Der Tagesspiegel : Bad Saarow: Investorenkampf um Hotel

Bernd Matthies

Die Auseinandersetzung um das Schicksal des halb fertigen Thermalhotels in Bad Saarow eskaliert gegenwärtig zu einem märkischen Investorenkrieg. Auf der einen Seite steht die Virnich KG, Bauherr und Grundstückseigentümer, die das Projekt mit einem Hamburger Geldgeber und der Radisson-SAS-Gruppe als Betreiber fertig stellen will - auf der anderen Seite die Düsseldorfer IKB-Bank, die jetzt die Zwangsversteigerung durchzusetzen versucht und mit dem Berliner Investor und Hotelbetreiber Otremba verhandelt. Das Ergebnis ist völlig offen: "Entweder wird in sechs Wochen weiter gebaut oder in fünf Jahren abgerissen", sagt Virnich-Geschäftsführer Jochem Erlemann.

In den Rohbau des Vier-Sterne-Thermalhotels am Ufer des Scharmützelsees sind schon 56 Millionen Mark geflossen, die Fertigstellung soll noch einmal 40 Millionen kosten, ein gewaltiger Sprung gemessen an den ursprünglich kalkulierten rund 59 Millionen, in denen eine öffentliche Förderung von ca. 10 Millionen Mark enthalten war. Dieser Planung hatte die IKB-Bank zugestimmt - doch sie galt laut Erlemann für ein Drei-Sterne-Sporthotel.

Dann aber unterschrieb die Radisson-Gruppe, die auf Vier-Sterne-Häuser spezialisiert ist, den Betreibervertrag. Die Folge war zunächst, dass für eine aufwendige Klimaanlage und hochwertigere Ausstattung weitere fünf Millionen fällig wurden. Wenig später floss das Bad Saarower Thermalwasser; die Folge war laut Erlemann eine Umplanung des Wellness-Bereichs plus Wasser-Pipeline für insgesamt 23 Millionen Mark Mehrkosten, zu denen das Land weitere fünf Millionen beisteuern wollte. Strittig: Der Berliner Architekt Peter Kempchen, verantwortlich für die Entwurfs- und Ausführungsplanung, beziffert die Mehrkosten durch die Thermalwasserversorgung auf insgesamt nicht mehr als zwei Millionen. Alles andere sei auch in den ersten Plänen enthalten gewesen. Erlemann widerspricht: Alles sei mehrfach geprüft und auch von der Bank zunächst akzeptiert worden

Die IKB-Bank stimmte nach Erlemanns Angaben den neuen Plänen zu und ließ sich zusätzliche Sicherheiten übereignen, zog dann aber die Zusage zurück und übernahm die weitere Geschäftsführung des Projekts. Seit Spätsommer 2000 ruht die Arbeit auf dem Bau. Erlemann betrachtet das Vorgehen der Bank als "Kampf von Goliath gegen David". Es gehe der Bank darum, das Projekt einem ihr langjährig verbundenen Investor, eben Otremba, günstig zuzuschanzen.

Otremba bestätigte die langjährigen Kontakte zur IKB-Bank; die Komplott-Theorie sei Unsinn. Er sagte, man sei daran interessiert, das Thermalhotel zu vollenden, allerdings nicht unter Radisson-Regie, sondern nach eigenen Vorstellungen als "Esplanade im Grünen". Die Otremba-Gruppe besitzt und betreibt das Berliner Grand Hotel Esplanade. Doch auch Erlemann hat nach eigenen Angaben einen Hamburger Investor an der Hand, der die Fertigstellung für Radisson finanzieren will, aber von der Bank nicht akzeptiert werde.

Gegenwärtig konzentriert sich der Streit auf ein Verkehrswertgutachten, das im Auftrag des Amtsgerichts Frankfurt/Oder erstellt wurde. Es kommt auf 19 Millionen Mark - Grundstückswert minus Abrisskosten des Rohbaus. Dieses Gutachten habe man angefochten, sagt der Virnich-Geschäftsführer; es liege viel zu niedrig. Die Zwangsversteigerung ist erst möglich, wenn der Verkehrswert feststeht, und kann dann durch eine Gegenklage erneut gestoppt werden. Dies strebt Erlemann an. Entweder komme man jetzt "am runden Tisch" zu einer Lösung, oder der Bau verfalle über den mehrjährigen Instanzenweg zur Ruine.

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