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von Nele Jensch tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Friedrichshain-Kreuzberg,

fangen wir ausnahmsweise mal mit guten Nachrichten an, schließlich ist bald Weihnachten: Das Fahrrad ist das Verkehrsmittel der Zukunft – das könnte man zumindest angesichts der Zahlen meinen, die die Verkehrsverwaltung auf Anfrage von Stefan Gelbhaar (Grüne) aufgeschlüsselt hat. Seit 2007 nahm der Radverkehr in Berlin allen Widrigkeiten zum Trotz (sehen Sie zu diesen in ihrer schlimmsten Form auch die Polizeimeldungen) um gut 36 Prozent zu. Basis für diese Bilanz sind monatliche Zählungen an jeweils einem Tag von 7 bis 19 Uhr an acht über das Stadtgebiet verteilten Stellen. Tja, und ganz besonders aktiv sind die Radler in Xhain: Die meistbefahrene Zählstelle ist die Oberbaumbrücke, gefolgt von Jannowitzbrücke und Berliner Straße, dann folgen Yorckstraße, Maybachufer, Invalidenstraße und Frankfurter Allee. Inzwischen zählen 17 permanente Zählstellen tagesaktuell Fahrradfahrer*innen, ihre Daten sind hier abrufbar. Seit Jahresbeginn haben sie 18,8 Millionen Radfahrer*innen registriert.

Und viele von ihnen dürften sich über diese Nachricht freuen: Kommende Woche sollen die Arbeiten am neuen Radfahrstreifen zwischen Kotti und Böcklerstraße enden, Radfahrer*innen haben dann in beiden Richtungen zwei Meter Platz, wie das Bezirksamt per Pressemitteilung bekannt gibt. Grün eingefärbt, „um die optische Abgrenzung zum Straßenverkehr zu erhöhen“, werden die Radstreifen witterungsbedingt allerdings erst im nächsten Frühjahr. Für die Radspur mussten 300 Parkplätze entlang der Skalitzer Straße weichen – auf dem Mittelstreifen unter der U-Bahntrasse entstehen dafür 152 neue. Die aktuelle Situation der Radwege im Bezirk zeigt die Kiezkamera (weiter unten) anschaulich.

Über die verminderten Parkmöglichkeiten werden sich wohl einige Autofahrer*innen ärgern – und auch manche*r Radler*in darüber, dass der Radweg nicht unter der U-Bahn angelegt wurde, wie es den Stadt- und Verkehrsplanern von „Radbahn“ vorschwebt. Diese wollen das Viadukt der U1 nutzen, um Radfahrer*innen neun Kilometer weit trockenen Hauptes von Kreuzberg nach Friedrichshain zu bringen. Bisher gibt es aber trotz eines ausführlichen Konzeptes und Fans in der Politik keine konkreten Umsetzungspläne – wohl auch deshalb, weil das Projekt (nach Kalkulationen der Initiatoren) mit 13 bis 27 Millionen Euro ziemlich teuer werden würde.

Nele Jensch ist freie Autorin beim Tagesspiegel. Offiziell wohnt sie zwar auf der Neuköllner Seite des Landwehrkanals, aber gefühlt ist die ja schon lange in Kreuzberg eingemeindet. Über Post freut sie sich unter leute-n.jensch@tagesspiegel.de.

Bernd Matthies' Tipp für Sie

Der Name führt in die Irre, mit Tex-Mex-Küche hat das Rio Grande wirklich nichts zu tun. Aber Berlins Genießer wissen längst, dass ihr Rio Grande die Spree ist, und dass es in diesem unter der Straße am Ufer versteckten Restaurant österreichisch getönte Küche mit ebensolchen Weinen gibt, und das in lebhafter, relativ lauter Atmosphäre. Die Salate sind relativ unspektakulär, schmecken aber gut, zum Beispiel der Feldsalat mit Trauben und Kürbiskernen (9 Euro), der mit mit Crottin de Chavignol, Backhendl oder Räucherforelle ergänzt werden kann. Der Roquefort mit gegrillter Birne, Früchtebrot und Walnuss (11,50) ist eine Art Salat, würzig, kontrastreich. Die rosa gebratene Entenbrust kommt in sanft süßer Feigensauce mit Schwarzwurzeln (19,50). Sehr ausgewogen schmeckte das magere Eisbeinfleisch auf cremiger Polenta mit Spitzkohl-Kaiserschoten-Salat (16,50), und das Steinbuttfilet, angesichts des Preises (24,50) von generöser Größe, schwamm mit Grünkohlstreifen, Beluga-Linsen und Bete-Scheiben ebenfalls in Bodennähe.

Groß und geradezu liebenswürdig kalkuliert ist die Weinkarte, der köstliche Veltliner „Alte Setzen“ von Huber wird zum Beispiel für 34,50 Euro angeboten. Übrigens gibt es hier jeden Tag auch Frühstück (ab 10 Uhr) und günstigen Lunch. Man muss dieses Restaurant also einfach gern haben – auch wenn die Küche noch ein wenig mehr Schliff brauchen kann. Insider-Tipp fürs perfekte Restaurant-Erlebnis: Unbedingt Tisch am Fenster bestellen – dann schwimmen die Enten fast in Griffnähe und bringen den Gast ins Grübeln, ob er die Vettern in der Küche tatsächlich essen möchte.

May-Ayim-Ufer 9, Kreuzberg, Tel. 61 07 49 81, täglich von 10 bis 1 Uhr, Betriebsferien 1. bis 11. Januar. Die ganze Restaurant-Kritik lesen Sie hier.

#MeinKreuzberg