Internet : Wie die S-Bahn-Krise auf Facebook diskutiert wird

Schwarzfahren, die Monatskarte nur zur Hälfte bezahlen oder den Bahntower mit Schneebällen bewerfen. Das sind nur einige der Antworten auf die Berliner S-Bahn-Krise, die derzeit im Internet diskutiert werden.

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Diesmal wieder Kabeldiebstahl: Am Dienstagmorgen gab es wieder Verspätungen und Zugausfälle bei der Berliner S-Bahn. Vor allem der Osten Berlins war betroffen. Hier die entsprechende Mitteilung am Bahnhof Greifswalder Straße.Weitere Bilder anzeigen
Foto: Maik Werther
29.05.2012 07:23Diesmal wieder Kabeldiebstahl: Am Dienstagmorgen gab es wieder Verspätungen und Zugausfälle bei der Berliner S-Bahn. Vor allem der...

Schwarzfahren, die Monatskarte nur zur Hälfte bezahlen oder den Bahntower mit Schneebällen bewerfen. Das sind nur einige der Antworten auf die Berliner S-Bahn-Krise. Zu finden sind sie auf der Internetplattform Facebook, wo sich immer mehr Widerstand regt. Unter dem Titel „Chaos S-Bahn Berlin Hasser“ haben sich Menschen mit einem ernsthaften Anliegen vereinigt: Sie ärgern sich über den eingeschränkten S-Bahn-Verkehr und überlegen, wie sie den Verkehrsverbund Berlin-Brandenburg (VBB) unter Druck setzen können. 520 Personen hatten ihr Profil gestern Nachmittag auf diese Seite verlinkt. Sie existiert zwar schon seit fast einem Jahr, die Anzahl der Beiträge aber hat sich in den vergangenen Tagen stark erhöht.

Die Facebook-Nutzer regen sich über die langen Wartezeiten und die gesperrten Strecken auf, besonders verärgert sind sie aber über die Informationspolitik der S-Bahn. „Ich find’s ja super, wenn 30 Minuten lang die Ringbahn alle zwei Minuten kommt“, schreibt spöttisch ein Nutzer – und dann gar kein Zug kommt. Ein anderer User fragt bissig: „Sind bei den Programmierern auch die Weichen eingefroren?“

Gemeinsam überlegen die Protestler, wie sie sich gegen die Einschränkungen wehren können. Für eine Demonstration, so die weitgehende Meinung, gibt es noch nicht genug erboste Bürger. Also werden andere Protestformen diskutiert: Ein Nutzer schlägt vor, nur noch ermäßigte Karten zu kaufen. Inhabern von VBB-Abos empfiehlt er, das Lasteinzugverfahren bei der Bank zu stoppen und nur noch gekürzte Zahlungen zu überweisen. Andere Facebook-Nutzer schreiben, sie hätten ihre Monatskarte einfach nicht verlängert. So soll die S-Bahn den Ärger ihrer Kunden spüren. Elke Krokowski vom VBB aber fürchtet sich nicht vor Einbußen. Im Gegenteil: Der VBB habe im vergangenen Jahr durch seine Entschädigungszahlungen mehr Kunden gewonnen, die nun ihre Monatsgebühren überweisen würden.

Der Beitrag eines weiteren Facebook-Nutzers ist radikaler: Unter der Parole „Schwarzfahrer aller Bezirke vereinigt euch“ fordert er Kunden dazu auf, ohne Fahrschein zu fahren. Viele der Facebook-Nutzer meinen, der VBB traue sich angesichts der schwierigen Lage nicht, das Fahren ohne Ticket zu ahnden. Ein Irrtum. „Auch wenn wir Verständnis für den Ärger haben, kann ich nur davon abraten, es ist nicht das richtige Mittel und wird hart bestraft“, sagt Elke Krokowski.

Weniger hart bestraft würden wohl die auf Facebook diskutierten Flashmobs, scheinbar spontane Versammlungen, bei denen Menschen ungewöhnliche Dinge tun. Ein Vorschlag: den Bahntower mit Schneebällen bewerfen. Allerdings – der Schnee schmilzt derzeit.

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