Zika in Lateinamerika : WHO warnt Schwangere vor Reisen in Zika-Epidemiegebiete

Mehr Mücken, mehr Zika-Fälle, mehr betroffene Neugeborene und Gelähmte: Der Ausblick auf die nächsten Monate sei "alarmierend", sagt WHO-Generaldirektorin Margaret Chan. Das Notfallkomitee hat daher seine Empfehlungen konkreter formuliert.

von
Ausgeräuchert. Mal eben Insektizide versprühen, ist nicht genug. Die Mückenbekämpfung muss dauerhaft gestärkt werden - und alle Lebensphasen der Tiere einschließen.
Ausgeräuchert. Mal eben Insektizide versprühen, ist nicht genug. Die Mückenbekämpfung muss dauerhaft gestärkt werden - und alle...Foto: Carlos Jasso, REUTERS

Schwangere Frauen sollten Gebiete meiden, in denen Mücken gerade das Zika-Virus übertragen. Wenn ihr Partner dort lebt oder dorthin gereist ist, sollten sie sich während der gesamten Schwangerschaft beim Sex vor einer Ansteckung schützen oder darauf verzichten. Dies sind zwei der Empfehlungen, die das von der WHO einberufene Notfallkomitee am Dienstag beschlossen hat. „Wir geben keine Reisewarnung für ganze Staaten aus“, betonte der Vorsitzende des Komitees, David Heymann. „Vielmehr liegt es in der Verantwortung der Staaten, betroffene Regionen zu ermitteln.“ Schwangere sollten aufgrund dieser Daten eine informierte Entscheidung treffen.

Derzeit wird Zika in 31 Staaten und Territorien in Lateinamerika und der Karibik übertragen. Noch bis Mai regnet es dort sehr oft, so dass sich die Aedes-Mücken rasant vermehren. „Wir rechnen mit mehr Zika-Fällen und einer weiteren geographischen Ausbreitung“, sagte WHO-Generalsekretärin Margaret Chan. Gleichzeitig zeigten die neuesten Studien, dass der ursächliche Zusammenhang zwischen Zika und Geburtsfehlern – auch über eine Mikrozephalie hinaus – und Zika und Lähmungserscheinungen bei Erwachsenen (Guillain-Barré-Syndrom) wahrscheinlich ist. „Das ist beides alarmierend“, sagte sie.

Warum fiel die Gefahr nicht viel früher auf?

Handel und Reiseverkehr sollten zwar nicht grundsätzlich eingeschränkt werden. Aber insbesondere rund um die Flughäfen in den Epidemiegebieten sei die Mückenbekämpfung nun wichtig; sie sollten frei von potenziellen Brutstätten sein. Die Staaten sollten erwägen, Flugzeuge zu desinfizieren, heißt es in der Erklärung. Darüber hinaus seien mehr Daten dazu nötig, welche Mückenarten Zika übertragen können und gegen welche Insektizide sie noch nicht resistent sind. Programme zur Mückenbekämpfung sollten langfristig gestärkt werden.

Besorgt. David Heymann (links) und WHO-Generaldirektorin Margaret Chan nach der Sitzung des Notfallkomitees.
Besorgt. David Heymann (links) und WHO-Generaldirektorin Margaret Chan nach der Sitzung des Notfallkomitees.Foto: dpa

In den Epidemiegebieten solle Mückenschutz „aggressiv“ propagiert werden. Krankenhäuser sollten sich auf Fälle von Guillain-Barré-Syndrom sowie Missbildungen bei Neugeborenen vorbereiten. Wo es Zika-Fälle in einem Land gebe, sei es ratsam, Kohorten von Schwangeren zu begleiten und ihr Schicksal zu dokumentieren, sagte Chan. Das helfe letztlich allen, das Risiko besser einzuschätzen.

Eine offene Frage sei, warum die neurologischen Komplikationen bei Erwachsenen und die Gefahr für Föten nicht viel früher aufgefallen sind – obwohl das Virus seit 1947 von Afrika aus fast den ganzen Globus umrundet hat. Die Erbgutsequenzen der afrikanischen und asiatischen Virenstämme würden nun genau verglichen, sagte Chan. „Wir schauen uns außerdem den aktuellen Ausbruch auf Kap Verde an, um Unterschiede zu finden.“

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben