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Ausgebrannter Regionalzug in Berlin-Wuhletal : Bahnexperten geben Gleise wieder frei

Ein Regionalzug ist Mittwochabend am Bahnhof Wuhletal ausgebrannt. Er wurde Donnerstagnachmittag abgeschleppt. Die Bundespolizei sucht Passagiere als Zeugen.

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Brennender Regionalzug in Hellersdorf. Schätzungsweise 180 Fahrgäste konnten die Waggons zwischen den Bahnhöfen Wuhletal und Biesdorf unbeschadet verlassen.
Brennender Regionalzug in Hellersdorf. Schätzungsweise 180 Fahrgäste konnten die Waggons zwischen den Bahnhöfen Wuhletal und...Foto: Christopher Hams/dpa

Nach dem Brand eines Regionalzuges in der Nähe des Bahnhofs Wuhletal sind die Gleise am Unglücksort am späten Donnerstagnachmittag wieder für den Verkehr freigegeben worden. Befürchtet wurde, dass die Gleise einerseits durch die Hitze des Brandes, andererseits durch den Löscheinsatz der Feuerwehr beschädigt worden sein könnten.

Experten der Deutschen Bahn prüften die Gleise gründlich auf Schäden. Offenbar wurden sie nicht fündig und gaben grünes Licht für die Wiederaufnahme des Regionalverkehrs in Richtung Strausberg.

Passagiere werden gebeten, sich als Zeugen zu melden

Die Bundespolizei hatte zuvor die etwa 180 Passagiere des am Mittwochabend in Berlin-Wuhletahl ausgebrannten Regionalzuges aufgefordert, sich als Zeugen zur Verfügung zu stellen. Ein Ermittlungsverfahren wegen Gefährdung des Bahnverkehrs wurde eingeleitet. Zeugen den Unglücks können sich mit sachdienlichen Hinweisen unter der Rufnummer (030) 297779-0 an die Bundespolizei wenden; alternativ kann auch die kostenlose Servicenummer (0800) 6888 000 gewählt werden.

Zug war rollfähig und wurde abgeschleppt

Der am Mittwochabend ausgebrannte Regionalzug wurde am Donnerstagnachmittag vom Gleis am Bahnhof Wuhletal geschleppt. Eine Prüfung ergab, dass der Zug noch rollfähig ist und nicht vom Gleis gehoben werden muss. Gegen 13.30 Uhr war ein sogenannter "Werkstattzug" der Deutschen Bahn eingetroffen und wurde vor den havarierten Regionalzug gekoppelt. Der Werkstattzug schleppte den ausgebrannten Zug auf ein Bahngelände nach Kaulsdorf geschleppt. Dort sollen die Brandermittler der Bundespolizei die Frage klären, warum das Feuer ausgebrochen war. Ebenfalls an den Ermittlungen beteiligt ist die Eisenbahnuntersuchungsstelle des Bundes.

Feuer wurde kurz nach 20 Uhr von Fahrgast bemerkt

Der Brand im dreiteiligen Triebwagen der Niederbarnimer Eisenbahn - Regionallinie 26 - war am Mittwochabend gegen 20.10 Uhr zwischen den Bahnhöfen Biesdorf und Wuhletal bemerkt worden. Der 50-jährige Fahrgast, der sich im hinteren Zugteil aufgehalten hatte, informierte umgehend den Zugführer.

Der stoppte seinen vollbesetzten Zug unweit des Bahnhofs Wuhletal auf freier Strecke und ließ die etwa 180 Gäste aussteigen. Nach Angaben der Bundespolizei setzten 140 Passagiere ihren Weg sofort fort, weitere 40 Reisende blieben am Bahnhof Wuhletal.

Das Feuer schlug hoch aus den Waggons des Regionalzuges. Rund achtzig alarmierte Brandschützer konnten nicht mehr verhindern, dass der Zug komplett ausbrannte. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Gespenstische Bilder: Ein Zug brennt in Berlin aus
Gespenstisch. Der brennende Regionalzug am 6. Januar 2016 auf dem Gleis nahe dem Bahnhof Wuhletal.
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07.01.2016 08:35Gespenstisch. Der brennende Regionalzug am 6. Januar 2016 auf dem Gleis nahe dem Bahnhof Wuhletal.

Zug war auf dem Weg nach Küstrin

Der Triebwagen war am Bahnhof Lichtenberg abgefahren und sollte über Strausberg nach Küstrin in Polen fahren. Um 20.09 Uhr erreichte die Feuerwehrleitzentrale der erste Notruf. Zu diesem Zeitpunkt brachte der Zugführer die drei zusammenhängenden Wagen etwa 400 Meter vor dem S-Bahnhof Wuhletal am Rand von Biesdorf (Ortsteil von Marzahn-Hellersdorf) zum Stehen und half den ersten Fahrgästen, die Wagen zu verlassen.

Die Feuerwehr hatte zwar freie Bahn zum Löschen, fand aber zunächst keinen Hydranten - der Unglücksort lag etliche hundert Meter von der nächsten Siedlung entfernt. Es mussten erst längere Schlauchverbindungen gelegt werden, zusätzlich war ein Tankfahrzeug im Einsatz.

Im rot glühenden Wrack wurden letzte Brandnester gelöscht

Unterdessen wurden knapp vierzig Fahrgäste des Triebwagens von Bahnpersonal entlang der Gleise zum nahen S-Bahnhof geleitet, alle weiteren Passagiere nahmen selbstständig eine Straße Richtung Biesdorf.

Bis 0 Uhr löschte die Feuerwehr die Brandnester in dem rot glühenden Wrack. Danach übergab sie den Unglücksort an die Bundespolizei. Noch in der Nacht begannen Experten von Bahn und Polizei, mögliche Ursachen des Feuers zu ermitteln.

Wegen des Brandes musste zwischenzeitlich auch der S-Bahnverkehr auf der Linie 5 unterbrochen werden. Erst um 0.30 Uhr in der Nacht zu Donnerstag fuhren die S-Bahnen wieder.

Brandursache: War es ein technischer Defekt?

Die Brandursache war auch am Donnerstagmittag unklar. Nach den bisherigen Erkenntnissen wird davon ausgegangen, dass das Feuer durch einen technischen Defekt ausgelöst wurde - wahrscheinlich durch einen Kurzschluss in einem Schaltkasten. Es werde aber weiter "ergebnisoffen in alle Richtungen" ermittelt, hieß es bei der Bundespolizei.

Demnach liegen derzeit keine Hinweise auf eine Brandstiftung vor. Allerdings wollte man dies auch nicht ausschließen. "Von Fahrlässigkeit bis Vorsatz, alles ist möglich", sagte ein Sprecher.

Gespenstische Bilder: Die schlimmste Unglücke bei der Bahn in Berlin und Brandenburg. Eine Chronik finden Sie unter diesem Tagesspiegel-Link.


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