Vorhersage zu El Niño : Kein Extremwetter rund um den Pazifik

Das Wetterphänomen El Niño wird dieses Jahr viel schwächer ausfallen als erwartet. Doch nicht für alle Anrainer ist das eine gute Nachricht.

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Gefürchtet. El Niño führt in Südamerika regelmäßig zu Überflutungen, wie hier im Jahr 2007 in Bolivien. Bei einer Überschwemmung hat eine Herde Rinder auf einem schmalen Landstreifen Zuflucht gesucht.
Gefürchtet. El Niño führt in Südamerika regelmäßig zu Überflutungen, wie hier im Jahr 2007 in Bolivien. Bei einer Überschwemmung...Foto: picture-alliance/ dpa

Rings um den Pazifik bleiben die für den Winter erwarteten Wetteranomalien vermutlich aus. Im Frühjahr hatten viele Fachleute mit einem extrem starken El-Niño-Ereignis gerechnet, das möglicherweise den Rekord von 1997/1998 hätte egalisieren können. Doch inzwischen erscheint es sogar als ungewiss, ob El Niño bis Ende des Jahres überhaupt noch kommt. Die Wahrscheinlichkeit für relativ warmes Wasser im tropischen Ostpazifik – ein wichtiges Kennzeichen von El Niño – ist gemäß Vorhersagen auf unter 70 Prozent gesunken, wie sich einer Übersicht des International Research Institute for Climate and Society im US-Bundesstaat New York entnehmen lässt.

Anfang 2014 waren die ozeanischen Bedingungen noch günstig für einen starken El Niño, und auch die Atmosphäre spielte mit: In den Monaten Januar bis März drehte im tropischen Pazifik mehrmals der Wind. Wo normalerweise Ostwind herrscht und warmes Wasser Richtung Indonesien treibt, wehte der Wind stattdessen aus Westen. Diese Ereignisse sind eine wichtige Zutat für El Niño und waren ähnlich auch 1997 zu beobachten, als das Phänomen Rekordstärke erreichte. Der Westwind bringt den Ozean unter der Oberfläche förmlich in Wallung, sodass sich ein paar Monate später der Ostpazifik um mehrere Grad Celsius erwärmt.

Langfristige Vorhersagen sind kaum möglich

Im Jahr 1997 erreichte El Niño schließlich Rekordwerte, weil im April und Juni weitere Westwind-Episoden folgten. 2014 blieben sie aber aus, berichtet ein Forscherteam um Christophe Menkes von der Sorbonne in Paris in den „Geophysical Review Letters“. Ohne die zusätzlichen, die ozeanische Entwicklung verstärkenden Westwind-Phasen habe es kein extremes El-Niño-Ereignis mehr geben können.

Jene Westwind-Episoden hätten verschiedene Ursachen, erläutert Menkes: Zu den Auslösern zählen tropische Wirbelstürme, eine Wetterschwankung in den Tropen namens „Madden-Julian Oscillation“ sowie die zufällige Wetterdynamik in der Region. Alle drei Faktoren sind für langfristige Vorhersagen eine Herausforderung. Möglicherweise ist es prinzipiell so, dass sich die tropischen Westwind-Episoden im Frühling nur schwer vorhersagen lassen. Das wäre ein fundamentales Limit – auch für El-Niño-Prognosen.

Kalifornien bleibt weiter von starker Trockenheit betroffen

Viele Pazifikanrainer können von Glück reden, wenn El Niño diesmal eher harmlos ausfällt. Auf diese Weise entgeht Indonesien vielleicht einer Dürre und die Küstenbewohner Ecuadors und Perus brauchen nicht mit starken Überschwemmungen zu rechnen. Anders ist die Lage in Kalifornien, dort hatten viele Einwohner auf ein starkes El-Niño-Ereignis gehofft. Es sollte die Trockenheit beenden, die den Bundesstaat nun schon seit drei Jahren plagt. Der Grundwasserspiegel ist massiv gefallen, große Speicherbecken sind praktisch leer. Doch diese Erwartung scheint für 2014, wenn es nicht noch eine Wendung in letzter Minute gibt, enttäuscht zu werden.

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