Wissenschaftsjahr 2009 : Ein schlauer Zug

Im Wissenschaftsjahr 2009 sollen zwölf Waggons durchs Land rollen und zeigen, was Forschung kann – und bald können muss.

Ralf Nestler

Das Jahr 2009 ist ein Jubiläumsjahr für Deutschland: Die Bundesrepublik wird 60 Jahre alt und zum 20. Mal jährt sich der Fall der Berliner Mauer. Eine gute Gelegenheit, um die Institution „Wissenschaftsjahr“ neu auszurichten, findet Bundesforschungsministerin Annette Schavan (CDU). Statt wie bisher konkrete Fächer hervorzuheben – etwa in diesem Jahr die Mathematik –, lautet das Thema nun „Forschungsexpedition Deutschland“.

„Das Wissenschaftsjahr 2009 soll deutlich machen, wie viel Wissenschaft und Forschung zur Entwicklung unseres Landes beigetragen haben“, sagte Schavan am gestrigen Mittwoch bei der Präsentation des Konzepts in Berlin.

Zentrales Element ist ein 330 Meter langer Zug, der in 60 verschiedenen Städten Station machen wird. Darin wird sich eine Ausstellung der Max-Planck-Gesellschaft (MPG) befinden, in der man sich kapitelweise von der Vergangenheit in die Zukunft bewegen soll. Dem „Prolog-Wagen“ am Anfang folgen vier Waggons, die die dynamischsten Forschungsgebiete unserer Zeit präsentieren, erläuterte der MPG-Präsident Peter Gruss. Dazu zählt neben der Genforschung unter anderem die Astrophysik. „Bisher sind nur vier Prozent der Materie im Weltall bekannt“, sagte Gruss. „In den nächsten Jahren erwarten wir große Entdeckungen, die möglicherweise die ganze Physik revolutionieren.“

Die weiteren sechs Waggons sind jenen Themen gewidmet, die für die Gesellschaft besonders wichtig sind – etwa Ernährung, Energieversorgung und Umwelt. Die Besucher sollen sehen, welche Entwicklungen es gibt beziehungsweise in bis zu 15 Jahren möglich sind. Im zwölften und letzten Waggon soll ein Mitmachlabor eingerichtet werden, in dem die Besucher bei Experimenten die Zukunft gewissermaßen selbst anpacken und gestalten können. Spätestens an dieser Stelle, hoffen die Initiatoren, werden sie ihre Zielgruppe überzeugen: Der Wissenschaftszug ist vorrangig auf Kinder und Jugendliche zugeschnitten. „Schon heute gibt es in den naturwissenschaftlichen und technischen Fächern enormen Nachwuchsmangel“, sagte Gruss.

Die mobile Berufsberatung hat allerdings ihren Preis: Zehn Millionen Euro wird der Zug nach Angaben des Forschungsministeriums (BMBF) kosten. Das Geld kommt von mehreren Institutionen und Firmen. Welchen Anteil das BMBF trägt, stand gestern noch nicht fest. In der Grundfinanzierung, die wie im aktuellen Wissenschaftsjahr 5,8 Millionen Euro beträgt, sind die Zugkosten nicht enthalten. Sie seien als „Jubiläumszuschlag“ zu verstehen, sagte Schavan.

Denn das Wissenschaftsjahr wird 2009 zum zehnten Mal ausgerufen. Neben dem Zug wird es aber auch Bekanntes geben: Tage der offen Tür an Instituten, den Wissenschaftssommer und die „MS Wissenschaft“, die in mehr als 30 Städten anlegen wird. Ralf Nestler

www.forschungsexpedition.de

Ausstellung "Mammut, Moschusochse und Rentierjäger" Foto: dpa
Tolles Mammut Eine Mitarbeiterin des Naturkundemuseums Natureum Niederelbe in Balje (Kreis Stade) schaut.Foto: dpa

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