Berlin : Auf Sendung in Berlin

Mit Pop, Show und Film an die Spitze: MME, die größte unabhängige TV-Firma, zieht an die Spree

Ulrike Simon[Hamburg]

Einem HipHop-Song verdankt sie ihren Namen, der Popmusik ihren Erfolg: die TV-Produktionsfirma MME. Gründer Jörg A. Hoppe hatte sie einst nach dem Song „Me, Myself & I“ von De La Soul benannt. Ab 1. Januar 2005 spielt die Musik für Deutschlands größte unabhängige TV-Produktionsfirma in Berlin. Bisher residiert das börsennotierte Unternehmen (10 Millionen Euro Gewinn bei 200 Millionen Euro Umsatz) in Hamburg. Offen ist aber, wo genau die MME AG ihr Quartier bezieht. Die bei anderen Medienunternehmen beliebten Szeneviertel Kreuzberg oder Friedrichshain werden es jedenfalls nicht sein, sagte der MME-Vorstandsvorsitzende und frühere Sat-1-Chef Martin Hoffmann am Mittwoch in Hamburg.

MME produziert Musiksendungen wie „Top of the Pops“ für RTL, „The Dome“ für RTL2 und das gesamte Programm des Senders MTV Pop. Von der Firma stammen auch die mit dem Grimme-Preis ausgezeichnete Dokureihe „Pop 2000“ und die Porträtserie „100 Prozent“ mit Nena, Udo Lindenberg und Boris Becker. Hinzu kamen Sendungen wie „Einsatz in vier Wänden“ (Vox) oder die im September startende Sat-1-Show „Kämpf um Deine Frau“.

Von Anfang an träumte MME davon, auch große Fernsehfilme und -sendungen zu produzieren. Mit der Übernahme zweier Firmen rückwirkend zum 1. Januar 2004 wird das Realität: „Filmpool“ und „Allmedia“ stellen die Nachmittagsshows von RTL und Sat1 her (unter anderen „Das Jugendgericht“, „Zwei bei Kallwass“, „Niedrig & Kuhnt“), aber auch die Capellari-Filme fürs ZDF, Folgen des NDR–„Polizeiruf 110“ und anspruchsvolle Filme wie „Die Mutter“ (WDR).

Firmenchef Martin Hoffmann will MME aber auf noch mehr Standbeine stellen. Die Produktionsorte Köln und München bleiben, Neues soll vorzugsweise in Berlin angesiedelt werden. Etwa 50 der 60 Angestellten ziehen hierher. Hinzu kommen noch einmal so viele freie und projektgebundene Mitarbeiter. Hoffmann denkt an eine große Show für das TV–Hauptabendprogramm oder neue Comedy- und Stand-up-Formate.

Sofort fällt jedem Hoffmanns Freund Harald Schmidt ein, der seine von der unabhängigen Firma „bonito“ produzierte Late-Night-Show Ende 2003 bei Sat1 beendet hat. Gegenwärtig sei Schmidt in seiner „Kreativpause“ und toure ab Januar wieder mit Kabarettprogramm durch die Lande, dementiert Hoffmann weiter gehende Spekulationen.

Der MME-Chef selbst ist jedenfalls froh, bald wieder in seiner Stadt zu wohnen und zu arbeiten. Diesmal auf der anderen Seite des Tisches: nicht als Senderchef, sondern als Produzent, der gelernt hat, welche Nachteile Holdingstrukturen haben können, und weiß, welche Schwächen die Fernsehprogramme haben und wie wichtig es ist, dass Produktionsfirmen Ideen schnell umsetzen.

Mit den zuständigen Berliner Gremien laufen derzeit noch die Verhandlungen über Höhe und Umfang des Förderpakets für den Umzug an die Spree. Der Senat mache auf ihn jedoch den Eindruck, sich über den Zuzug eines weiteren Medienunternehmens sehr zu freuen, sagt Hoffmann. Sein Ziel für MME sei Wachstum – dem Senat kann das nur recht sein.

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