Berlin : Erneut Flucht aus Moabiter Gerichtssaal

Wachtmeister fassen 23-Jährigen im Hof

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Der 23-jährige Michal S. schlug kurz nach seiner Verurteilung zu zwei Jahren und drei Monaten Gefängnis einen Bewacher beiseite, lief zu einem Fenster und sprang etwa vier Meter tief in den Hof des Moabiter Kriminalgerichts. Obwohl S. sich den Knöchel verstauchte, rannte er weg, wurde aber von einem, wie es hieß, sehr kräftigen Wachtmeister nach wenigen Metern überwältigt. Der Bewacher von S. und ein zweiter Wachtmeister im Gerichtssaal hatten sofort Alarm ausgelöst, deshalb konnte der Justizangestellte im Hof sofort reagieren. Dies alles geschah bereits am Donnerstag, ein Justizsprecher bestätigte den Fall gestern auf Anfrage. Die Öffentlichkeit sei nicht informiert worden, „weil dazu kein Anlass bestand“, hieß es. Schließlich sei die Flucht schnell vereitelt worden.

Aus demselben Gerichtstrakt war im August der Gewalttäter Hassan Ch., ein Libanese, geflohen – ebenfalls durch ein Fenster. Im September war dann ein weiterer Angeklagter, der wegen Betrugs angeklagte Martin R., aus dem Kriminalgericht entkommen.

Verärgert über den neuerlichen Vorfall reagierte gestern die CDU. „Justizsenatorin Schubert hat aus allem nichts gelernt“, sagte CDU-Justizexperte Michael Braun. Braun forderte den Regierenden Bürgermeister Wowereit auf, Karin Schubert „endlich zu entlassen“. Nötig sei mehr Personal im Gericht, sagte Braun.

Michal S., der aktuelle Fluchtkandidat, war verurteilt worden, weil er seiner Freundin in den linken Oberarm geschossen haben soll. Handschellen hatte man ihm nicht angelegt. „Es lagen keine Anhaltspunkte für eine Flucht vor“, sagte Justizsprecher Arnd Bödeker.

Aus diesem Fall hat die Justiz Konsequenzen gezogen: Am Montag war das Fenster zu und der Griff fehlte. Ansonsten habe sich nach den letzten Vorfällen nichts gebessert, sagten Wachtmeister gestern. Wie berichtet wurde Hassan Ch. vor zwei Wochen wieder gefasst. Martin R. ist noch immer flüchtig. Ha/K.G

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