Kronzeuge hinter Panzerglas : Rocker-Aussteiger erneut vor Gericht

Zum dritten Mal sitzt der Kronzeuge aus der Rockerszene hinter dem Panzerglas: Er will aussagen, hat er angekündigt. Für die Polizei ein Glücksfall - für ihn lebensgefährlich.

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Der Aussteiger sitzt wieder hinter Panzerglas. Der 24-jährige Ex-Rocker hat nach Angaben der Staatsanwaltschaft eine „Fülle von Straftaten bekannt gemacht.“ In mehr als 60 Vernehmungen belastete er sich selbst und einstige „Brüder“.

Er ist seit Mittwoch zum dritten Mal Kronzeuge und Angeklagter in einem Prozess um Rockers-Kriminalität. Es geht um eine Strafaktion gegen ein Mitglied einer verfeindeten Gruppierung sowie um einen Raubüberfall auf zwei Frauen. Neben Robin A. sind drei Männer aus dem Umfeld der Bandidos angeklagt.

Der Kronzeuge wird reden. Das kündigte er an. Aussagen wollen auch Florian F., Ex-Präsident des aufgelösten Bandido-Supporterclubs La Onda, und die beiden weiteren Angeklagten. Zunächst aber diskutierten die Juristen im streng bewachten Saal. Es ging um mögliche Strafen im Fall von umfassenden Geständnissen.

Für Robin A. (Name geändert), der aus früheren Prozessen bereits drei Jahre und zehn Monate Gefängnis mit in das jetzige Verfahren bringt, scheint eine Einigung problemlos. Doch ansonsten mochte sich der Ankläger zunächst nicht „verständigen“. Er wolle zuvor die Geschädigten hören.

Es geht um Taten aus dem Jahr 2010. Im gewalttätigen Konflikt unter Rockern sollen mehrere Bandidos nach Lichtenberg gefahren sein, um ein Mitlied der rivalisierenden Hells Angels zu bestrafen. Der Mann hielt sich vor dem Haus eines Bandidos auf. Zum „Schutz“ ihres Kumpanen sollen A., Präsident F. und zwei bereits verurteilte Bandido-Untersützter den Gegner attackiert haben. Er erlitt einen tiefen Stich in den Oberschenkel. Alle vier Angeklagten müssen sich wegen Raubs verantworten.

Sie sollen im März 2010 eine Mutter und deren Tochter in einer Wohnung in Schöneberg überfallen haben. Die Frauen wurden laut Anklage bedroht und geschlagen. Die Täter raubten 1250 Euro, Schmuck und Elektronik.

In den letzten Monaten ist in der Rockerszene viel geschehen. Im Mai wurde eine wichtige Abteilung der Hells Angels verboten. Entwarnung aber ist nicht in Sicht. „Bis heute gibt es Auseinandersetzungen unter Rockern ohne Ende“, sagte der Ankläger am Rand des Prozesses. „Die schießen und stechen aufeinander ein.“

Der Kronzeuge ist ein Glücksfall für die Ermittler. Zugleich begab sich Robin A., der mit seiner kriminellen Vergangenheit abschließen will, in Gefahr. Wer seine „Brüder“ verrät, ist in Rockerkreisen vogelfrei. Vor einem Monat hatte A. in einem Prozess erstmals das im Milieu der Motorradgangs geltende Gesetz des Schweigens gebrochen. Die Verhandlung geht am 5. November weiter.

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