Wissen : "Wir wollen keinen runden Tisch"

Die Leopoldina wird nationale Akademie

Uwe Schlicht

Deutschland hat eine nationale Akademie. Die Wissenschaftsminister von Bund und Ländern haben gestern beschlossen, dass die Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle diese Rolle übernimmt. Damit soll eine fast zwanzig Jahre dauernde Diskussion über die Nationalakademie beendet sein. Die nationale Akademie hat eine doppelte Aufgabe: Zum einen vertritt sie die deutsche Wissenschaft gegenüber den großen Akademien der Welt. Das hat die Leopoldina bereits mehrfach getan, zuletzt 2007 zur Vorbereitung des G-8-Gipfels über den Klimawandel in Heiligendamm. Zum anderen wird die nationale Akademie Politik und Gesellschaft beraten. Dabei soll die Leopoldina nicht nur Aufträge der Politik entgegennehmen, sondern auch von sich aus wichtige Zukunftsthemen aufspüren und präsentieren.

Mehrere Bundeskanzler haben in der Vergangenheit eine nationale Akademie gefordert, waren aber immer am Widerstand der sieben deutschen Regionalakademien und der großen Wissenschaftsorganisationen gescheitert. Die Wissenschaftsorganisationen haben ihren Widerstand inzwischen aufgegeben und unterstützen die hervorgehobene Position der Leopoldina. Wie sich die regionalen Akademien verhalten werden, ist noch offen. Auf jeden Fall wird die von Medizinern und Naturwissenschaftlern geprägte Leopoldina eine privilegierte Partnerschaft mit der Akademie der Technikwissenschaften (Acatech) und der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften für den Bereich der Geisteswissenschaften eingehen.

Für die Politikberatung werden die beteiligten Akademien unter Federführung der Leopoldina ein Koordinierungsgremium einrichten. Von den neun darin vertretenen Wissenschaftlern stellen die Leopoldina und die Acatech je drei, die Berliner Akademie einen; die übrigen Länderakademien teilen sich die restlichen zwei Sitze. Das Koordinierungsgremium verständigt sich über die zu bearbeitenden Themen und setzt die entsprechenden Arbeitsgruppen ein.

Bei gemeinsame Stellungnahmen mit anderen führenden Akademien der Welt solle die Leopoldina aber auch weiterhin eigenständig als nationale Akademie auftreten können, sagte Bundesforschungsministerin Annette Schavan. Stellungnahmen etwa für G 8-Gipfel würden nicht im Koordinierungsgremium verabschiedet. „Wir wollen keinen runden Tisch“, so Schavan.

Bis 2010 wird die nationale Akademie mit jährlich etwa vier Millionen Euro finaziert – 80 Prozent kommen vom Bund, 20 Prozent von Sachsen-Anhalt. Später soll über eine stärke Beteiligung der anderen Länder beraten werden. Uwe Schlicht

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