"Mitternachtsnotar" verhaftet : Tag und Nacht zu allem bereit

Marcel E. soll als Notar ruinöse Verträge von Betrügern beurkundet haben Später vertrat er als "Verbraucherschützer" Opfer der dubiosen Geschäfte.

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Schrottimmobilien. Etwa 4000 davon wurden in Berlin im Jahr 2011 Käufern angedreht – unsaniert oder erheblich überteuert.
Schrottimmobilien. Etwa 4000 davon wurden in Berlin im Jahr 2011 Käufern angedreht – unsaniert oder erheblich überteuert.Foto: Caro / Muhs

Im Schlafanzug soll Marcel E. schon mal tief in der Nacht an die Tür seines Notariats getreten sein, um schnell noch einen Vertrag zu beurkunden. Den „Drückern“ aus der straff organisierten Kolonne um den bulligen tätowierten Bandenchef Kai-Uwe K. soll er verständnisvoll zugeraunt haben: „Macht euch keine Sorgen, ich war selbst mal Verkäufer.“ Nur um die arglosen Opfer der dubiosen Firma „KK Royal“, mit den Initialen ihres kriminellen Chefs im Namen, kümmerte sich Marcel E. nicht. Dabei wäre es seine Pflicht als Notar gewesen. Stattdessen trieb er sie in die Insolvenz. Das halten ihm jedenfalls die Ankläger vor und verhafteten ihn deshalb am Mittwoch.

Ob er seine mutmaßliche Unterstützung der dubiosen Geschäfte später bereut hat? Der Notar hat jedenfalls vor zwei Jahren eine wundersame Wandlung durchlaufen – vom „Mitternachtsnotar“ zum „Verbraucherschützer“. „Vom Saulus zum Paulus“ höhnten Insider der Internetplattform „Gomopa“, die sich die Entlarvung dubioser Finanzdienstleister auf die Fahnen geschrieben hat. An der Strafverfolgung wegen der 17 Fälle mit einem Schaden in Millionenhöhe, an denen er als „bandenmäßiger Betrüger“ beteiligt gewesen sein soll, ändert der Seitenwechsel von Marcel E. nichts – aber strafmindernd könnte sich das auswirken.

„Ich frage mich täglich, ob ich zu naiv war und früher etwas hätte merken müssen. Den Vorwurf muss ich mir gefallen lassen.“ Das hatte Marcel E. im Februar dem Tagesspiegel geantwortet auf die Frage, warum er seine Dienste der kriminellen Bande um Kai-Uwe K. angeboten hatte. Damals behauptete der Notar auch, er habe den „Verbraucherschutz“ stets ernst genommen. Er sei erst „aufgewacht“ vor zwei Jahren, als ihm Opfer der Bande Vorhaltungen machten. Und als er festgestellt habe, dass die Bande ihn „belogen“ habe.

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