Der Tagesspiegel : Aufgerüstet für den Fall Schmökel

Ab Montag steht der Schwerverbrecher in Neuruppin vor Gericht. Dort gibt es Geheimgänge und strenge Kontrollen

Claus-Dieter Steyer

Neuruppin. Seit Tagen gibt es am Landgericht Neuruppin nur ein Thema: Der Prozess gegen den Schwerverbrecher Frank Schmökel. Am kommenden Montag beginnt das Verfahren gegen den 40-Jährigen. Dann herrscht höchste Sicherheitsstufe.

Schmökel, dem die Anklage Mord, versuchten Totschlag in drei Fällen und Raub mit Todesfolge vorwirft, hat erneut einen Fluchtversuch angekündigt. Schon sechsmal war der unberechenbare Triebtäter seit 1993 aus diversen Landeskliniken ausgebrochen, wohin ihn die Gerichte zuvor zur Therapie eingewiesen hatten. Zuletzt nutzte er im Oktober 2000 einen Besuch bei seiner Mutter in Strausberg zur Flucht. Er verletzte zwei Pfleger und seine Mutter und erschlug einen Rentner. Nach elf Tagen wurde er in Bautzen gefasst. Seitdem sitzt er in einer eigens für ihn hergerichteten Zelle im Maßregelvollzug der Landesklinik Brandenburg/Havel.

Laut Tatortprinzip ist für die Verhandlung das Landgericht in Frankfurt (Oder) zuständig. Doch dort fand sich kein entsprechender Verhandlungsraum für einen Prozess mit einem derart großen Risiko. „Die Sicherheitsexperten verlangten einen separaten Zugang des Angeklagten und seiner Bewacher in den Saal“, sagte der Pressesprecher des Frankfurter Gerichts, Peter Wolff. „Bei uns ist das leider nicht möglich. Da müssen alle Angeklagten über den normalen Flur laufen.“ Das neue Gericht in Neuruppin gleiche dagegen schon einem Hochsicherheitstrakt.

Alle Besucher müssen sich am Montag auf intensive Kontrollen einstellen. Für die 20 reservierten Journalistenplätze lief schon Anfang September die Akkreditierungsfrist ab. Nur zwei Fotografen und ein Kamerateam sind zugelassen. Die anderen 25 Stühle im Saal werden ab 7 Uhr vergeben. Sie dürften heftig umstritten sein. Um 10 Uhr wird die Sitzung eröffnet. Bis zum 28. November sind zehn Verhandlungstage vorgesehen.

Alle Beobachter werden zweimal kontrolliert „vor dem Einlass zum Gerichtsgebäude und vor dem Gerichtssaal. Waffen, Messer und Taschen sind nicht erlaubt. Selbst Kugelschreiber werden auseinander geschraubt und auf ihren Inhalt überprüft. „Wir wissen ja spätestens seit James Bond, dass man diese Stifte zur Schusswaffe umbauen kann“, begründet Gerichtssprecher Wolff. Auch würden die Ausweise aller Besucher abgelichtet, um Störer des Prozesses schnell identifizieren zu können. „Schmökel hat mit Sicherheit viele Feinde, so dass wir mit unseren Vorkehrungen auch ihn schützen müssen“, sagte Wolff.

Der Prozess unterbricht die fast vollständige Isolation von Frank Schmökel. Im neuen Gebäude der Landesklinik Brandenburg hat seine Acht-Quadratmeter-Zelle Panzerglasfenster, weil er bei zwei seiner Fluchten Fenstergitter durchsägt hatte. Die Zelle darf er nur mit Handschellen gefesselt zum einstündigen Gang im umzäunten Hof der Klinik verlassen. Zwei Pfleger bewachen ihn dabei. Sonst sitzen sie vor seiner Zelle oder beobachten ihn durch ein Fenster vom benachbarten Dienstraum aus. Die an der Decke installierte Videokamera wurde auf Antrag des Anwalts von Schmökel ausgeschaltet. Sie kann bei möglichen Gefahrensituationen aber sofort wieder in Betrieb genommen werden.

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