Wissenschaftsjahr : Weltwissen für alle

Im Jahr 2010 feiert Berlin seine Wissenschaft. Höhepunkt ist eine Ausstellung im Gropius-Bau. "Schlaubär" soll die Berliner neugierig machen.

Amory Burchard
Schlaubaer
Schlaubär -Foto: promo

Der Berliner Bär trägt eine runde Gelehrtenbrille und blickt erstaunt auf das große schwarze „W“ in seiner Hand. Das Logo des Wissenschaftsjahrs 2010 und das Motto dazu – „Berlin – Hauptstadt für die Wissenschaft. Immer neugierig ...“ – soll bald überall in der Stadt einladen, 300 Jahre Wissenschaften in Berlin zu erkunden. Im kommenden Jahr feiern fünf Wissenschaftseinrichtungen runde Jubiläen, darunter die Humboldt-Universität, die Charité und die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften (siehe Kasten). Gefeiert werden solle aber mit über 200 Veranstaltungen die gesamte Wissenschaftslandschaft, für die das „W“ in der Hand des „Schlaubären“ stehe, sagte Bildungssenator Jürgen Zöllner (SPD), am Mittwoch bei der Präsentation des Programms im Roten Rathaus.

Wie alle Forscher und Institute der Stadt am Entstehen des Berliner Wissenschaftskosmos mitgewirkt haben, zeigt die große Ausstellung „WeltWissen“ im Martin-Gropius-Bau. Mit Protagonisten wie dem Erbauer des ersten Computers, Konrad Zuse, und Exponaten wie Rudolf Virchows anatomisch-pathologischen Sammlungen soll die Ausstellung vom 24. September 2010 bis 9. Januar 2011 Berliner Wissenschaftsgeschichte erzählen. Eine großflächige Installation im Lichthof des Gropius-Baus werde einem breiten Publikum unabhängig vom Bildungsstand die Welt der Wissenschaft eröffnen, sagte Christoph Markschies, Präsident der Humboldt-Uni und Mitorganisator des Wissenschaftsjahrs: Besucher treten ein in eine angeschnittene Weltkugel und gehen auf ein überdimensionales Regal mit Exponaten der wissenschaftlichen Sammlungen zu. Die Installation stehe für das Wechselspiel von lokaler Prägung und weltweiter Vernetzung. „WeltWissen“ solle aber nicht nur Erfolgsgeschichten zeigen, sondern auch Brüche zeigen, betonte Markschies. So werde es etwa auch um den Exodus der Wissenschaft im Dritten Reich gehen.

Die zentrale Ausstellung ist zugleich das teuerste Projekt im Wissenschaftsjahr. Finanziert wird „WeltWissen“ aus Lottomitteln – mit 5,5 Millionen Euro. Die übrigen rund 200 Veranstaltungen würden von den einzelnen Institutionen selber getragen und von Sponsoren mitfinanziert, sagte Detlev Ganten, Senatsbeauftragter für das Wissenschaftsjahr. Allerdings seien Sponsorenmittel im großen Umfang bisher ausgeblieben. Zwei zunächst geplante und angekündigte Großveranstaltungen müssten deshalb ausfallen: Die „Wissenschaftsmeile“ am Brandenburger Tor, auf der Wissenschaft und Wirtschaft zeigen sollten, wo sie vor allem bei technischen Geräten und etwa in der Automobilindustrie erfolgreich zusammenarbeiten, und ein Festival mit Wissenschaftsfilmen, das nun stark verkleinert in der „Urania“ laufen soll.

Zu den Höhepunkten des Jubiläumsjahrs gehören auch die „Wissenschaftstage Südwest“: Vom 16. Mai bis 5. Juni öffnen Wissenschaftsstandorte im „Oxford Berlins“, darunter die Bundesanstalt für Materialforschung, das Bundesarchiv und das Deutsche Archäologische Institut ihre Türen für die Öffentlichkeit. Mit dabei ist auch die Freie Universität, die sich ebenso wie die Humboldt-Universität in der Tradition der 1810 gegründeten Berliner Universität sieht. Dieser Traditionsstreit solle im Wissenschaftsjahr keine Rolle spielen, sagte HU-Präsident Markschies. Das Erbe der Humboldt-Universität sei in alle Welt exportiert worden.

Alle Wissenschaftseinrichtungen der Stadt können in der 10. Langen Nacht der Wissenschaften am 5. Juni erkundet werden. Und vom 6. bis 15. Oktober laden die Jubilare Humboldt-Uni, Charité und Berlin-Brandenburgische Akademie noch einmal zu einer gemeinsamen Jubiläumswoche mit wissenschaftlichen Konferenzen, Abendvorträgen, Ausstellungen und Festveranstaltungen ein.

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben