Zähnen fanden die Forscher in den Kieferknochen der Riesenechse weitere 500 Ersatzzähne, die bei Bedarf nachwachsen konnten. So ausgestattet konnten die Dinosaurier jede Art von Grünzeug zermalmen, das in der späten Kreidezeit in den Wäldern Nordamerikas zu finden war. Wegen seiner Schnauzenform wird Gryposaurus monumentensis den Entenschnabel-Dinosauriern oder Schnabeldrachen (Hadrosauriern) zugeordnet. Bisher waren drei Gryposaurier-Arten bekannt, die in der späten Kreidezeit in Nordamerika zu Hause waren.

Gates Kollege Scott Sampson vom Naturhistorischen Museum sagte, Gryposaurus monumentensis sei mit einer Körpergröße von zehn Metern der „Arnold Schwarzenegger unter den Entenschnabel-Dinosauriern.“ Aus dem Fundort, der Kaiparowits-Formation, schließen die Experten, dass der Hakennasen-Dinosaurier vor etwa 75 Millionen Jahren lebte.

Die Gesteinsformationen in dem mit 7571 Quadratkilometern zweitgrößten Nationalpark der Vereinigten Staaten gelten als wahre Schatzgrube für Paläontologen. In den letzten Jahren wurden hier mehr als ein Dutzend Fossilien bislang unbekannter Dinosaurier-Arten entdeckt und ausgegraben.Dagny Lüdemann

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