• Ahrens

    Unter Nachbarn

    Peter Ahrens (50) ist seit 2009 Sportredakteur bei Spiegel Online. Der gebürtige Paderborner kam 2003 über Hamburg nach Berlin. Seit 2007 wohnt der Fan von Borussia Mönchengladbach mit seiner Familie am Rand von Kreuzberg.

    Herr Ahrens, wem drücken Sie in Berlin die Daumen – Hertha oder Union? Ganz klar Union, die kommen Gladbach nicht in die Quere. Das 3:0 von Hertha im November war schon ziemlich schmerzhaft. Von der Atmosphäre und dem drumherum gefällt mir aber Tennis Borussia am besten.

    Wo kann man in Kreuzberg am besten Fußball schauen? Ich gehe am liebsten ins Café Rizz, wo auch viele Freunde von mir schauen und das Spiel parallel auf Twitter kommentieren. Das Café Rizz geht aber über den Fußball hinaus und zeigt auch andere ausgefallene Sportarten. Mir gefällt einfach die Atmosphäre dort.

    Was gefällt Ihnen denn an Kreuzberg besonders? Gerade jetzt im Mai und Juni ist es abends vor der Tür einfach so lebendig und überall wuseln unterschiedliche – auch verrückte – Menschen. Kreuzberg ist immer noch Berlin in einer Nussschale. Das und die politische Note gefallen mir.

    Gerade die Ecke um den Kotti gilt aber auch als Problemkiez. Haben Sie manchmal Sorge um Ihre Kinder? Mein Sohn besucht eine Kita direkt am Kotti, deswegen sind wir da jeden Tag. Es stinkt nach Urin und man wird stets Zeuge von menschlichem Elend. Trotzdem laufe ich gerne über den Kotti und hatte noch nie Angst.

    Sie sind leidenschaftlicher Tipper. Wo landen Hertha und Union in der nächsten Saison? Hertha wird nicht lange in der Europa League spielen, dafür sind sie einfach nicht gut genug. Auch den sechsten Platz werden sie wegen der Doppelbelastung und der starken Konkurrenz nicht halten können. Irgendein Platz im Mittelfeld wird es wohl, aber kein Abstieg. Für Union wird es auch nächstes Jahr wieder nicht reichen. Die werden wahrscheinlich wieder vierter.
    Foto: Hucht

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: leute-n.jensch@tagesspiegel.de

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von Felix Hackenbruch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

heute startet der evangelische Kirchentag in Berlin. Über 100.000 Besucher werden erwartet. Morgen kommt dann auch Barack Obama dazu. Und am Samstag nochmal zehntausend Fans von Eintracht Frankfurt (die, die gern mal randalieren) und Borussia Dortmund (auch keine Fans von Traurigkeit) zum DFB-Pokalfinale. Stress statt Feiertag also für die Polizei. Viel schlimmer als die vielen Überstunden, die die Beamten in der Stadt regelmäßig machen müssen, ist aber die Respektlosigkeit mit der man den Ordnungshütern entgegentritt. Ein besonders drastischer Vorfall hat sich in der Nacht auf Sonntag in der Rigaer Straße ereignet.

Gegen zwei Uhr nachts hatten Zivilfahnder drei Vermummte bemerkt, die Straßenlaternen mit Pflastersteinen bewarfen. Als die Steinewerfer die Polizisten bemerkten, ergriffen sie mit vier weiteren Vermummten die Flucht. Dabei bewarfen die Flüchtenden die Zivilfahnder mit Steinen und Flaschen. Sechs Personen gelang die Flucht in ein nahes Wohnhaus in der Rigaer Straße. Eine weitere Verfolgung war nicht möglich, da sich auf dem Innenhof vermummte Personen aufhielten, die mit Steinen bewaffnet waren und die Polizisten mit Taschenlampen blendeten. Hinzugerufene Kräfte einer Einsatzhundertschaft betraten mit den Zivilfahndern den Innenhof, wo sie ebenfalls geblendet wurden. Beim Verlassen des Gebäudes wurden die Polizisten mit Feuerlöschern besprüht. Drei Polizisten der Hundertschaft klagten über Atemwegsreizungen.

Was die autonome Szene mit solchen idiotischen Aktionen erreichen will, bleibt wohl ihr Geheimnis. Bezeichnend ist allerdings, dass der Vorfall nur auf verhaltenes Medieninteresse gestoßen ist und es quasi keine Solidaritätsbekundungen mit der Polizei seitens der Politik oder der Anwohner gab. Das sollte in einem Rechtsstaat, zu dem auch Friedrichshain-Kreuzberg gehört, zu denken geben.

Felix Hackenbruch schreibt für das Berlin-Ressort des Tagesspiegel. Als er 2015 von Heidelberg nach Berlin zog, arbeitete er zunächst für einen Radiosender in der Marheineke Markthalle und wohnte am Kotti. Inzwischen lebt er zwar kurz hinter der Bezirksgrenze in Schönberg, hat den Kreuzberg aber aus seiner Wohnung im Blick. Folgen können Sie ihm auch auf Twitter. Der Xhain-Newsletter kommt diesmal übrigens schon am Mittwoch heraus, weil morgen Feiertag ist.

Gerd Appenzellers Tipp für Sie

Bei den Brüdern Humboldt schienen, glaubt man den Zeitgenossen, die Rollen klar verteilt: Alexander war der Weltreisende und Wilhelm der Stubenhocker. Oder stimmt das etwa nicht? Tagesspiegel-Redakteurin Dorothee Nolte stellt zum 250. Geburtstag des Gelehrten und Bildungsreformers im Juni das Buch „Lebensbild in Anekdoten“ vor, das manche unerwartete Seite von Wilhelm von Humboldt zeigt. Er gründete nicht nur die Berliner Universität, die heute seinen Namen trägt, sondern reiste auch durch ganz Europa. Er war ein Bildungsreformer, der die preußische Schul-und Hochschullandschaft prägte, und er führte eine moderne Ehe mit seiner Frau Caroline von Humboldt. Im Tagesspiegel-Salon stellt Dorothee Nolte am Mittwoch, 14. Juni, ab 18:30 ihr Buch vor. Sie spricht mit dem Sprachwissenschaftler und Humboldt-Experten Professor Jürgen Trabant über die Aktualität des Protagonisten ihres Buches. Moderator Rüdiger Schaper, Leiter der Kulturredaktion des Tagesspiegels, schreibt gerade eine Biografie Alexander von Humboldts. Da die Zahl der Plätze im Tagesspiegel-Salon am Askanischen Platz (S-Bahnhof Anhalter Bahnhof) in Kreuzberg begrenzt ist, sollten Sie sich rasch unter der Telefonnummer 030/29021560 anmelden.

Gerd Appenzeller ist Berater der Chefredaktion beim Tagesspiegel und Autor des Leute-Newsletters Reinickendorf.

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