• Uli Staiger

    Uli Staiger

    , 49 Jahre, Fotograf, Buchautor und Computer Graphics Artist (die-lichtgestalten.de).

    Unter Nachbarn

    Das gefällt mir: Wer durch die Bergmannstraße geht, dem fällt es oft erst nach einiger Zeit auf: Hier gibt zwar viele Geschäfte und noch mehr Restaurants und Cafés. Doch nirgendwo ein „Ich liebe es“, kein Starbucks und kein durchgestylter Kommerz von der Stange. Stattdessen lauter kleine Läden, zum Teil über Jahrzehnte gewachsen. Alles bunt, alles echt, come in and find out mal anders. Das nervt mich: Polizeikontrollen für Radfahrer an Stellen, die zwar gute Kasse für die Staatsmacht versprechen, verkehrserzieherisch aber meiner Meinung nach vollkommen irrelevant sind. Meine Empfehlung: Gehen Sie früh am Morgen Laugenkonfekt in der Brezelbar (Friesenstr. 2) holen und machen Sie einen Abstecher über den Dreifaltigkeitsfriedhof. Beim Betrachten der vielen Grabmale, klassizistischen Mausoleen und Jugendstileinfassungen können Sie sich ein Bild davon machen, wie sich das Berlin Ende des 19. Jahrhunderts wohl angefühlt haben muss. Und keinesfalls die Butter für das Konfekt vergessen.
    brezelbar.de

    Möchten Sie sich hier vorstellen, oder kennen Sie interessante Menschen, die in dieser Rubrik vorkommen sollten? Schreiben Sie mir eine Mail an leute-s.wiehler@tagesspiegel.de. Ich melde mich bei Ihnen.

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Stephan Wiehler, stellvertretender Ressortleiter Berlin von Stephan Wiehler tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

Rot-Rot-Grün hat große Pläne für die wachsende Stadt. Die landeseigenen Wohnungsbaugesellschaften sollen in den kommenden fünf Jahren 30.000 neue Wohnungen bauen – gleichzeitig sollen die Bürger bei der Stadtentwicklung mehr mitreden dürfen, so steht es im Koalitionsvertrag. Eines der größten innerstädtischen Neubauprojekte könnte dafür zum Testfall werden: In Friedrichshain West will die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) aktuell 15 Punkthochhäuser errichten. Für die ersten beiden Wohntürme an der Krautstraße südlich des Strausberger Platzes liegen die Bauanträge bereits beim Bezirk. In Kürze sollen die ersten Bäume fallen. Die BVV fordert dagegen die Aufstellung von Bebauungsplänen mit umfassender Bürgerbeteiligung – und mahnte die WBM in der vergangenen Woche per Resolution, “die Beschlüsse der demokratisch legitimierten Vertretung des Bezirks zu achten und die Bauanträge zurückzuziehen”. Rückendeckung erhält die BVV von der designierten Stadtentwicklungssenatorin Katrin Lompscher. “Ich kann die Bedenken nachvollziehen”, sagt die Linken-Politikerin. Noch gebe es keine Baugenehmigung, darum hoffe sie, “dass die WBM nicht damit anfängt, Bäume zu fällen”. Lompscher meldet Redebedarf an. „Wir haben vereinbart, bei umstrittenen Bauvorhaben die Planungen gemeinsam mit den Bürgern und den öffentlichen Wohnungsbaugesellschaften zu überdenken, um die Akzeptanz in der Bevölkerung zu erhöhen.“ Die öffentlichen Bauträger werden sich wohl auf mehr Bürgerbeteiligung einstellen müssen – nicht nur in Friedrichshain West. Übrigens: Die dritte Bauphase (betrifft neun der 15 Hochhäuser), so teilt die WBM mit, werde „im Rahmen eines B-Plans entwickelt“. Warum nicht gleich so!?
tagesspiegel.de

P.S.: Bis zur nächsten Ausgabe des LEUTE-Newsletters können Sie mir bei Twitter folgen. Unter @tspberlin begleite ich eine Woche lang das aktuelle Geschehen in der Stadt. Ich freue mich auch dort auf Ihre Kommentare.

Stephan Wiehler lebt seit 20 Jahren in Kreuzberg und wohnt mit seiner Familie in einem Haus mit Nachbarn aus fünf Nationen. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-s.wiehler@tagesspiegel.de.

Stephan Wiehlers Tipp für Sie

Weihnachtszirkus im Tempodrom. Hier trägt der Direktor noch Zylinder, die Clowns verbreiten keinen Horror, und am Ende fordern die Artisten das Publikum zum Tanz in der Manege auf. Einmal im Jahr, für knapp drei Wochen, wird das Kreuzberger Tempodrom auch drinnen so bespielt, wie das Gebäude der äußeren Form nach gestaltet ist: als Zirkuszelt. Der Roncalli Weihnachtscircus von Bernhard Paul – der Circus ist 40 Jahre alt und zum 13. Mal in Berlin zu Gast – bleibt auch nach mehrmaligem Genuss immer wieder aufs Neue ein Vergnügen, für die Kleinen sowieso, aber auch für erwachsen gewordene Kinder. Klar, Zirkus haben wir in Xhain zwar alle Tage, aber selten so bunt, vergnügt und kurzweilig wie unterm Spitzdach am Anhalter Bahnhof. Vorstellungen vom 17. Dezember bis zum 2. Januar
roncalli.de

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