Geständnis erwartet : Mutmaßlicher Moscheen-Brandstifter vor Gericht

Die Serie löste Empörung aus: Über Monate wurden immer wieder Brandanschläge auf islamische Einrichtungen verübt. Jetzt steht der mutmaßliche Täter vor Gericht. Er hat offenbar psychische Probleme.

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Die Flammen verkohlten im November 2010 die Rückwand eines angrenzenden Beerdigungsinstituts, das zur Sehitlik-Moschee gehört.Alle Bilder anzeigen
Foto: Mike Wolff
19.11.2010 14:13Die Flammen verkohlten im November 2010 die Rückwand eines angrenzenden Beerdigungsinstituts, das zur Sehitlik-Moschee gehört.

Allein vier Mal traf es ab Juni 2010 die Sehitlik-Moschee in Neukölln. Brennbare Flüssigkeit sickerte auch unter einer Tür der Al-Nur-Moschee durch. Im Januar explodierte an der Ahmadiyya-Moschee in Wilmersdorf eine improvisierte Sprengvorrichtung, es gab Sachschäden. Zwei Wochen später wurde Manuel K. verhaftet. Ab diesem Montag muss sich der mutmaßliche Moscheen-Brandstifter vor dem Landgericht verantworten (9 Uhr, Saal 606).

Er ist 30 Jahre alt und galt bei seinen Nachbarn in der Neuköllner Pintschallee als „merkwürdiger Sonderling“. Manuel K. lebte allein in einer kleinen Wohnung. Polizisten fanden dort Beweismittel, die darauf hindeuteten, dass er die Serie fortsetzen wollte. In ersten Vernehmungen soll der Mann, der für die Polizei bis dahin ein unbeschriebenes Blatt war, die Anschläge gestanden haben. Um einen Täter mit politischen Motiven aber handelt es sich wohl nicht. Es sei eher davon auszugehen, dass der mutmaßliche Zündler nach Aufmerksamkeit suchte und psychische Probleme hatte, hieß es.

Manuel K. muss sich für sechs Anschläge zwischen Juni 2010 und Januar dieses Jahres verantworten. Anfangs soll er Benzin und Brennspiritus verwendet haben. Später ging er laut Ermittlungen mit Propangas, Waschbenzin beziehungsweise einem Molotowcocktail zu Werke. Für den letzten Anschlag soll er einen Sprengsatz aus Gaskartuschen, Brennspiritus, Holzkohle, Papier, Böllern und Schrauben gebastelt haben. Mehrfach ging das Feuer von allein aus, und es blieb bei kleineren Brandspuren. In zwei Fällen allerdings konnte größerer Schaden nur durch einen rechtzeitig eingreifenden Angestellten und die alarmierte Feuerwehr verhindert werden.

Im Prozess um schwere Brandstiftung, Herbeiführung einer Sprengstoffexplosion sowie versuchte schwere Brandstiftung in fünf Fällen wird mit einem Geständnis gerechnet. In früheren Aussagen gab K. einen Überfall, den er als Kind erlebt und bis heute nicht verarbeitet habe, als Auslöser der Anschläge an. Derzeit befindet er sich in einem psychiatrischen Krankenhaus. Nach einem vorläufigen Gutachten war er mindestens vermindert schuldfähig. Für den Prozess hat das Gericht bislang zwei Tage angesetzt.

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