Stadtobersekretär vor Gericht : Rathaus Wilmersdorf: 100.000 Euro aus der Kasse gestohlen

Ein Stadtobersekretär soll beim Auszug aus dem Rathaus Wilmersdorf ein Geldbündel beiseite geschafft haben. Vor dem Amtsgericht schweigt der 45-Jährige.

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Personifikation der Gerechtigkeit: Justitia
Personifikation der Gerechtigkeit: JustitiaFoto: picture alliance / dpa

In den Wirren eines Umzugs geht schon mal etwas verloren. Doch beim Auszug aus dem Rathaus Wilmersdorf waren es gleich 100 000 Euro, die danach als Loch in der Bezirkskasse gemeldet wurden. Tausend 100-Euro-Scheine waren es, druckfrisch und in Folie eingeschweißt. Einer, der für den sicheren Umzug des Geldes aus dem Tresor sorgen sollte, steht nun vor einem Amtsgericht. Da zeigte sich Stadtobersekretär Sven D., derzeit suspendiert, verschlossen und schweigt.

Mit einem Geldspürhund waren Polizisten im letzten Juli in der Wohnung des 45-Jährigen in Lankwitz. Er erschnüffelte im Schlafzimmer 18 000 Euro in 100-Euro-Scheinen sowie 500 gefälschte Hunderter. Sven D. soll zudem aus dem Amt zwei Dokumentendrucker gestohlen haben.

Als ihn Polizisten vernahmen, hatte er für alles eine Erklärung. Die „Blüten“? Die habe er für seine Pokerrunde gedacht. Um - ganz in Manier eines dekadenten Reichen - „damit Zigarren anzuzünden“. Die in Folie gewickelten echten Noten?  Das seien Ersparnisse, die er irgendwann als Batzen zur Bank bringen wollte“.

Jeder hatte einen Schlüssel

Nach zwei Wochen in Untersuchungshaft kam D. zwar wieder frei, die Ermittler aber glaubten ihm kein Wort: Zwischen dem 17. und 19. Dezember 2014 habe der Mitarbeiter der Bezirkskasse das Einhunderttausend-Euro-Bündel „an einem nicht näher bekannten Ort zwischen Tresor und Kassenraum“ beiseite geschafft.  

Beim Umzug vom Fehrbelliner Platz zum neuen Standort am Hohenzollerndamm arbeiteten D. und eine weitere Mitarbeiterin eigentlich nach dem Vier-Augen-Prinzip. Mehr als eine halbe Million war zu verpacken. Die Stahltür konnten sie nur gemeinsam öffnen: Jeder hatte einen Schlüssel. Als der Verlust bemerkt wurde, liefen Ermittlungen zunächst in Richtung der Geldtransport-Firma. Videos aber belegten den ordentlichen Ablauf.

Es war seine plötzlich verbesserte finanzielle Lage, die D. verdächtig machte. In seiner Wohnung fand man zudem einen nachgemachten Tresor-Schlüssel. Der Prozess geht am 15. März weiter.

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