Der Tagesspiegel : Aubis-Affäre: Cottbuser Mieter warten weiter

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"So langsam wird es selbst dem harten Kern zuviel ...". Waltraud Last vom Sprecherrat Cottbuser Mieter ist um eine sachliche Darstellung der Situation jener Menschen, die seit Jahren auf die Sanierung ihrer Plattenbauwohnungen warten, bemüht. Aber manchmal dringt der Frust durch: "Wir waren so froh, als die Berliner Firma Stern das kompetente Sanierungskonzept vorlegte. Wir dachten, dass es nach all den Querelen mit Aubis jetzt endlich weiter geht. Nun passiert wieder nichts, weil die Berlin Hyp die zugesagten Sanierungskredite nicht auszahlt."

Vor vier Jahren konnte es der gleichen Bank mit der Auszahlung gar nicht schnell genug gehen. Damals hatten die beiden - inzwischen durch die Barspende an Berlin-Hyp-Vorstands- und CDU-Fraktionschef Klaus Landowsky bekannten - Aubis-Chefs Wienhold und Neuling 3023 Wohnungen in Cottbus gekauft und dafür einen Kredit von 55 Millionen Mark erhalten. Außerdem zahlte die Bank Sanierungskredite in Höhe von etwa 40 Millionen Mark und etwa fünf Millionen Mark Nebenkosten.

Doch bis heute ist ein Großteil der Wohnungen noch nicht beziehungsweise nicht fertig saniert. Hinzu kommen fehlende Betriebskostenabrechnungen und überhöhte Preise für Fernwärme und Reinigung, die von Firmen berechnet wurden, die mittelbar mit Aubis verquickt waren. Die Mieter protestierten, die Angelegenheit wuchs sich in Cottbus zu einem handfesten Skandal aus.

Auch in anderen ostdeutschen Städten gingen die Geschäftskonzepte von Aubis nicht auf, schnell war klar, dass die Bank einen Teil der Kredite abschreiben musste. Da die Verpflichtung zur Sanierung aus dem Altschuldenhilfegesetz für viele Häuser bis heute nicht erfüllt ist, wurde die Firma Stern mit der Erarbeitung eines Konzepts beauftragt.

Für die baupolitische Sprecherin von Bündnis 90/ Die Grünen im Berliner Abgeordnetenhaus, Barbara Oesterheld, ist es unverständlich, dass die Berlin-Hyp "Stern jetzt den Geldhahn zudreht" und die Cottbuser Mieter wieder die Dummen sind. Von denen haben in den letzten Jahren ohnehin viele die Wohnung gewechselt. Und jene, die blieben, weil sie immer noch auf eine Sanierung hofften, befürchten inzwischen, dass aus dem harten Kern langsam das wird, was der Volksmund im Osten früher immer "DDR" nannte: Der Doofe Rest.

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