Der Tagesspiegel : Abschlag am Scharmützelsee

Bei der Golf-Europameisterschaft in Bad Saarow treten heute 70 Amateure an

Jennifer Witt

Bad Saarow - Am heutigen Tag wäre es nicht sehr ungewöhnlich, wenn man bei einem Spaziergang um den Scharmützelsee den ein oder anderen Golfball vorbeifliegen sieht. Vor der idyllischen Kulisse des Sees in Bad Saarow findet das Europameisterschaftsfinale der Amateure im Golfen statt (ab 12 Uhr, freier Eintritt). 70 Golfer sind heute dabei, und es kann durchaus vorkommen, dass sich mancher von ihnen geschlagene Ball auch außerhalb des Rasens seinen Weg sucht.

Es ist ein tückisches Feld, das selbst den besten Amateuren alles abverlangt. Auf dem Nick-Faldo-Platz in Bad Saarow wurden schon 2000 die Weltmeisterschaften ausgetragen. Profis sagen dem Platz einen „selektiven Charakter“ nach – das Gelände entscheidet mit darüber, wer auf dem richtigen Weg ist, ein Profi zu werden und wer nicht.

Einer der deutschen Teilnehmer ist der 27-jährige Nils Bühring, der in Potsdam studiert und sich dabei auf Sportpsychologie spezialisiert hat. Er weiß aus eigener Erfahrung,wie schwierig es ist, sich in diesem Sport als Profi durchzusetzen: „Profi zu sein ist nicht viel mehr, als zu sagen, dass man es ist“, sagt Bühring. Um sich sicher zu sein, brauche man Zeit, müsse sich mentale und technische Fähigkeiten über Jahre hinweg aneignen. Bühring ist mit einem 19 Jahre jungen Teamkollegen vom Golfclub Wannsee unterwegs, Philipp Mejow. Das Talent trägt manche Hoffnung der deutschen Golfszene auf eine große Zukunft; seitdem er die Schule beendet hat, konzentriert er sich ganz auf den Sport. Doch in Bad Saarow ist Mejow in der Vorrunde schon ausgeschieden – ein selektiver Platz eben.

Bisher haben sich viele Golffans das Turnier angesehen, „vor allem junge Golfer können hier sehr viel mitnehmen“, sagt Mejow. So nah sei man nie wieder an den „großen Stars von morgen“, fügt die Leistungs- und Sportkoordinatorin des Golfclubs Wannsee, Miriam Hiller, an. Auch sie glaubt: „Wer hier gewinnt, ist ein Anwärter auf den Profisport.“

Zu den Spitzensportlern will Mejow auch bald gehören. Nils Bühring, sein älterer Kollege, macht ihm Mut: „Es ist keine Schande, bei so einem Spitzenturnier auszuscheiden.“ Auf dem Weg zum Profigolfer gehören Niederlagen wie in Bad Saarow dazu. „Philipp soll jetzt bloß nicht aufgeben.“ Das hat der Berliner auch nicht vor. Seitdem sein Vater ihn vor neun Jahren mit zum Golfen genommen hat, sei es sein großer Traum. Am Scharmützelsee erfüllt er sich heute für einen anderen. Jennifer Witt

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