Der Tagesspiegel : Andrang, Beifall, Hymne

CLAUS-DIETER STEYER

HÖRLITZ .Die Besetzung des ersten Rennens auf dem Lausitzring im Sommer nächsten Jahres steht zumindest auf einer Position schon fest: Ministerpräsident Stolpe will sich den Spaß nicht entgehen lassen, nachdem er gestern am Steuer eines Ferrari-Rennwagens von 1996 offensichtlich auf den Geschmack gekommen war.Schließlich schaffte er seine vier Runden bis auf zweimalige Berührung einer Mauer fast fehlerfrei.Freilich bewegte er den teuren Wagen keinen Meter, sondern beschleunigte, bremste und lenkte das Auto auf einem großen Computerbildschirm.Die versammelten Motorsportexperten spendeten höflich Beifall.

Die Einlage mit dem Ferrari gehörte zum großen Spektakel der Grundsteinlegung für die Haupttribüne der 310 Millionen Mark teuren Renn- und Teststrecke.241 Millionen Mark davon sind Fördermittel des Bundeslandes.Damit ist der Lausitzring nach dem neuen Flughafen in Schönefeld das zweitgrößte Bauprojekt in Brandenburg.Außenstehende mögen sich noch immer verdutzt die Augen über die riesigen Dimensionen der Rennstrecke an der Autobahn Berlin-Dresden und die Begeisterung in der Region reiben, zumal es im Westen Deutschlands schon zwei Formel-1-Strecken gibt und in Sachsen-Anhalt eine weitere Anlage dafür ausgebaut wird.

Doch die beste Antwort bot wohl der Andrang zur Grundsteinlegung der einmal 25 000 Plätze bietenden Haupttribüne.Von überall her strömten Menschen jeden Alters zur staubigen und auf den letzten 200 Metern nur mit geländegängigen Fahrzeugen erreichbaren Baustelle in einem ehemaligen Braunkohlentagebau.Dort erwartete sie nicht nur der besagte virtuelle Ferrari.Der Förderverein Lausitzring hatte ebenso Fallschirmspringer, Hubschrauber, Artisten, ein Orchester, Rummelplatzbetreiber und reichlich Kioske für das leibliche Wohl engagiert.Zur Feier des Tages erlebte die "Lausitzring-Hymne" ihre Premiere, und der Bergarbeiterchor aus Brieske schmetterte ein neues Lied zur Ehren des Baus über den Platz.Ein Hochzeitspaar erhielt von Stolpe persönlich die von einer Modeschmuckdesignerin entworfenen "Lausitzringe" aus Gold, auf denen das Symbol der Rennstrecke nicht fehlt.

Nicht nur für diese jungen Leute gab es viele Versprechungen und gute Wünsche.Stolpe sprach vor den Hunderten Besuchern von einer "großartigen Gemeinschaftsleistung in Zeiten von weitverbreitetem Egoismus", und der Vorstandsvorsitzende der das Projekt finanzierenden Bankgesellschaft Berlin, Wolfgang Rupf, sah gar ein "zukunftsweisendes Signal weit über die Grenzen Deutschlands hinaus".Das Engagement der Prüforganisation DEKRA nimmt nun auch konkrete Formen an, denn Vorstandsmitglied Kurt Rößler kündigte die baldige Grundsteinlegung für das Technologiezentrum mit 60 Arbeitsplätzen an.Den meisten Beifall aber erhielt der Chef des ADAC Berlin-Brandenburg, Wolf Wegener, für sein Versprechen, auf die "modernste Rennstrecke Europas" auch den Formel-1-Zirkus zu holen.

Kritische Argumente hatten in einer Atmopshäre, in der der Lausitzring wie die Erlösung von allen Widrigkeiten geschildert wurde, keine Chance.Bisher gibt es keine festen Verträge mit Rennsportveranstaltern.Erst im Herbst sollen ernsthafte Verhandlungen beginnen.

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