Der Tagesspiegel : Alles über Adebar

In Rühstädt findet eine Konferenz der Storchendörfer statt – und am Wochenende ein Fest dazu

Claus-Dieter Steyer

Rühstädt - Eine echte Attraktion für die Teilnehmer der internationalen Storchenkonferenz in Rühstädt hatten zwei Adebar-Pärchen des Dorfes zu bieten. In ihren Horsten schlüpften vor einigen Wochen gleich fünf Störche. Das allein ist noch keine Überraschung. Aber alle fünf Jungtiere blieben am Leben und wurden von ihren Eltern mit Nahrung versorgt. In der Regel reichen die Kraft und das Futterangebot nur für einen zweiköpfigen Nachwuchs. So aber herrscht heute in Rühstädt in Sichtweite der Elbe ein besonders reger Flugverkehr – und die vielköpfigen Storchenfamilien stehlen den anderen derzeit im Ort lebenden 31 Storchenpaaren mit insgesamt 69 Jungstörchen eindeutig die Show.

Von heute an bis Sonntag dauert die Storchenkonferenz mit 70 Teilnehmern aus allen neun Europäischen Storchendörfern und Gästen aus weiteren sechs Ländern. Der Workshop, der zum ersten Mal in Deutschland stattfindet, hat das Thema „Europas Störche brauchen Freunde“: Es geht unter anderem um den Schutz von Feucht- und Überschwemmungsgebieten für die Nahrungssuche, den Verzicht auf Chemie in der Landwirtschaft rund um die Storchendörfer und um öffentliche Zuschüsse. Diskutiert werden aber auch die Vorteile, die aus der Ortswahl der Storchenfamilien gezogen werden können – die richtige Werbung um Gäste beispielsweise oder die Verlängerung der Touristensaison nach Abflug der Störche Ende August. Allein in Brandenburg betrifft das drei Storchenzentren: Rühstädt, Linum nördlich Berlins und Vetschau im Spreewald.

Der Titel „Europäisches Storchendorf“ wird seit Mitte der 90er Jahre von der internationalen Umweltstiftung „Euronatur“ vergeben – und nur ein Ort eines EU-Mitgliedslandes kann sich für die Auszeichnung bewerben. Neben Rühstädt, das 1996 Aufnahme in den Kreis der Störchendörfer fand, tragen Gemeinden in Spanien, Kroatien, Ungarn, Polen, Österreich, Rumänien, Slowenien und Bulgarien den Namen.

In Rühstädt fühlen sich Störche seit Anfang der 70er Jahre sehr wohl. Das liegt nicht nur an dem guten Nahrungsangebot in den Armen der Elbe, an den Tümpeln und auf den Wiesen. „Wir haben damals als Erste Reisigbündel auf Scheunen- und Hausdächer gelegt“, erinnert sich August Wilhelm Stettin, der heute als Mitglied des Storchenclubs Besucher durch den Ort führt. „Die Störche nahmen die Hilfe an und bauten auf dem Reisig ihre Horste.“ Das müsse sich dann schnell bei den Tieren „herumgesprochen“ haben, mutmaßt Stettin. Bis zu 44 Nester seien in dem 260-Seelen-Dorf jeweils von März bis August besetzt.

Brandenburg gilt als das storchenreichste Bundesland. Der Naturschutzbund schätzt die Zahl der Paare auf 1300, die der Jungstörche auf 2500. Im Vorjahr gab es nur 1200 Paare mit 1500 Jungen. Das schlechte Wetter erschwerte die Nahrungssuche. Die Vogelgrippe, an der im April zwei Störche im Kreis Märkisch-Oderland gestorben waren, hat sich jedoch nicht weiter verbreitet.

Gleichzeitig mit der Konferenz feiert Rühstädt am Wochenende sein traditionelles Storchenfest. Führungen finden am Sonnabend um 11, 13.30 und 16 Uhr sowie am Sonntag um 11.30 und 13.30 Uhr statt.

Auskünfte unter Tel. 038791/6714 und im Internet unter www.storchenclub.de

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