Wissen : Wie Leukämie entsteht

Adelheid Müller-Lissner

Am Anfang steht wie bei allen Krebserkrankungen eine bösartige Zelle. Bei den Leukämien – von denen es vier große Formen gibt – ist es ein weißes Blutkörperchen, das den normalen Reifungs- und Spezialisierungsprozess im Knochenmark nicht vollzieht. Bei der Akuten Lymphatischen Leukämie (ALL), der Form, die bei Kindern 80 Prozent der Fälle ausmacht, sind die Lymphozyten betroffen. Das sind Bestandteile der weißen Blutkörperchen, die im Konzert der körpereigenen Abwehr eine tragende Rolle spielen. Wenn die Reparaturmechanismen versagen und auch die Abräumarbeiten für zellulären Problemmüll nicht richtig funktionieren, kann die bösartige Zelle Klone bilden und sich durch weitere Teilung unkontrolliert vermehren.

Die Leukämiezellen machen sich selbst in der Immunabwehr nicht nützlich, vor allem aber verdrängen diese unreifen Formen die gesunden Zellen aus dem Knochenmark. Es kommt zu Blutarmut, verstärkter Blutungsneigung aus nichtigem Anlass und zu extremer Abwehrschwäche des Organismus gegen Infekte. Der Name Leukämie – im Deutschen meist als Blut- oder Knochenmarkkrebs bezeichnet – setzt sich aus den griechischen Bezeichnungen für weiß (leukos) und Blut (häma) zusammen.

Über genetische Ursachen hat man inzwischen vor allem bei der Chronisch Myeloischen Leukämie (CML) einiges herausgefunden, die allerdings eine ausgesprochene Erwachsenen-Krankheit ist. Grundsätzlich ist klar, dass neben anderen Umwelteinflüssen auch Strahlen Veränderungen hervorrufen können. NBetroffen sind die Chromosomen, die die Baupläne für die Zellen enthalten. Was im Einzelfall dazu führt, dass schon bei einem Kind das zelluläre Reparatur- und Entsorgungssystem versagt, ist damit aber alles andere als klar.

Vor allem den akuten Formen der Krebserkrankung, die noch vor einigen Jahrzehnten ein sicheres Todesurteil bedeuteten, rückt man heute in Chemotherapien mit Zellgiften zu Leibe. Sie töten solche Zellen ab, die sich schnell teilen.

Glücklicherweise ist Leukämie bei Kindern heute in vier von fünf Fällen heilbar. Das geschieht mit Chemotherapien, zu denen in einigen Fällen zusätzlich Knochenmarkstransplantationen kommen. Diese guten Erfolge lassen sich vor allem darauf zurückführen, dass die großen Behandlungszentren die Kinder heute weltweit nach denselben Regeln behandeln. Adelheid Müller-Lissner

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