Bahnverbindung Berlin-Polen : Schlechter verbunden als zu Dampflokzeiten

Neue Freizügigkeit: Ab Mai nimmt der Verkehr zwischen Berlin und Polen zu. Die Eisenbahnen auf beiden Seiten sind darauf nur unzureichend vorbereitet.

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Die Bahnverbindungen zwischen Berlin und Polen.
Die Bahnverbindungen zwischen Berlin und Polen.Grafik: Tsp/Klöpfe

BerlinEtwa 15 Millionen Berliner und Brandenburger fahren jährlich nach Polen. Mehr als eine halbe Million Polen fliegen vom Flughafen Schönefeld in die Ferne. Mit der Freizügigkeit vom 1. Mai an, die es Polen erlaubt, sich überall in der EU niederzulassen und zu arbeiten, wird der Verkehr weiter zunehmen. Vor allem auf den Straßen. Etwa 600 Kleinbusse aus Polen kommen allein in Schönefeld wöchentlich an. Mit der Bahn sind im deutsch-polnischen Grenzverkehr nach Angaben des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB) je nach Strecke nur zwei bis sieben Prozent der Reisenden unterwegs, was auch einen Grund hat: 61 Jahre nach dem Ende des Krieges fahren auf den einstigen Hauptstrecken weit weniger Züge als in den 30er Jahren. Und sie sind in der Regel langsamer als zu Dampflokzeiten. Der Wiederaufbau kommt kaum voran.

Bereits 2003 war der Ausbau der Strecke nach Stettin als „Internationales Projekt“ in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen worden. Die erforderliche Regierungsvereinbarung ist bis heute nicht zustande gekommen. So klafft auf der Strecke weiter eine Lücke im Oberleitungsnetz von etwa 40 Kilometer Länge, 30 Kilometer liegen auf deutschem Gebiet. Zudem ist dieser Abschnitt nur eingleisig. Wäre die Strecke komplett ausgebaut, würde sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Stettin nach Angaben der Bahn von derzeit rund zwei Stunden auf 80 bis 90 Minuten reduzieren. Derzeit bremsen zusätzlich Schäden an der Strecke die Züge, die auf einem Abschnitt nur noch 50 km/h fahren können.

Weil sich am Tempo auf unabsehbare Zeit nichts ändert, hat es der VBB zusammen mit seinen Partnern in Polen geschafft, beim Preis in die Offensive zu gehen. Seit dem vergangenen August kostet die Fahrt zwischen Berlin und Stettin nur noch zehn Euro; vorher waren mit einem Verbundfahrschein 16,70 Euro fällig. Die Zahl der Fahrgäste ist damit nach Angaben von VBB-Chef Hans-Werner Franz von knapp 500 im Monat auf über 3000 gestiegen. Die Bahn zieht bis heute jedoch nicht mit und verlangt im Internet mindestens 27,50 Euro für die gleiche Strecke.

Zudem hatten die deutsche und die polnische Bahn zu Beginn des Jahres für die wenigen Zeitkartenkunden die Preise drastisch erhöht, indem sie die Monatskarten abschafften. Die Bahnverwaltungen hatten sich nicht einigen können, wie die Einnahmen aufgeteilt werden sollen. Vor allem die Gemeindevertretung von Tantow, der letzten Station in Deutschland vor der Grenze, hatte sich dagegen gewehrt. Mit Erfolg: Vom 12. Juni an kehren die Zeitkarten zurück ins Angebot.

Während es nach Stettin immerhin einen spärlichen Fernverkehr gibt, fahren auf der Ostbahn, die einst Berlin mit Königsberg verband, nur noch Regionalzüge bis ins frühere Küstrin, heute Kostrzyn. Der größte Teil der Strecke ist nur noch eingleisig, das zweite Gleis war nach dem Krieg demontiert worden. Dagegen ist die Rennstrecke zwischen Berlin und Warschau mit Fernzügen zwischen beiden Städten auf deutschem Gebiet seit der Wende fast komplett für Tempo 160 ausgebaut worden. Lediglich in Berlin sowie zwischen Frankfurt (Oder) und der Grenze sind die Arbeiten noch nicht abgeschlossen. Züge ins frühere Breslau, heute Wroclaw, werden auch etwas schneller, wenn die Züge von Dezember an zwischen Berlin und Cottbus 160 km/h fahren dürfen. Die Strecke wird derzeit ausgebaut. Bestehen bleibt aber trotz der Millioneninvestitionen auch hier ein langer eingleisiger Abschnitt.

In Polen sieht es allerdings nicht viel besser aus. Seit 1990 ist dort rund ein Viertel des Netzes stillgelegt worden. Und jetzt versucht die Regierung, 1,2 Milliarden Euro der EU, die für die Bahn vorgesehen waren, in Straßenprojekte zu stecken. Die Bahn hat es auf beiden Seiten der Grenze – noch – schwer.

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