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    Unter Nachbarn

    Dr. Frithjof Zerger, 49, ist Sozialwissenschaftler und Xhainer Direktkandidat für die Partei „Die Urbane“.

    Die Urbane ist bisher noch ziemlich unbekannt – helfen Sie unseren Lesern, Sie besser kennenzulernen, und fassen Sie die wichtigsten Punkte Ihres Wahlprogramms in drei Sätzen zusammen!

    Uns geht es um die Menschenwürde und um echten Respekt statt Diskriminierung und Rassismus. Wir wollen erreichen, dass die Diversität unserer Gesellschaft sich künftig nicht nur im Alltag, sondern endlich auch in der Politik, in den Strukturen von Ämtern, Behörden, Unternehmen, Verbänden und etwa in der Besetzung von Leitungsfunktionen widerspiegelt. Auf dem Weg dahin kommt der Kultur- und Bildungspolitik, aber auch der Migrationspolitik eine Schlüsselrolle zu.

    Ihre Partei fußt auf den Werten der Hip-Hop-Kultur – was kann man sich darunter vorstellen?

    Im Hip Hop spielt es keine Rolle, woher Du kommst, welche Hautfarbe, welche Nationalität, welche Religion Du hast. Hip Hop ist in den 1970er Jahren in New York entstanden, indem Menschen, die am Rande der Gesellschaft standen, auf kreative Weise mit Musik, Tanz, Kunst eine neue Form des Selbstausdrucks entwickelt haben. Heute ist Hip Hop eine globale Kultur und war laut einer aktuellen Studie im Jahr 2016 erstmals die meistgehörte Musikrichtung in den USA.

    Die Urbane fordert unter anderem eine humanere Migrationspolitik, den Stopp von Waffenexporten und den Ausbau erneuerbarer Energien. Das klingt nach einer Mischung aus Linken und Grünen – wie grenzen Sie sich von der Konkurrenz ab?

    Sicherlich gibt es da Schnittmengen, aber von den Grünen grenzt uns beispielsweise ab, dass wir Auslandseinsätzen der Bundeswehr im Parlament nicht zustimmen würden. Von der Linken grenzt uns ab, dass wir undogmatisch sind und keine Form von Sozialismus anstreben, auch wenn dieser als demokratisch bezeichnet wird.

    Sie sind seit 2006 Berliner, seit sieben Jahren wohnen Sie in Kreuzberg – was könnten Sie aus dem Kiez mit in den Bundestag nehmen?

    In Kreuzberg treffen eine Menge verschiedener Lebensentwürfe, Einflüsse und kultureller Prägungen aufeinander. Ich sehe hier eine große Dynamik, Lebensfreude, Weltoffenheit und Unternehmergeist, aber es gibt natürlich auch Sorgen, Ängste, Spannungen und Konflikte. Kreuzberg hat oft genug bewiesen, dass sich Konflikte durch Kreativität lösen lassen. Dies kann ich mitnehmen und dies entspricht auch unserem Grundgedanken von Hip Hop

    Und was würden Sie dort als erstes angehen, falls Sie gewählt werden würden?

    Die große Koalition hat in der vergangenen Legislaturperiode die sogenannte Mietpreisbremse als Gesetz beschlossen, aber in der Praxis funktioniert das überhaupt nicht, die Mieten steigen und steigen. Dieses Gesetz bedarf nach der Wahl einer drastischen Überarbeitung.

    Foto: Lia Avant

    Den Link zu einem ausführlichen Portrait über Frithjof Zerger und die Macht der Kleinstparteien von Tagesspiegel-Redakteur Armin Lehmann finden Sie weiter unten bei „Mehr Berlin“, einen Vorgeschmack gibt’s hier.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de

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von Nele Jensch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

Spannend wird es werden am Sonntag, nicht nur für den Bund, sondern auch bei uns im Wahlkreis Friedrichshain-Kreuzberg-Prenzlauer Berg-Ost. Berlin ist bunt, der Wahlkreis 83 ist bunter (wie meine Kollegin Ann-Kathrin Hipp so treffend in ihrer Wahlkreisanalyse schreibt): Nicht nur, was seine Bewohner angeht, sondern auch politisch.

In den letzten Wochen haben wir Ihnen in diesem Newsletter viele der insgesamt 18 DirektkandidatInnen vorgestellt, von den VertreterInnen der etablierten Parteien über Kleinstparteien bis zu den erstaunlich zahlreichen Einzelkämpfern. Letztere setzen zumeist entweder auf Utopie (Nato abschaffen; Mieten vom Staat zahlen lassen) oder Satire (Hipster-Obergrenze; Mauer zu Prenzlauer Berg-West); ebenso wie die Vertreter der „Sonstigen“ wie Serdar Somoncu, Kançler-Kandidat von „Die Partei“, haben sie im Grunde keinerlei Chance, das Direktmandat zu holen.

Fest steht, dass Xhain (und Prenzlauer Berg Ost) grün-rot-rot tickt: 75 Prozent der Wähler gaben bei der letzten Bundestagswahl 2013 ihre Erststimme der SPD, der Linken oder den Grünen, Hans-Christian Ströbele (Grüne) holte vier Mal in Folge das Direktmandat (übrigens bundesweit das einzige für seine Partei). Auch dieses Mal gilt seine Nachfolgerin Canan Bayram als Favoritin – unumstritten ist sie allerdings nicht, ihre Sympathien für linksaußen stoßen nicht nur der Konkurrenz auf, sondern werden auch parteiintern kritisiert, erst kürzlich bezeichnete Ex-Grünen-Fraktionschef Volker Ratzmann sie als „nicht wählbar“. Dennoch hat die (zumindest nach den Maßstäben ihrer immer konservativer werdenden Partei) sehr linke Bayram im sehr linken Xhain gute Chancen, Ströbele zu beerben.

Hoffnung machen können sich Pascal Meiser von der Linken und SPD-Kandidatin Cansel Kiziltepe; da sich alle drei in ihren Wahlversprechen ähneln (für bezahlbare Mieten, gegen Verdrängung und Partytourismus), dürfte manchem Wähler die Wahl nicht leicht fallen. Die Kandidatur des CDUlers Timur Hussein gilt als vollkommen aussichtslos, ebenso wie die von FDP-Kandidatin Athanasia Rousiamani-Goldthau; über AfD-Frontfrau Sibylle Schmidt brauchen wir zum Glück gar nicht zu reden (aber falls Sie mal lachen wollen: Die Heute-Show war mit Schmidt im Kiez unterwegs; Begeisterung beim Wahlvolk sieht anders aus).

Bei so vielen Bewerbern finden Sie bestimmt irgendjemanden, mit dessen Zielen Sie sich identifizieren können. Wie wäre es mit gleichen Rechten für Menschen, Tiere und Pflanzen? Dann machen Sie Ihr Kreuz doch bitte bei der Bergpartei. Eine Ausrede fürs Nicht-Wählen gibt’s also nicht. Allerdings müssen Sie dank der fantastischen Organisationsfähigkeit unserer Stadt auf dem Weg zum Wahllokal mit Behinderungen rechnen – mehr dazu im Talk of the Kiez.

Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter leute-n.jensch@tagesspiegel.de

Nele Jenschs Tipp für Sie

Gehen Ihnen die anderen Eltern auf dem Spielplatz um die Ecke langsam auf die Nerven? Wird der Nachwuchs allmählich gelangweilt vom immer gleichen Schaukel-Rutsche-Sandkasten-Ambiente? Dann gehen Sie doch einfach mal woanders hin: Ob Märchenschloss, Riesendrache oder Matsche-Pampe-Paradies, auf berlin-playgrounds.de können Sie nach Bezirk und Features auswählen und sich die besten Spielplätze der Stadt anzeigen lassen. (Warnung für Jens-Spahn-Anhänger: Die Website ist auf Englisch.)

In Kreuzberg empfiehlt sich jetzt in den letzten schönen Tagen ein Ausflug an den Landwehrkanal, davon haben nicht nur Ihre Kinder was, sondern auch Sie: Sie können nämlich entspannt in Jockels Biergarten in der Ratiborstraße 14 einen Köfte Burger futtern, während die Kinder auf dem direkt angrenzenden, schön gestalteten und schattigen Spielplatz toben. Übrigens: Bei Jockel kann auch ein Innenraum für Kindergeburtstage oder andere Anlässe gemietet werden.

Auch in Friedrichshain gibt es einige Highlights, zum Beispiel den Drachenspielplatz in der Schreinerstraße 48, auf dem die lieben Kleinen, wie der Name schon sagt, einen gigantischen Drachen besteigen können, der mit Hilfe von Kindern aus dem Kiez entworfen wurde. Oder, weniger bekannt und ein Vormerken für den nächsten Sommer wert, die Plansche am Forckenbeckplatz: Ein großes, sehr flaches Becken, das gefahrlosen Spielspaß garantiert. Also rein in die Gummistiefel und auf ins Abenteuer!

#MeinKreuzberg