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    Unter Nachbarn

    Nele Anders (31) ist freie Illustratorin und Dozentin am Bachelorstudiengang Illustration an der Design-Akademie Berlin am Moritzplatz. Sie zog vor drei Jahren nach Abschluss ihres Studiums in England nach Friedrichshain.

    Wie würdest du deine Illustration beschreiben? Verfolgst du einen  bestimmten Stil?

    Wie die meisten IllustratorInnen bemühe ich mich um eine eigene visuelle Handschrift – die hilft dabei, sich von der Masse abzuheben und ist auch so etwas wie das Aushängeschild eines Illustrators. Oftmals werden für Zeitungsartikel, Magazincover oder Produktillustrationen bestimmte Stile gesucht, da ist es wichtig, eine eigene Bildsprache entwickelt zu haben, für die man letztendlich dann auch gebucht wird. Meine Illustrationen beginnen oft im Skizzenbuch oder in Form einer Collage – ich arbeite sie dann digital aus und füge Elemente aus der Druckgrafik hinzu, das verleiht ihnen eine gewisse optische Rauheit. Oftmals basieren meine Illustrationen auf Beobachtungen aus meinem Alltag. Mich faszinieren die kleinen Momente.

    Du bist gerade mal 31 und leitest schon den Illustrations-Fachbereich an deiner Hochschule – wie kam es dazu?

    Ich wusste schon zu Zeiten meines Bachelorstudiums, dass ich nebenbei auch unterrichten möchte. Es ist wunderschön, tagelang nur zu zeichnen und zu gestalten, es kann aber auf der anderen Seite auch sehr einsam sein. Der Kontakt und die Arbeit mit Menschen war mir schon immer sehr wichtig. Nach meinem Umzug nach Berlin habe ich einige Hochschulen kontaktiert, um herauszufinden, ob es offene Assistenzstellen im Bereich Illustration gibt. Die Design-Akademie hat sich bei mir zurückgemeldet und mich eingeladen – zu dem Zeitpunkt wurde dort gerade ein neuer Bachelorstudiengang Illustration entwickelt und so kam es, dass ich schließlich am Aufbau beteiligt war. Eins führte zum anderen und mittlerweile bin ich Hauptverantwortliche für diesen Bereich. Die Zusammenarbeit mit den Studierenden ist sehr bereichernd und inspiriert auch meine eigene Arbeit.

    Fließen Szenen aus deinem Berliner Alltag in deine Zeichnungen ein?

    Ich habe einige Lieblingscafés in Friedrichshain, in denen ich sehr gerne zeichne und dabei einen Cappuchino nach dem anderen trinke. Einige Ideen oder Beobachtungen aus diesen Nachmittagen fließen dann auch in meine Illustrationen ein.  Ich habe zum Beispiel vor zwei Jahren einen Auftrag zum Thema Wohnungsnot bekommen und dazu die Weserstraße in Neukölln porträtiert. Die Idee dazu entwickelte sich in meinem Skizzenbuch vor Ort.

    Wie sieht so ein typischer Illustratoren-Arbeitstag aus?

    Äußerst romantisch und aufregend! Nein, natürlich nicht – unser Alltag besteht oftmals darin, stundenlang vor dem Computer zu sitzen und dabei Unmengen an Tee oder Kaffee zu trinken. Wenn ich nicht an der Hochschule unterrichte, bin ich in meinem Büro in Neukölln. Da arbeite ich dann an Aufträgen oder an Ideen für eigene Projekte, wobei Letzteres am meisten Spaß macht. Derzeit arbeite ich an ersten Entwürfen für eine Ausstellung in diesem Sommer.

    Kann man mit Illustration Geld verdienen oder braucht man zusätzlich einen „money job“?

    Man kann mit Illustration eigentlich gut Geld verdienen, wenn man es richtig anstellt. Wichtig ist dabei, sich schon früh darin zu üben, für sich selbst und seine Arbeit Werbung zu machen – und sich gut verkaufen zu können. Das fällt den meisten IllustratorInnen sehr schwer und es dauert auch meist ein paar Jahre, bis man in einer Profession angekommen ist und sich etabliert hat. Deshalb denke ich, dass es sinnvoll ist, in den ersten Jahren nach dem Studium einen „day job“ anzunehmen – das nimmt den finanziellen Druck, öffnet neue Möglichkeiten und liefert zusätzlich oft unverhofft Inspiration für die nächste Illustration!

    Nele Anders‘ Illustrationen findet man online auf ihrer Homepage. Für News rund um Ausstellungen, Workshops und Events gibt es ihren Blog.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de

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von Nele Jensch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

endlich haben sich die Grünen mal durchgesetzt: Als erste Stadt bzw. als erstes Bundesland in Deutschland bekommt Berlin ein Fahrradgesetz. 100 Kilometer mehrspurige Radschnellwege, Fahrradspuren auf allen Hauptstraßen, 100.000 neue Fahrradparkplätze. Dafür büßen die Autofahrer nicht nur ganze Spuren auf den Straßen ein, es fallen auch viele (kostenfreie) Parkplätze weg. Im Oktober soll das Gesetz verabschiedet werden, und man kann sich bildlich vorstellen, wie die autofreundlichen Oppositionellen von CDU, FDP und AfD wütend vor sich hin köcheln. Nun sind Fahrradfahrer ja nicht per se bessere Menschen: Der FDP-Abgeordnete Marcel Luthe befragte den Senat zu gut 23.200 Verfahren, die im Jahr 2016 gegen Fahrradfahrer in Berlin eingeleitet wurden. Ergebnis: Die Sünder fuhren über rote Ampeln, waren in Fußgängerzonen unterwegs oder fuhren auf Radwegen in der falschen Richtung. Insgesamt wurden im Jahresverlauf allerdings rund vier Millionen Verkehrsverstöße registriert (drei Viertel davon wegen Falschparkens), die der Radfahrer machten insgesamt also gerade mal gut zwei Prozent aus.

Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich auch unter leute-n.jensch@tagesspiegel.de

Nele Jenschs Tipp für Sie

Italienisch, japanisch, türkisch, sogar peruanisch ist mittlerweile in Berlin ganz schön abgegessen – wie wäre es also mal mit bulgarisch? Im priMaria in Friedrichshain werden die traditionell eher rustikalen Balkan-Gerichte leicht interpretiert, zum Beispiel mariniertes Gemüse in Tomatensoße, serviert im Tontopf (mit dem für mitteleuropäische Zungen schwer aussprechbaren Namen Zelentschuci). „Wir verwöhnen unsere Gäste seit elf Jahren mit hausgemachtem Essen, und das in einer warmherzigen Atmosphäre, wie sie für die bulgarische Seele typisch ist“, sagte mir Inhaberin Maria Duness-Rose. Der Service ist tatsächlich ganz unberlinerisch freundlich und zuvorkommend, die Einrichtung genauso schlicht und schön wie das Essen: dunkles Holzmobiliar vor unverputzten Wänden, und auf der Bar steht immer ein großer frischer Blumenstrauß. Zum Nachtisch lässt sich bei einem Glas bulgarischen Weins übrigens ganz ausgezeichnet people watching auf dem angrenzenden Boxi betreiben. Gärtnerstr. 12, Mo.- Do. 16 – 24 Uhr, Fr. 13 – 24 Uhr, Sa.+ So. 10 – 24 Uhr.

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