Der Tagesspiegel : Bahn AG: Das Unternehmen erwartet durch den Wettbewerb Schwung "im Laden"

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Die Bahn AG sieht in Brandenburg der wachsenden Konkurrenz durch private Unternehmen gelassen entgegen. "Wettbewerb bringt Bewegung in den Laden", sagte Joachim Trettin, der kürzlich von der Konzernleitung als neuer Beauftragter für das Bundesland berufen worden war. "Wir sind zu einem besseren Angebot für die Kunden gezwungen." Dieses zeige sich bereits in neuen Wagen, einer dichteren Zugfolge und einem in den vergangenen Jahren erheblich verbesserten Service.

Joachim Trettin ist mit "Leib und Seele" Eisenbahner, wie der 47-Jährige versichert. Als Kind einer Eisenbahnerfamilie aus Eberswalde geboren, studierte er Transporttechnologie an der Hochschule für Verkehrswesen in Dresden. Danach arbeitete er am Institut für Eisenbahnwesen der Deutschen Reichsbahn (DR), in der Zentralen Hauptverwaltung der DR und ab 1995 in der Konzernzentrale in Frankfurt (Main). Hier war er wesentlich an der Modernisierung des Nahverkehrs in Brandenburg beteiligt. Seine Vorgänger hätten eine "ordentliche Arbeit" geleistet. Deshalb sei ihm die Entscheidung für Potsdam nicht schwer gefallen, sagte Trettin. Künftig wolle er Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Berlin als eine Region entwickeln. Züge im Zwei-Stunden-Takt nach Schwerin oder der Ostsee-Express am Wochenende vom Ostbahnhof und Bahnhof Zoo nach Warnemünde seien erste Ergebnisse. Es zeige sich, dass durch ein besseres Angebot auf einer Strecke die Fahrgastzahlen stark stiegen. Als Paradebeispiel nannte Trettin die Verbindung zwischen Frankfurt (Oder) und Magdeburg über Berlin. 1998 seien hier pro Tag im Durchschnitt 19 700 Menschen in die Züge gestiegen, 1999 waren es bereits 27 300 und im Vorjahr fast 35 000. Der 30-Minuten-Takt habe sich bewährt, obwohl in Spitzenzeiten die Sitzplätze noch immer nicht ausreichen.

Die Bahn AG will deshalb die Züge durch mehr Waggons verlängern. Allerdings reichen dafür in vielen Orten die Bahnsteige nicht aus, beispielsweise in Erkner. Deshalb beginnt in Kürze ein Ausbauprogramm. Auch die Verbindungen nach Polen sollen verbessert werden. "Die polnische Ostseeküste wäre bestimmt ein lohnendes Ziel für Bahnreisende", meinte der neue Brandenburger "Bahn-Hauptmann".

Trotz steigender Fahrgastzahlen bleibt der Nahverkehr aber ein Zuschussgeschäft. Die verkauften Fahrkarten decken lediglich ein Drittel der Kosten, der Rest muss vom Land kommen, das dafür Geld aus der Bundeskasse erhält. Deshalb will Trettin die Personalkosten weiter drücken. Als "äußerst produktiv" bezeichnete er die Lokführer. Sie verbringen durchschnittlich 58 Prozent ihres Arbeitstages "auf dem Bock", fahren also eine Lokomotive. Der bundesweite Durchschnitt liegt bei lediglich 48 Prozent. Der Großteil der übrigen Zeit entfällt auf Warten bis zur nächsten Zugabfahrt.

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