W-Besoldung in Berlin : Was die Reform den Professoren bringt

Mit der Reform der W-Besoldung machen Berliner Professoren einen echten Gehaltssprung, der sich auch auf die Pensionen auswirkt. Und Berlin, bislang Schlusslicht bei der Besoldung, steigt ins Mittelfeld auf.

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Ein Professor steht im Seminar vor Studierenden.
Erfolg. Nach dem ersten Gesetzentwurf zur W-Besoldung hagelte es Protest von Hochschulleitungen und Professoren, den der Senat am...Foto: picture alliance/dpa

Noch vor wenigen Monaten waren Berlins Professoren in Aufruhr. Sie fühlten sich vom Senat um die Früchte ihrer Arbeit betrogen: Bei der anstehenden Reform der leistungsorientierten W-Besoldung sollten die allermeisten von ihnen leer ausgehen. Die Lösung, die nun gefunden wurde, löste am Mittwoch im Wissenschaftsausschuss des Abgeordnetenhauses beinahe Feierstimmung aus, eine Neufassung der Besoldungsreform wurde ohne Gegenstimmen beschlossen. „Sie bekommen alle mehr, heute und in Zukunft, wenn es um die Pensionen geht“, rief Lars Oberg von der SPD aus.

Der Protest der Hochschulen und einzelner Professoren, die sich auch im Tagesspiegel äußerten, hat einiges bewirkt: Statt individueller Aufstockungsbeträge, die mit den Leistungszulagen voll verrechnet werden sollten, gibt es nun wie berichtet eine Erhöhung des Grundgehalts für alle – bei einer nur noch 50-prozentigen Verrechnung der Zulagen. Und im Gegensatz zu den Aufstockungsbeträgen sind die Gehaltserhöhungen ruhegehaltsfähig. Den letzten Anstoß, den ursprünglichen Gesetzentwurf zu verwerfen, hat eine Anhörung der Hochschulleitungen im Januar gegeben. Ein seltener Fall, dass Kritik der Betroffenen so nachhaltig gewirkt habe, merkte Anja Schillhaneck von den Grünen an. Durchgesetzt hat sich dabei auch ein zunächst vom Senat abgelehnter Zuschuss von 200 Euro auf die Gehälter der Juniorprofessoren.

W3-Professoren bekommen künftig 5727 Euro Grundgehalt

Durch die Reform, die noch das Abgeordnetenhaus passieren muss, werde Berlin als Wissenschaftsstandort konkurrenzfähiger, sagte Staatssekretär Steffen Krach. Senatorin Sandra Scheeres (SPD) erklärte nach der Sitzung, die Neuregelung sei "ein gutes Signal für den Wissenschaftsstandort Berlin" und helfe Berlin "im Ringen um die besten wissenschaftlichen Köpfe". Tatsächlich rückt die Stadt vom letzten Platz der bundesweiten Besoldungstabelle ins Mittelfeld – bei den W2- Professoren auf Platz 12, bei den W3-Professoren auf Platz 9. Der Sprung bei den W2lern beträgt rund 692 Euro, sie bekommen künftig ein Grundgehalt von 4994 Euro, die W3ler erhalten 478 Euro mehr und kommen auf 5727 Euro. Der Abstand zum Spitzenreiter Baden-Württemberg bleibt aber mit 689 Euro (W2) und 725 Euro (W3) beträchtlich.

Auch beim BIG geht es voran, jetzt fehlt nur noch der neue Chef

Mit dem Gesetz über das Berliner Institut für Gesundheitsforschung (BIG) wurde im Ausschuss ein weiteres für den Berliner Wissenschaftsbetrieb zentrales Projekt abgesegnet. Dieses Gesetzesvorhaben hatte sich verzögert, weil der damalige Finanzsenator Ulrich Nußbaum das zu 90 Prozent vom Bund finanzierte BIG im Sommer 2014 plötzlich infrage stellte. In dem vor zwei Jahren gegründeten Institut werden die klinische Forschung der Charité und die molekular- und systembiologische Forschung des außeruniversitären Max-Delbrück-Centrums zusammengeführt. Die rechtliche Absicherung des bis 2018 mit 300 Millionen Euro finanzierten Großprojekts soll noch vor Ostern im Abgeordnetenhaus beschlossen werden. Dann fehlt nur noch ein neuer Vorstandsvorsitzender, denn Gründungschef Ernst Theodor Rietschel scheidet Ende Mai aus. Doch auch da geht es offenbar voran. „Wir sind optimistisch, demnächst eine optimale Lösung für den Vorstandsvorsitz präsentieren zu können“, sagte Staatssekretär Krach auf Anfrage.

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