Dunkle Bahnunterführung : Ein Kiez guckt in die Röhre

25.10.2011 13:27 Uhrvon
Ein Mann sieht schwarz: Apotheker Thomas Bong in der dunklen Unterführung. Foto: Mike Wolff
Ein Mann sieht schwarz: Apotheker Thomas Bong in der dunklen Unterführung. - Foto: Mike Wolff

Seit fünf Jahren wollen Geschäftsleute die Bahnunterführung an der Wilmersdorfer Straße beleuchten. Die Anwohner sind dafür, das Geld ist da, die Genehmigung angeblich auch – nur: Es passiert nichts.

Apotheker Thomas Bong sieht schwarz, wenn er an die unbeleuchtete Brücke denkt. Dort, wo das Bahnviadukt die Wilmersdorfer Straße in Charlottenburg überquert, fehlen die Lampen in der Unterführung. Fußgänger laufen damit bereits tagsüber durch die Dunkelheit. „So etwas schreckt doch ab“, sagt der Apotheker. „Das ist keine Einladung zum Shoppen.“

Der Geschäftsmann berichtet, dass er auf dieses Ärgernis immer wieder von Kauflustigen angesprochen wird, die vom Kurfürstendamm in die Einkaufsmeile der Wilmersdorfer Straße pendeln. „Das Bahnviadukt wirkt wie eine Mauer“, sagt Bong. „Und der einzige Weg hindurch ist diese dunkle Unterführung.

Deshalb setzen sich der 58-Jährige und andere Geschäftsleute aus dem Kiez seit mittlerweile fünf Jahren für eine beleuchtete Unterführung ein. Die Brücke am Viadukt gehört der Bahn, dort fragte Bong mehrmals nach. Erfolglos, wie er sagt: „Die hatten Angst, die Lampen bezahlen zu müssen.“ Also blieb es dunkel am U-Bahnhof Wilmersdorfer Straße.

Hier liegt die dunkle Unterführung. Grafik: Tsp/Schilli
Hier liegt die dunkle Unterführung. - Grafik: Tsp/Schilli

Daraufhin suchte der Apotheker nach einer anderen Lösung: „Wir nahmen es in die eigene Hand.“ Dabei entstand der Kontakt zum Lichtdesigner Andreas Boehlke, der im Rahmen des gerade erst beendeten Festival of Lights für Lichtinstallationen rund um den Kurfürstendamm sorgte. Andreas Boehlke zeigte sich interessiert und verhandelte mit einem Sponsor, der die Lampen bezahlen wollte. Die Geschäftsleute um Bong stellten noch einmal 1000 Euro bereit, mit denen sie das Anbringen unter der S-Bahnbrücke bezahlen wollten. Alles, was noch fehlte, war die Genehmigung der Bahn zum Anschrauben. „Eine Formalität“, glaubt Bong. „Die wollte der Baustadtrat erledigen.“ Doch die Zeit verstreicht, die dunkle Jahreszeit rückt wieder näher, und in der Unterführung bleibt es düster.

Passantin Beatrix Naumann läuft jeden Tag durch diese Unterführung. Ihr sei da oft „mulmig“, sagt sie. „Besonders in den Abendstunden bin ich froh, wenn ich am anderen Ende bin.“ Dabei sind es nur ein paar Schritte, 70 Meter vielleicht. Aber zwischen den Wänden mit den dunklen Ziegelsteinen schlucken die breiten Stahlträger das Licht. Obendrüber rattern die S-Bahnen und Fernzüge über die acht Gleise.

Nach all den Wochen ohne Rückmeldung verliert der Apotheker Bong so langsam seine Geduld: „Wenn bis Monatsende nichts passiert, ziehen wir unser Angebot mit den Lampen wieder zurück.“ Eine Genehmigung zum Anschrauben der Lampen liegt aber längst vor, sagt Klaus-Dieter Gröhler, der Baustadtrat in Charlottenburg-Wilmersdorf. „Ich habe bei der Bahn angefragt. Sie ist einverstanden.“ Dort sieht man das Ganze allerdings anders, berichtet Bahn-Sprecher Gisbert Gahler: „Dieses Thema ist uns nicht bekannt.“ Die Bahn sei nur für den Bahnverkehr über die Brücke zuständig. „Werden Lampen unter der Brücke angebracht, gehört das zum Straßenverkehr.“ Und so bleibt es weiterhin dunkel am U-Bahnhof, wie seit fünf Jahren.

Apotheker Bong überlegt inzwischen, ob das von ihm geplante Brückenfest zum verkaufsoffenen Sonntag am 6. November noch stattfinden kann: „Mit einer unbeleuchteten Brücke macht das alles keinen Sinn.“

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