Wissenschaft : China forscht am meisten

Schwellenländer wie China und Indien holen in der Wissenschaft rasant auf, sagt die Unesco. Die technologische Vorherrschaft des Westens ist "zunehmend in Frage gestellt".

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Die weltweit meisten Forscher werden demnächst nicht mehr in den USA, sondern in China arbeiten. Das geht aus dem Wissenschaftsbericht hervor, den die deutsche Sektion der UN-Bildungsorganisation Unesco jetzt veröffentlicht hat. Auch bei der Zahl der wissenschaftlichen Publikationen holt China rasant auf und liegt hinter den USA auf Rang zwei. Chinas Investitionen in Forschung und Entwicklung sind im Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt (Bip) heute doppelt so hoch wie 2002. China investierte 2008 1,54 Prozent des Bips in Forschung und Entwicklung, was nahe am EU-Schnitt (1,95 Prozent) liegt. Bis 2020 will China seinen Anteil auf 2,5 Prozent steigern. Die „wissenschaftlich-technologische Vorherrschaft des Westens ist zunehmend in Frage gestellt“, heißt es.

Denn neben China haben auch asiatische Länder wie Indien und Südkorea im Wissenschaftssektor aufgeholt. So will Indien seine Unis massiv ausbauen, von 2007 bis 2012 soll die Zahl der indischen Studierenden von 15 Millionen auf 21 Millionen steigen. Insgesamt stieg der Anteil Asiens an den weltweiten Forschungs- und Entwicklungsausgaben von 2002 bis 2007 um fünf Prozentpunkte auf 32 Prozent. In der EU, den USA und Japan ging der Anteil dagegen zurück.

Weltweit wurden laut Unesco 2007 1,7 Prozent des Bruttoinlandsproduktes für Forschung und Entwicklung ausgegeben, ebenso viel wie im Jahr 2002. Die traditionelle Führungsrolle der USA im Wissenschaftsbereich gerät dabei vor allem durch die Wirtschaftskrise der vergangenen Jahre ins Wanken. Vor allem die Privatwirtschaft gab deswegen weniger Geld für Forschung und Entwicklung aus. Asiatische Länder wie auch einige Golfstaaten hätten dagegen in kurzer Zeit „eine gezielte Technologiepolitik mit einer erfolgreichen Verbesserung der akademischen Forschung verbunden“. Zahlreichen führenden Akademikern aus den USA, Australien und Europa seien in den vergangenen Jahren „bestens dotierte Stellen“ an den Unis aus Fernost angeboten worden.

Auch andere Schwellenländer wie Brasilien, Mexiko und Südafrika geben sehr viel mehr Geld als früher für die Forschung aus. Der Bericht hebt auch Russland und andere mittel- und osteuropäische Staaten hervor, die inzwischen wieder so viel wie zu Sowjetzeiten in die Wissenschaft investierten. Die in Paris ansässige Unesco legt im Abstand von mehreren Jahren einen Wissenschaftsbericht vor, der die weltweite Entwicklung im Forschungsbereich zusammenfasst. (mit AFP)

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