Vorbereitet auf einen Ausbruch? : Zika kann im Frühsommer Europa erreichen

Auch in Europa sollte man auf Zika vorbereitet sein, mahnt die WHO. Besonders gefährdet sind die Insel Madeira sowie die nordöstliche Schwarzmeerküste.

Jana Schlütter
Vollgepumpt. Mit einer Blutmahlzeit kann die Mücke Aedes aegypti auch Zika-Viren aufnehmen - und später an andere Menschen übertragen.
Vollgepumpt. Mit einer Blutmahlzeit kann die Mücke Aedes aegypti auch Zika-Viren aufnehmen - und später an andere Menschen...Foto: REUTERS

Das Zika-Virus kann sich ab dem Frühsommer ebenfalls in Europa ausbreiten. Das sagte Zsuzsanna Jakab, Direktorin der WHO-Region Europa auf einer Pressekonferenz am Mittwoch. Das Risiko sei in der Region gering bis moderat. „Aber es variiert von Land zu Land“, sagte Jakab. In eng eingegrenzten geographischen Gebieten wie auf der Insel Madeira und entlang der nordöstlichen Schwarzmeerküste in Russland und Georgien sei die Wahrscheinlichkeit, dass Mücken das Virus in sich tragen könnten, hoch. Dort habe sich die Mücke Aedes aegypti etabliert. Außerdem habe es in der Vergangenheit Dengue- und Chikungunya-Ausbrüche gegeben – ein Zeichen dafür, dass die Bedingungen für Zika stimmen. In Deutschland dagegen gilt die Wahrscheinlichkeit als gering.

Moderat sei die Wahrscheinlichkeit einer Übertragung in 18 Ländern, darunter sind die Mittelmeeranrainer wie in Südfrankreich, Monaco, Italien, San Marino, Spanien, Malta, Griechenland, Türkei, Albanien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina, Montenegro, Slowenien, die Türkei und Israel. Hinzu kommen Länder wie Bulgarien, Rumänien, Georgien und die Schweiz. Dort gibt es die Tigermücke Aedes albopictus, die Zika übertragen kann – allerdings nicht so effizient wie Aedes aegypti. In den 36 nördlicheren Ländern der WHO-Region sei die Wahrscheinlichkeit, dass Menschen bald von einer infizierten Mücke gestochen werden können, gering, sehr gering oder nicht gegeben.

Südfrankreich gehört zu den Regionen, die auf der Hut sein müssen

In die Bewertung floss unter anderem ein, ob es in der jeweiligen Region Aedes-Mücken gibt, wie hoch die Bevölkerungsdichte ist, der Grad der Verstädterung, klimatische Bedingungen sowie Reise- und Schiffsverkehr. In Südfrankreich zum Beispiel kommen viele dieser Faktoren zusammen. Allerdings habe man dort auch die nötigen Ressourcen, um einen Ausbruch zu bekämpfen, sagte Jakab.

Die meisten Erwachsenen bemerken eine Zika-Infektion nicht einmal, andere leiden unter grippeähnlichen Symptomen und haben einen Ausschlag. In seltenen Fällen kann es zu schweren neurologischen Komplikationen kommen. Vor allem jedoch kann das Virus das Gehirn ungeborener Kinder im Mutterleib schädigen. Schwangere gelten daher als Risikogruppe, die sich besonders vor Mückenstichen und vor einer sexuellen Übertragung schützen sollte.

Mehr als 400 Reisende haben Zika nach Europa eingeschleppt

Vor allem Länder mit hoher oder moderater Wahrscheinlichkeit einer Zika-Übertragung sollten auf Mikrozephalie-Fälle und Komplikationen wie das Guillain-Barré-Syndrom vorbereitet sein, sagte Jakab. Sie sollten Laborkapazitäten und Diagnostik bereithalten, um Zika-Fälle schnell aufzuspüren. Einen Ausbruch könnten sie zum Beispiel dadurch verhindern, dass sie die Aedes-Mücken gezielt bekämpfen.

Bisher haben mehr als 400 Reisende Zika nach Europa eingeschleppt, bisher kam es trotzdem nicht zu einer Übertragung durch Mücken. Risikogruppen wie Schwangere sollten gezielt aufgeklärt werden, hieß es bei der Pressekonferenz. Reiseempfehlungen für bestimmte europäische Staaten gebe es zum gegenwärtigen Zeitpunkt nicht.

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