• Nachbarschaft

    Heinrich Niemann, 73, hat sich schon als Stadtrat mit dem Schloss Biesdorf beschäftigt. Seit 2007 ist er Vorsitzender des Vereins Stiftung Ost-West-Begegnungsstätte, der seit seiner Gründung im Jahr 2001 die Wiederherstellung der klassizistischen Turmvilla entscheidend vorangetrieben hat und sich heute dafür engagiert, das Schloss mit Leben zu füllen. Ein Bestandteil sind die „Biesdorfer Begegnungen“ – wie zum Beispiel am Montag, 23. April. Dann kommt der frühere brandenburgische Ministerpräsident Matthias Platzeck nach Biesdorf, um über die deutsch-russischen Beziehungen zu sprechen, wie Niemann am Rande des Interviews berichtet.

    Herr Niemann, nicht einmal anderthalb Jahre nach seiner Eröffnung musste das Zentrum für Kunst und öffentlichen Raum im Schloss Biesdorf schon wieder schließen. Woran lag das?

    Nach der baulichen Wiederherstellung des Schlosses in seiner schönen historischen Gestalt war es ein Versuch mit einem anspruchsvollen Titel. In allen drei Ausstellungen gab es interessante Geschichten mit zum Teil nicht leicht zu erschließenden Kunstwerken. Von Anfang an problematisch war, dass der ursprüngliche Förderzweck, Kunstwerke aus der DDR, insbesondere aus dem Kunstarchiv Beeskow zu zeigen, nur in Ansätzen erfüllt wurde. Das wirkte manchmal mehr wie ein Feigenblatt. Das Barberini in Potsdam und andere Ausstellungen haben aber gezeigt, dass es ein großes Interesse an Kunst aus dem Osten gibt.

    Man hatte oft den Eindruck, dass die Bevölkerung mit dem ZKR fremdelte.

    Einen solchen Ort kann man nicht von heute auf morgen entwickeln. Da braucht man Geduld und darf auch nicht gleich zu hohe Erwartungen an Besucherzahlen haben. Aber die Schwelle, das Schloss zu betreten, war vielen oft zu hoch. Das mag auch daran gelegen haben, dass die Erinnerung an die frühere Nutzung fehlte. Dieses Haus war in der DDR 35 Jahre lang ein Treffpunkt und Kulturort, was dann nach 1990 noch einmal 20 Jahre lang weitergeführt wurde. Es fehlte der Sinn für den Geist des Ortes.

    Wie lässt sich das ändern?

    Zunächst einmal muss ich dem Bezirksamt, besonders der verantwortlichen Stadträtin Frau Juliane Witt danken, dass es nach der Übernahme das Schloss ohne Unterbrechung weitergeführt hat, die Ausstellung geöffnet bleibt und auch alle geplanten Veranstaltungen stattfinden können. Wir werden noch mehr Veranstaltungen brauchen, damit etwas los ist. Dazu gehört auch, die Schlosskonzerte wiederzubeleben. Außerdem gilt es, die interessante Geschichte des Ortes besser darzustellen. Das Wichtigste aber ist, das Konzept der Galerie neu zu justieren: Man sollte mehr Mut haben, nach Beeskow zu gehen, dort lagern allein 1500 Gemälde, die man auch mit weiteren Arbeiten kombinieren kann. Das wäre ein Alleinstellungsmerkmal. In Berlin gibt es keinen speziellen Ort, wo Kunst der DDR gezeigt wird.

    Das klingt doch nach dem ursprünglichen Konzept einer „Galerie Bilderstreit“.

    Die Diskussion ist inzwischen weitergegangen. Gerade erst hat doch Plattner in Potsdam gezeigt, dass wir die Kunst in der DDR seit einigen Jahren wieder als Kunst wahrnehmen und nicht nur als Illustration von Geschichte. Das muss auf eine Weise geschehen, dass es für die Besucher verständlicher ist als im ZKR, ohne dem Betrachter eine bestimmte Deutung vorzugeben. Das spüren die Leute sehr genau. Uns ist als Verein außerdem wichtig, einen Platz für Otto Nagel als bedeutenden Künstler des 20. Jahrhunderts zu finden, der seine letzten Lebensjahre in Biesdorf verbrachte.

    Karin Scheel als neue Verantwortliche hat in der Galerie M allerdings auch keine Ausstellungen für die breite Masse organisiert.

    Frau Scheel ist aber bewusst, dass es sich hier um eine andere Dimension handelt. Und sie versucht, die Menschen einzubeziehen. Das ist der richtige Ansatz.

    Wer soll hier als nächstes vorgestellt werden? Sie selbst? Jemand, den Sie kennen? Wir freuen uns auf Ihre Vorschläge unter: ingo.salmen@tagesspiegel.de

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von Ingo Salmen tagesspiegel
Liebe Nachbarn aus Marzahn-Hellersdorf,

jetzt mal ehrlich: Haben die Gedichte Eugen Gomringers jemals so viel Leute berührt wie in diesen Tagen? Und haben sie jemals so viele Menschen zu neuen Gedichten inspiriert? Der @gomringador produziert Persiflagen im Stundentakt, und es ist viel Meterware dabei. Aber es gibt auch wahre Perlen unter den „avenidas“-Derivaten. Eine hat uns vergangene Woche die Groko beschert. Als bekannt wurde, dass Horst Seehofer ins Bundeskabinett zurückkehren soll, gingen mit „taz“-Redakteurin Johanna Roth die Verse durch:

Heimat
Heimat und Inneres

Inneres
Inneres und Bauen

Heimat
Heimat und Bauen

Heimat und Inneres und Bauen und
Ein Horst

Hunderte Male wurde ihr Tweet geteilt, vieltausendfach gesehen. Hellersdorf macht Bundespolitik. Und das Bezirksamt? Weilt unterdessen bei seiner Jahresklausur in der Schorfheide, nicht rein zufällig dort, denn der Bezirk mit dem größten zusammenhängenden Plattenbaugebiet Deutschlands und dem größten zusammenhängenden Einfamilienhausgebiet Europas muss natürlich, wie Stadtrat Johannes Martin (CDU) betont, im „größten zusammenhängenden Waldgebiet“, naja, sagen wir: Brandenburgs tagen, um weitsichtige Politik für Zuhause zu entwickeln.

Das verdichtet sich dann in einem Wort: Heimat. Horst Seehofer würde sicher frohlocken, käme er einmal nach Marzahn. Denn da steht doch tatsächlich in der Informationsmappe zur Jahres-Pressekonferenz des Bezirksamts, dick auf Seite 35, unter „Ausblick 2018“ die Überschrift: „Herkunft – Heimat – Hoffnung“. Das war aber alles schon vor der Groko-Einigung so formuliert, beeilt sich Kulturstadträtin Juliane Witt (Linke) zu sagen, um Missverständnissen vorzubeugen – und hebt dann zu einer Erörterung über den Begriff Heimat ab, der mehr Brücke sei als Grenze, während Wirtschaftsstadtrat Martin lieber betont, auf bundespolitische Einlassungen verzichten zu wollen (sechs weitere Versuche über die Heimat finden Sie übrigens hier).

MaHe ist also mittendrin in der Groko-Debatte. Das liegt schon deshalb nahe, weil Monika Grütters, Staatsministerin für Kultur und auf jeden Fall gegen jede, aber wirklich jede Art von „Kulturbarbarei“, natürlich mitten im Kanzleramt sitzt und dort vermutlich auch noch gern bleiben würde, zumal sie das kulturpolitische Programm selbst verhandelt hat. Das Tableau weist diesen Posten auch wieder der CDU zu, was ihre Chancen erhöht. Allerdings ist noch lange nicht ausgemacht, ob die Groko nun wirklich zustandekommt – und das hat auch wieder mit Marzahn-Hellersdorf zu tun. Denn zuerst müssen ja die SPD-Mitglieder dem Koalitionsvertrag zustimmen. Die Jusos trommeln dagegen, an ihrer Spitze der Vorsitzende Kevin Kühnert. Der reist gerade auf „NoGroKo“-Tour durch die Republik und besucht am Dienstag kommender Woche Marzahn. Um 20 Uhr ist er im Victor-Klemperer-Kolleg in der Martha-Arendsee-Straße 15 zu Besuch, um mit den Jusos aus MaHe, Lichtenberg und Treptow-Köpenick und allen, die sich sonst noch interessieren, zu diskutieren (mehr bei Facebook). Preisfrage: Was macht eigentlich gerade der SPD-Parteivorstand? Ist mit sich selbst beschäftigt.

Ingo Salmen ist Online-Redakteur beim Tagesspiegel. Und bei Twitter ist er auch zu finden. Wenn Sie Anregungen, Kritik, Wünsche, Tipps haben, schreiben Sie ihm bitte eine E-Mail an ingo.salmen@tagesspiegel.de

Ingo Salmens Tipp für Sie

Wo suchen Sie vielleicht nicht gerade die Spitze des technischen Fortschritts? Richtig, in Biesdorf. Aber das war mal ganz anders. Dort, wo heute Pendler wohnen, wurden einst Luftschiffe gebaut. Über 1,5 Millionen Quadratmeter von Karlshorst bis in den Süden des Ortes erstreckte sich einst das Gelände, auf dem die Luftschifffahrt beheimatet war. Sie war verbunden mit Wilhelm von Siemens, der dort zwischenzeitlich das schnellste Luftschiff der Welt montieren ließ. Herzstück war eine 135 Meter lange, 25 Meter breite und 25 Meter hohe Halle, die als erste ihrer Art drehbar war, um die Luftschiffe schon beim Start nach dem Wind auszurichten. Harald Ritter erzählt diese Geschichte in der „Berliner Woche“ und zeigt auch ein paar imposante historische Fotos. Nach wenigen Jahren war diese Ära zu Ende, bis 1920 gab es noch einen militärischen Betrieb mit herkömmlichen Flugzeugen. Vom Flugfeld zeugen heute noch die verfallenden Kuppelbauten östlich der Köpenicker Allee in Karlshorst, denkmalgeschützte ehemalige Fliegerhallen.

Auf diese reichhaltige Geschichte der Luftfahrt in der Region geht Wolfgang Schneider von den Geschichtsfreunden Karlshorst an diesem Mittwoch, 14. Februar, ab 18 Uhr in einem Vortrag im Veranstaltungsraum des Bezirksmuseums ein, Haus 1, Alt-Marzahn 51. Der Eintritt ist frei.

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