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    Unter Nachbarn

    In dieser Rubrik haben wir schon Künstlerinnen vorgestellt und Gottesleute, Sportlerinnen und Vereinsvorsitzende. Heute möchte ich Sie auf eine Lehrerin hinweisen. Sie trägt keinen Namen, aber hat etwas zu sagen. Unser Debattenportal Tagesspiegel Causa hat am Montag einen Brandbrief veröffentlicht, den eine Lehrerin einer Brennpunktschule anonym verfasst hat. Auch ich kenne ihren Namen nicht und nicht die Schule, an der sie unterrichtet. Mein Verdacht ist, dass sie nicht aus Marzahn-Hellersdorf kommt. Doch auch hier gibt es Schulen, an denen es immer wieder Spannungen gibt.

    Das Besondere: Unsere Autorin sieht die Hauptursache nicht bei „Problemschülern“, sondern bei „Problemlehrern“. Sie kritisiert deren Haltung: „Die Lernenden an meiner Schule werden vorrangig als Problem wahrgenommen, mit dem es umzugehen gilt – bevorzugt durch Maßregeln und Tadeln, eben durch ‚Rundmachen‘. Als junge Menschen mit Fähigkeiten und Talenten gelten sie nur bei wenigen“, schreibt sie. „Dem Kollegium und der Schulleitung mangelt es stark an Vorurteilsbewusstsein. Die Schülerinnen und Schüler gelten bei sehr vielen meiner Kolleginnen und Kollegen als minderbegabt und aufmüpfig.“ Sie schreibt auch von pauschaler Geringschätzung aufgrund der Herkunft und von Kolleginnen und Kollegen, die Schüler kleinhalten, statt Mitbestimmung zu ermöglichen. In alledem würde sich das Lehrpersonal untereinander bestärken, auf Kritik von außen werde nur mit kollektiver Empörung und kosmetischen Maßnahmen reagiert, aber nicht mit ernsthafter Selbstreflexion. Und das alles lasse sich nicht mit Abnutzung und Ermattung erklären, schreibt unsere Lehrerin – denn auch die Jungen brächten oft schon diese Haltung mit, wenn sie an die Schule kämen.

    Ich gebe zu, mich hat dieser Text etwas ratlos zurückgelassen. Gewiss, es ist ein neuer Blick auf vielfach bekannte Probleme. Aber ist es nicht auch wieder einseitig überspitzt? Lässt sich die Erschöpfung der Lehrerinnen und Lehrer so weitgehend ausblenden? Und vor allem frage ich mich: Gibt es solche Erfahrungen auch in Marzahn-Hellersdorf? Kennen Sie solche Probleme – und solche Ursachen – aus eigener Anschauung? Oder nehmen Sie Konflikte in den Schulen des Bezirks ganz anders wahr? Schreiben Sie mir gern unter leute-i.salmen@tagesspiegel.de.

    Foto: Fotalia

    Normalerweise stellen wir hier Menschen aus dem Bezirk vor. Wollen Sie auch einmal von Ihrer Arbeit, Ihrem Hobby, Ihrem Verein berichten? Oder ärgert sie etwas, und Sie wollen darauf aufmerksam machen? Dann erreichen Sie mich unter derselben E-Mail-Adresse.

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von Ingo Salmen tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Marzahn-Hellersdorf,

diese Stadt ist Labor, Sehnsuchtsort, Konfliktschauplatz – und für viele ganz schlicht und mehr als alles andere auch Zuhause und Heimat. Wer wüsste das besser als die Bewohnerinnen und Bewohner eines Bezirks, der genauso durch Einfamilienhäuser geprägt ist wie durch Großsiedlungen? Wie diese Stadt tickt, wollen wir nun systematischer und regelmäßiger ergründen als bisher. Deshalb hat der Tagesspiegel am Freitag den Berlin-Monitor gestartet. Zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Civey wollen wir als erste Tageszeitung in Deutschland ein kontinuierliches Stimmungsbild der eigenen Region abbilden. Dabei geht es um die klassische Sonntagsfrage („Was würden Sie wählen, wenn …?“) genauso wie um den Zustand der Schulen, das Sicherheitsgefühl der Bevölkerung, die richtigen Schwerpunkte in der Verkehrspolitik, den Zuzug aus dem In- und Ausland oder auch die Zufriedenheit mit Rot-Rot-Grün. Civey ermöglicht repräsentative Online-Befragungen. Schon bei der Berlin-Wahl haben wir damit sehr gute Erfahrungen gemacht. Die Teilnahme ist einfach, im Ergebnis können wir sowohl langfristige Einstellungen und Trends, als auch kurzfristige Stimmungen und Schwankungen erkennen. Hier geht’s zu einer genauen Erklärung, wie der Berlin-Monitor funktioniert, und zu den ersten elf Fragen. Ticken Sie mit?

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an leute-i.salmen@tagesspiegel.de.

Ingo Salmens Tipp für Sie

„Gießen mit Beton“ – das ist nicht der Titel einer Stadtführung in Mittelhessen, sondern das Motto eines Workshops in der Alten Börse. Die gelernte Architektin Karen Rose zeigt an diesem Mittwoch ab 16 Uhr in der Alten Börse, wie sich mit Schnellbeton Designobjekte fürs Zuhause leicht selbst herstellen lassen. Die Teilnehmer sollten Joghurtbecher, Flaschen, Milchkartons, Coffee-to-go-Becher oder dergleichen mehr als Formen mitbringen – am Ende entstehen daraus Buchstützen, Vasen oder Schalen. Nach gut drei Stunden kann jeder sein Werk, fertig dekoriert, mit nach Hause nehmen. Noch sind ein paar Restplätze frei. Also schnell hier zur Anmeldung.

 

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