Autodiebstahl : Mercedes-Oldtimer sind begehrte Beute

Besonders auf alte Mercedes-Benz haben Autodiebe in Berlin und dem Umland es in letzter Zeit abgesehen. Die Polizei vermutet hinter den Taten organisierte Banden.

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Im Januar gestohlen, im August wieder da: Der 280 SE von Peter Ternka. Foto: privat
Im Januar gestohlen, im August wieder da: Der 280 SE von Peter Ternka. Foto: privat

Berlin/Luckenwalde - In Berlin und dem Umland sind in den vergangenen Monaten zahlreiche hochwertige Mercedes-Oldtimer gestohlen worden, mehr als bislang bekannt und offensichtlich von einer professionell agierenden Bande. Teils wurden im Winter eingelagerte Fahrzeuge gestohlen, teils die Eigentümer regelrecht beschattet und ein günstiger Moment abgepasst. Polizei und Staatsanwaltschaft ermitteln intensiv, Auskünfte gibt es so gut wie keine. Bislang ist ein Täter verurteilt, einer wurde kürzlich festgenommen. Mehrere Indizien sprechen für eine enge Verbindung zwischen beiden Fällen.

Anfang Juli war der 46-jährige Eric S. aus Berlin zu dreieinhalb Jahren Gefängnis wegen Hehlerei verurteilt worden. Bei ihm waren zwei in Berlin gestohlene Raritäten vom Typ 300 SL im Wert von zusammen fast 900 000 Euro gefunden worden. Wer die Wagen letztlich gestohlen hatte, wurde in dem nur einen Tag dauernden Prozess nicht geklärt.

Ende Juli waren dann in einer Lagerhalle in Luckenwalde eine „Pagode“ (so nennt die Szene den Mercedes 230 SL), Ersatzteile für dieses Modell sowie drei Motorboote (allein diese im Wert von 100 000 Euro) sichergestellt worden. Gemietet hatte die Halle Olaf H., ein 45-jähriger Sozialhilfeempfänger aus Berlin. Zuvor war dessen Wohnung am Kurfürstendamm durchsucht worden.

Die Verbindung zwischen den Männern sei unklar, hieß es in Ermittlerkreisen. Auffällig sei vor allem, dass einer der bei Eric S. gefundenen 300 SL auf derselben Yachtwerft an der Havel gestohlen wurde, wie eines der in Luckenwalde gefundenen Motorboote. Dies bestätigte der Geschäftsführer der Werft. So sei der Roadster vom Parkplatz der Werft gestohlen worden, während der Eigentümer gerade mit seinem Katamaran auf der Havel kreuzte.

Zwei andere Oldtimer verschwanden dagegen aus dem Winterquartier. So wurden im Januar aus der Tiefgarage im Steglitzer Kreisel ein 230 SL (wieder eine „Pagode“) und ein 280 SE abtransportiert. Die Tiefgarage des Kreisels ist bei Sammlern – und Kriminellen – bekannt, derzeit sind dort etwa 150 Oldtimer untergestellt.

Der 280 SE tauchte erst im August nahezu unversehrt wieder auf – auf bemerkenswert mysteriöse Weise. Der Eigentümer des 50 000 Euro teuren Modells erhielt eine anonyme Mail mit dem exakten Standort des Wagens, der Absender hatte das Pseudonym „Taetige Reue“ gewählt – für Ermittler ein klares Indiz, dass der Täter versuchen will, Richter milde zu stimmen.

Dieser 280 SE stehe nun seit fünf Wochen beschlagnahmt in einer Halle der Polizei, so ärgert sich Eigentümer Peter Ternka. Er wirft der Justiz Trödelei vor, diese beharrt dagegen auf weiteren kriminaltechnischen Untersuchungen, wie der für organisierte Kriminalität zuständige Oberstaatsanwalt Sjors Kamstra sagte. Denn offensichtlich sei an der Fahrgestell-Nummer „manipuliert“ worden.

Auch die Identifizierungsnummern der Boote und der „Pagode“ aus der Luckenwalder Halle seien „ausgeschliffen“ gewesen, teilte die Polizei mit. Und in dieser Halle sollen auch die Radkappen des Oldtimers von Peter Ternka gefunden worden sein. Zudem mehrere komplette Innenausstattungen von 230er-Roadstern – wo diese gestohlen wurden, ist unklar.

Wiederum eine „Pagode“ verschwand am 6. Juni zwischen Potsdam und Berlin. Auch dessen Eigentümer wurde offensichtlich von den Dieben verfolgt. Der 30-Jährige hatte die Rarität des Baujahrs 1965 für eine halbe Stunde an einer Landstraße zwischen Berlin und Potsdam abgestellt, um spazieren zu gehen. Als er wiederkam war das Cabrio im Wert von 50 000 Euro weg.

Wie Ermittler sagten, sei es bei Profis üblich, die Ausstattungen zwischen einzelnen Fahrzeugen zu tauschen, um eine Wiedererkennung zu erschweren. Wie Oldtimerbesitzer Ternka sagte, gebe es von seinem Typ 280 SE in Barolo-Rot berlinweit nur drei Exemplare – und er sei damit eigentlich unverkäuflich.

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