Wo Schavan abschrieb : Vergleich von Zitat und Original

Über Freuds „Kulturmenschen“ schreibt Annette Schavan in ihrer Dissertation:

„Von Geburt an strebt das Individuum nach Freud bei allem, was es tut, nach Gewinnung von Lust und Vermeidung von Unlust. Diesem Streben setzt die Realität spürbare Grenzen. Steht dem Menschen rein theoretisch der Weg offen, ohne Rücksicht auf die Umwelt die egoistische Befriedigung aller seiner Wünsche zu suchen, so ist dies praktisch aufgrund zu erwartender harter Sanktionen durch die Gesellschaft unmöglich. Weil der Mensch die Geborgenheit im Raum der Gruppe braucht, für ihn der Boykott der Mitwelt zu den unlustvollsten Erlebnissen gehört, verzichtet er auf die unmittelbare Erfüllung von Wünschen und respektiert die Spielregeln des Zusammenlebens, um so doch noch zu einem relativ großen Quantum an Lust zu kommen.“

In der an der Stelle nicht benannten Originalquelle „Psychoanalyse und Gewissen“ schreibt Ernst Stadter: „Jedes Individuum strebt im Grund bei allem, was es tut, nach Gewinnung von Lust und Vermeidung von Unlust. Die Realität setzt dem Glücksstreben spürbare Grenzen. Zwar steht ihm rein theoretisch der Ausweg offen, seinen Bedürfnissen nachzugeben und ohne Rücksicht auf die Umwelt die egoistische Befriedigung sämtlicher Wünsche zu suchen. Insofern die Interessen aller durch die Rücksichtslosigkeit eines einzelnen geschädigt werden, reagiert die Gesellschaft mit harten Sanktionen. Nun braucht der Mensch nichts dringender als die Geborgenheit im Raum der Gruppe, und kein Erlebnis ist „unlustvoller“ als der Boykott durch die Mitwelt. Der „Wilde“ zieht es vor, Spielregeln des Zusammenlebens zu respektieren. Er verzichtet auf die unmittelbare Erfüllung von Wünschen, um so doch zu einem relativ optimalen Quantum an Lust zu kommen.“ tiw

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