Der Tagesspiegel : Auf die adelige Tour

Der Tagesspiegel bietet ab Sonntag Ausflüge zu oft verborgen gelegenen Prachtbauten in Brandenburg

Claus-Dieter Steyer

Sie machen das Land Brandenburg unverwechselbar: rund 500 Schlösser und Herrenhäuser. Tagesspiegel-Leser können sie jetzt näher kennen lernen. Ab morgen stellen wir in einer neuen Ausflugsserie zwei Dutzend solcher Anwesen in unterschiedlichsten Brandenburger Regionen vor. In acht Folgen machen wir Lust, oft verborgene Prachtbauten zu erkunden – zu Fuß, mit dem Auto oder mit dem Fahrrad. Das geht ganz einfach: Jeder Ausgabe liegt eine Karte bei – mit einer Tour zu drei Schlössern und den wichtigsten Sehenswürdigkeiten am Rande. Und es gibt etwas zu gewinnen: Am Ende der Serie verlosen wir 24 Gutscheine für Aufenthalte in Schlosshotels oder in einem Hotel in der Nähe der beschriebenen Schlösser. Wer mitmachen will, muss nur die einzelnen Folgen aufmerksam lesen und eine der Rätselfragen richtig beantworten.

Im letzten Jahrzehnt wurden viele Herrenhäuser wieder herausgeputzt. Die Sanierungsfälle aber fallen wahrscheinlich stärker ins Auge. Der Freundeskreis Schlösser und Gärten der Mark, der sich mit Benefizkonzerten, Spendenaktionen und Broschüren um das kulturelle Erbe bemüht, hält ein Drittel der 500 Schlösser und Herrenhäuser für akut gefährdet. Sie stehen oft leer und finden keinen Investor. Bei einem weiteren Drittel der Bauwerke raten Experten zu möglichst schneller Restaurierung. Unsere ausgewählten Beispiele zeigen, wie wertvoll die Schlösser für das Land Brandenburg sind. Und es macht Spaß, mehr über die Schlossherren zu erfahren.

Natürlich fehlen in der Serie die besonderen Schmuckstücke der preußischen Könige nicht. Dieses Erbe pflegt heute die Stiftung Preußische Schlösser und Gärten, die inzwischen 36 Museumsschlösser und mehr als 100 weitere Häuser betreut, darunter die Hohenzollernschlösser in Orten wie Rheinsberg, Paretz oder Caputh. Die bekannten Touristenziele wie Sanssouci oder das Neue Palais streifen wir nur am Rande. Denn neben diesen Prachtbauten gibt es viele andere sehenswerte Gebäude in Brandenburg. Mehr als ein Dutzend adliger Familien lenkten oft über Jahrhunderte die Geschicke ganzer Landstriche. Im 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts eiferten dann die zu Geld gekommenen Großindustriellen den Hohenzollern nach und bauten sich stattliche Anwesen.

Die Bodenreform – Motto: „Junkerland in Bauernhand“ – nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs in der sowjetischen Zone bedeutete tiefe Einschnitte. Nach der Vertreibung der Eigentümer zogen in die Schlösser und Gutshäuser sowjetische Militärkommandanturen, Flüchtlingsfamilien, Schulen, Kinderheime, Verkaufsstellen, Gastwirtschaften oder Schulungsstätten ein. Prachtfassaden verschwanden unter Einheitsputz oder verfielen. Nach der Wiedervereinigung 1990 gingen manche Anlagen an Gemeinden oder die Treuhandanstalt, andere kauften Hotelketten, Geldinstitute, Privatleute, Unternehmer oder die vom Land Brandenburg und der Deutschen Stiftung Denkmalschutz getragene Schlösser GmbH. Diese sanierte mehrere Häuser, um sie an Hoteliers, Rechtsanwälte oder an Akademien zu verpachten. Hinter jedem Bauwerk verbirgt sich eine spannende Geschichte mit vielen überraschenden Episoden. Einige haben wir in unserer Serie aufgeschrieben.

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