24 Mängel : Schüler sollten mit Schrottbus nach Polen starten

Undichte Ölwanne, defekte Lenkung – zum zweiten Mal innerhalb einer Woche zieht die Polizei einen Reisebus aus dem Verkehr. Eine Lehrerin hatte vor der Abreise den Sicherheitsservice der Polizei angefordert.

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Leck am Heck. Öl tropfte aus dem Motor auf den heißen Auspuff. Die Polizei beschlagnahmte den Bus, mit dem Schüler auf Klassenfahrt fahren wollten.
Leck am Heck. Öl tropfte aus dem Motor auf den heißen Auspuff. Die Polizei beschlagnahmte den Bus, mit dem Schüler auf...Foto: Polizei

Das Motoröl tropfte auf den heißen Auspuff – höchste Brandgefahr. Ein erschreckendes Resultat einer Polizeikontrolle an einem Reisebus, mit dem 64 Schüler und vier Lehrer des Dahlemer Arndt-Gymnasiums am Montag zu einer Gedenkstättenfahrt nach Polen aufbrechen wollten. Insgesamt 24 Mängel fanden die beiden Experten des Verkehrsdienstes der Polizei an dem knapp zehn Jahre alten Bus der Firma BFB Hoppegarten. Neben der undichten Ölwanne wurde unter anderem eine defekte Lenkung moniert. Die Polizei stellte das Fahrzeug sicher und ließ es zu einer Dekra-Prüfstelle schleppen. Die Schüler konnten ihre Reise erst am Mittag mit fast sieben Stunden Verspätung in einem Ersatzbus antreten. Es ist der zweite Vorfall dieser Art innerhalb einer Woche.

„Wenn ich mir vorstelle, was unterwegs hätte passieren können, wird mir ganz schlecht“, sagte Dorothee Schmidt, deren Sohn Valentin die Klasse 10a besucht. Dass die Mängel an dem doppelstöckigen Bus des holländischen Herstellers Van Hool vor der Abfahrt entdeckt wurden, ist vor allem Bettina Esders zu verdanken. Die Lateinlehrerin, die die Schüler begleitet, hat es sich zur Gewohnheit gemacht, vor jeder Klassenfahrt den Sicherheitsservice der Polizei anzufordern. „Das machen an unserer Schule fast alle Lehrer“, sagte Esders. Immer mal wieder seien Mängel gefunden worden, sagte Esders. „Aber dass ein Bus nicht losfahren darf, ist bei uns noch nie vorgekommen.“

Vor Fahrten können Schulen oder Kitas die Polizei bitten, zum Abfahrtsort zu kommen. Zwei Wochen vorher sollte man den Termin anmelden; allerdings gibt es keinen Anspruch auf Kontrolle, da die Nachfrage weitaus größer ist als die Kapazität. Wie es hieß, kennt die Polizei die schwarzen Schafe der Branche und kontrolliert diese bevorzugt.

Von einem „ganz bitteren Vorfall“ sprach der Geschäftsführer von BFB Hoppegarten auf Anfrage, seinen Namen will der Mann nicht in der Zeitung lesen. Der Bus sei wie vorgeschrieben alle drei Monate zum Check in einer Dekra-Prüfstelle gewesen und trage ein gültiges Prüfsiegel. Den Ersatzbus habe die Firma BFB Hoppegarten am Montag auf eigene Kosten von dem Reiseveranstalter Minex Reisen gemietet. Bettina Esders bestätigte, dass sich der Reiseveranstalter um die Organisation gekümmert und die Kostenübernahme garantiert habe. Zuletzt hatte die Polizei am Dienstagabend vergangener Woche die Klassenfahrt der Pankower Jeanne-Barez-Grundschule nach England wegen einer „desolaten Bremsanlage“ gestoppt. Der Bus einer Berliner Firma wurde sichergestellt.

Trotz dieser aktuellen Fälle ist der Anteil der beanstandeten Busse in den vergangenen Jahren deutlich zurückgegangen. Seit 2003 bietet die Berliner Polizei die Überprüfung an. Wurden 2003 noch 22,6 Prozent der überprüften Fahrzeuge beanstandet, waren es seit 2007 nur noch sechs bis sieben Prozent. Noch drastischer ist der Rückgang bei den „erheblichen“ Beanstandungen: 2003 waren es neun Prozent, 2010 nur noch zwei Prozent. Die angebotenen Kontrollen seien ein voller Erfolg, hieß es gestern im Präsidium. Ein leitender Beamter lobte aber auch die Eltern und Lehrer, die sich mittlerweile viel mehr um die Qualität der Busse kümmerten.

Infos zum Sicherheitsservice der Polizei gibt es unter www.berlin.de/polizei/service/buskontrollen.html

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