Wissenschaft und Kunst : Über den Tellerrand hinaus

Wissenschaft und Kunst treten am Hanse-Wissenschaftskolleg in Delmenhorst in einen kreativen Dialog.

Reto Weiler
Raus aus dem Elfenbeinturm. Der „Syntopische Salon“ auf dem Neuen Markt in Potsdam ist geplant als eine urbane Schnittstelle zwischen Wissenschaft und Kunst. Das kuratorisch begleitete Projekt ist gläsernes Labor und Schaukasten für Experimente unmittelbar im Stadtraum.
Raus aus dem Elfenbeinturm. Der „Syntopische Salon“ auf dem Neuen Markt in Potsdam ist geplant als eine urbane Schnittstelle...Foto: Stefan Aue / Montage: Roland Essl

Kunst und Wissenschaft definieren den modernen Menschen und sind beide Ausdruck der kognitiven Revolution, die den Weg für dessen Entwicklung ebnete. Beide ermöglichen die Eroberung unbekannter Welten und Räume und im besten Fall tun sie das gemeinsam, die Kunst, indem sie diese metaphorisch ausleuchtet und die Wissenschaft, indem sie ihnen eine begriffliche Dimension verleiht.

Das Interesse an dem Zusammenwirken von Kunst und Wissenschaft ist gerade in den letzten Jahren besonders groß geworden, vielleicht, weil beide Bereiche sich zunächst voneinander entfernt hatten. In dieser Phase, geprägt von einer zunehmenden Dominanz der Wissenschaft in allen Lebensbereichen, ist der Dialog zwischen den beiden weitgehend verstummt. Die von reduktionistischen Ansätzen getragene, geradezu stürmische und erfolgreiche Entwicklung in vielen Teilgebieten der Wissenschaft stößt jedoch zunehmend an Grenzen, zu deren Überwindung ein systemischer Ansatz beitragen kann. Er setzt eine Perspektivänderung und möglicherweise eine Änderung der Vorgehensweise voraus. Wissenschaftler zeigen eine hohe Bereitschaft, sich künstlerischen Vorgehensweisen zu öffnen und dafür ein Verständnis zu entwickeln. Diese Bereitschaft stößt ihrerseits auf ein großes Interesse in künstlerischen Kreisen, die, fasziniert von den neuen wissenschaftlich-technischen Einblicken in den Menschen, den sich daraus abzuleitenden Prozessen eine genuine Neugierde, aber auch kritische Vorbehalte entgegenbringen.

Das Hanse-Wissenschaftskolleg (HWK), ein Institute for Advanced Study, möchte deshalb einen Beitrag zu einem nachhaltigen Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst leisten und dabei seine Stärken einsetzen. Dieser Ort des Verstehens generiert ein interkulturelles Klima von Akzeptanz, Neugierde und Offenheit, welches eine entscheidende Voraussetzung für einen verständnisorientierten Dialog bildet.

Das Zusammenleben der Fellows über einen längeren Zeitraum im gleichen Gebäude in der relativen Abgeschiedenheit einer parkähnlichen Anlage schafft dafür ideale Bedingungen. Die damit immer wieder erreichte Überwindung der disziplinären Grenzziehungen hat das HWK ermutigt, das Institut für einen intensiven und gerichteten Dialog zwischen Wissenschaft und Kunst zu öffnen.

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