Der Tagesspiegel : Bad Saarow: Kempinski verlässt den Kurort

Claus-Dieter Steyer

Vor dem größten Hotel des Kurortes Bad Saarow wird am Neujahrstag die Kempinski-Flagge eingeholt. Dann endet das Engagement der Gruppe, die weltweit Häuser der Spitzenklasse führt, am Scharmützelsee. Im Mai 1997 war das Fünf-Sterne-Hotel eröffnet worden. Mit 200 Zimmern und 64 Appartements gehört es zu den größten Beherbungsstätten in Brandenburg. Ab 1. Januar übernimmt der Sporting Club Berlin, der von einer österreichischen Bau Holding getragen wird, das ihm ohnehin gehörende Haus in eigener Regie. Ab März 2001 soll das Haus mit einem neuen Konzept starten. Für die Hotelgäste, die über Silvester und Neujahr oder in den folgenden Tagen eine Übernachtung gebucht haben, ändert sich durch den Rückzug von Kempinski nichts. "Wir bieten den gleichen Service, öffnen den 1400 Quadratmeter großen Wellness-Bereich und verwöhnen den Gast mit unserer Küche", sagte eine Pressesprecherin gestern in Bad Saarow.

Der Sporting Club Berlin betrachtet den Rückzug von Kempinski als "großen Vorteil für die Gäste". So kommentierte Rolf Urben, Mitglied der Geschäftsführung, die überraschende Nachricht. "Bisher musste sich der Gast zuerst ums Hotel kümmern und dann seine gewünschten Zeiten in den Sportstätten buchen. Künftig erfolgt dies alles aus einer Hand." Gleich hinter dem Hotel beginnen vier Golfplätze und die Steganlagen der Yacht Akademie. In Sichtweite befinden sich außerdem die Nick-Bollettieri-Tennis-Akademie und das Alwin-Schockemöhle-Pferdesportzentrum. Von einer Krisenstimmung im Sporting Club wollte Urben nichts wissen. "Uns geht es gut, sonst hätten wir in diesem Jahr nicht den dritten 18-Loch-Golfplatz und einen Neun-Loch-Platz für Jedermann eröffnet", sagte der Österreicher. Insgesamt seien von den Golfern in diesem Jahr etwa 20 000 Runden absolviert worden. Das sei deutschlandweit ein Spitzenplatz. Zwar halte sich die Mitgliederzahl nach wie vor in engen Grenzen, aber das sei Folge der sich von reinen Golfclubs unterscheidenden Konzeption. "Zu uns kommen Gäste aus aller Welt, die sich hier in einer schönen Lage erholen und fit halten wollen."

Die Kurdirektion des traditionsreichen Ortes bedauerte gestern den Rückzug von Kempinski. "Es ist schade, dass sich so ein renommiertes Haus aus unserem Ort verabschiedet", sagte Kurdirektor Christian Kirchner. Aber er vertraue darauf, dass die neue Linie des Sporting Clubs sich letztlich auszahle. Die Hotelgruppe selbst begründete das Ende in Bad Saarow gerade mit diesem neuen Konzept des Eigentümers. Eine Zusammenführung von Beherbergungs- und Sportbetrieb entspreche nicht dem Kerngeschäft Kempinskis, hieß es in einer kurzen Mitteilung.

Im Fünf-Sterne-Hotel am Südufer des Scharmützelsees wechselte mehrfach die Geschäftsführung und die Leitung der Küche. Auch so mancher Gast musste sich erst an die besondere Atmosphäre in dem Haus gewöhnen. Denn im Unterschied etwa zum Adlon in Berlin bewegten sich die meisten Hotelnutzer ziemlich locker - in Golfkleidung, kurzen Hosen vor und nach dem Tennismatch oder in Reithosen. Das Personal dagegen strotzte vor Eleganz. Diese Art von Sportresort-Hotels war neu in der Kempinski-Philosophie, die sich vorwiegend auf große Stadthäuser ausrichtete.

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