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    Unter Nachbarn

    184 Mal werden wir noch wach, dann wählen wir den Bundestag. Und da Zeit bekanntlich rennt, beginnen die Macher von „Unser Ziel: Kleiner 5“ schon jetzt mit dem Kampf gegen Rechts. Die Kampagne will sich dafür einsetzen, dass rechtspopulistische Parteien weniger als fünf Prozent der Stimmen erhalten und somit den Einzug in den Bundestag verpassen. Mit dabei: Lena Kuhlmann, 29 Jahre, aus Friedrichshain.

    Was genau macht Kleiner Fünf? Wir wollen die Menschen für populistische Mechaniken sensibilisieren. Wir geben Leuten Gesprächsleitfäden, Fakten und Argumente an die Hand, damit sie sich in Diskussionen einbringen können. Wir werden nicht postfaktisch auf postfaktisch antworten. Wir wollen wieder zurück zu Diskussionen, die auf Argumenten beruhen. Wir wollen radikal freundlich miteinander umgehen und nicht noch mehr Angst schüren. Wie nimmst du die Situation in Friedrichshain wahr? In dem Bezirk, in dem ich wohne, lag die AfD bei den Landtagswahlen bei knapp fünf Prozent. Hier ist aber auch eine „Bubble“ – ich wohne direkt am Berghain. Hier sind alle schwul, alle queer und alles ist cool. Auch die unterschiedlichen Nationalitäten kommen gut miteinander klar. Trotzdem habe ich – gerade in den letzten Jahren – mitbekommen, dass es auch hier schwierige Situationen gab. Warum engagierst du dich? Als Trump gewählt wurde, war das ein Alarmsignal. Überall auf der Welt passieren ganz fiese Dinge. Ich dachte, ich muss da irgendwas dagegen machen. Ich glaube an eine Gesellschaft, in der Menschen unterschiedlichster ethnischer, geschlechtlicher oder religiöser Identitäten miteinander leben, und in der diese Unterschiede Mehrwerte statt Abwertung erzeugen. Für dieses Bild möchte ich kämpfen.

    Wollen Sie sich hier vorstellen, oder kennen Sie jemanden, der in dieser Rubrik vorkommen sollte? Schreiben Sie mir eine Mail an ann-kathrin.hipp@tagesspiegel.de. Ich melde mich bei Ihnen.

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Ann-Kathrin Hipp. von Ann-Kathrin Hipp tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

als Journalistin fühlt es sich gleich doppelt falsch an, was gerade in der Türkei passiert. Es fühlt sich doppelt und dreifach und vielfach falsch an, dass der „Welt“-Korrespondent Deniz Yücel mittlerweile seit mehr als zwei Wochen in Untersuchungshaft sitzt, weil er seinen Job gemacht hat. Terrorpropaganda wird ihm vorgeworfen, weil er kritisch berichtet hat. Weil das großer Bockmist ist, sollte man immer wieder kleine Zeichen setzen. Zeichen für #FreeDeniz.

Genau das haben gestern rund 800 Menschen bei einer Soli-Party im Festsaal Kreuzberg gemacht. Wir haben zu türkischen Beats getanzt und Texte von Deniz Yücel gehört. Die waren melancholisch, witzig, oft kritisch, manchmal provozierend, aber auch mit Herz. Yücel versucht zu zeigen, was falsch läuft in der Welt – auch in der Türkei. „Die Aufgabe von Journalisten ist es, diejenigen zu kritisieren, die gerade an der Macht sind, egal wer“, hatte Yücel dem Richter gesagt. Damit das so bleibt, müssen wir wach bleiben.

Über Kreuzberg als „anatolisches Dorf“ hat der Journalist übrigens auch mal geschrieben. Den Text gibt’s hier, vorgelesen noch viel witziger als im Stillen.

Ann-Kathrin Hipp ist Volontärin beim Tagesspiegel. Die gebürtige Rheinland-Pfälzerin lebt seit vier Jahren in Berlin. Bei Twitter ist sie auch zu finden. Anregungen, Kritik, Wünsche, und Tipps gerne via Mail an ann-kathrin.hipp@tagesspiegel.de

Ann-Kathrin Hipps Tipp für Sie

Immer mehr Jugendliche fliehen vor Problemen mit ihren Eltern in ein Leben auf der Straße. Viele kommen nach Berlin, um ihr vermeintliches Glück in der Anonymität der Großstadt zu suchen, ungefähr 2000 von ihnen leben auf den Straßen Berlins. Die beiden Fotografen Fara Phoebe Zetzsche und Massimo Branca haben obdachlose Jugendliche in Berlin und Bukarest begleitet und erzählen ihre Geschichten in der Ausstellung „Verloren in Berlin und Bukarest“. Parallel wird die Ausstellung „Auf der Straße – Porträts und Stadtlandschaften von Berlins Straßenjugendlichen“ gezeigt. Die jungen Leute hatten hier die Möglichkeit, ihre Umgebung mit der Kamera selbst festzuhalten. Zu sehen sind die Ausstellungen vom 16. März bis 21. Mai 2017 im Willy-Brandt-Haus. Eine Möglichkeit außerhalb der eigenen Komfortzone Welten zu entdecken, in die man sonst vielleicht keinen Einblick hat. facebook.de

#MeinKreuzberg