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Berlin-Prenzlauer Berg : Türsteher stirbt nach Schüssen vor Diskothek

Auf dem Gelände der Kulturbrauerei in Prenzlauer Berg ist am frühen Sonntagmorgen ein Mann vor der Diskothek "Soda Club" angeschossen worden. Er starb später im Krankenhaus. Der Täter drückte gleich vier Mal ab. Zuvor hatte es im Club einen Tumult gegeben.

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Am frühen Sonntagmorgen gab es eine Schießerei auf dem Gelände der Kulturbrauerei.Alle Bilder anzeigen
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01.09.2013 11:53Am frühen Sonntagmorgen gab es eine Schießerei auf dem Gelände der Kulturbrauerei.

Drinnen gab es Tumult, draußen fielen Schüsse. Vor der Diskothek "Soda Club" in der Knaackstraße in Prenzlauer Berg ist am Sonntagmorgen um 5.27 Uhr der bei Gästen beliebte Türsteher Sebastian K., genannt „Locke“, erschossen worden. Der 39-Jährige wurde zwei Mal getroffen, gleich vier Mal soll der Täter abgedrückt haben. Einem Notarzt gelang es, Sebastian K. zu reanimieren, doch gegen 7 Uhr wurde im Bundeswehrkrankenhaus sein Tod festgestellt. Der Schütze entkam. Wer er ist und ob sich die beiden Männer kannten, ist bislang noch unklar. Eine Mordkommission ermittelt in dem Fall.

In der Nacht zuvor fand im "Soda-Club" eine ganz normale Party statt: „High Fidelity, Partyhouse und Urban Dance mit DJ Maxsta & DJ Pumi“. Frauen hatten bis 1 Uhr freien Eintritt, Jugendliche durften nicht hinein, die Ausweise wurden kontrolliert.

Zur Tatzeit war immer noch viel los. Woran sich der Tumult später im Club entzündete, ist unklar. Mehrere Kollegen von Locke, die vor der Tür standen, gingen jedenfalls hinein, um den Streit zu schlichten. Sebastian K. blieb alleine vor der Tür – da fielen schon die Schüsse. Bislang haben sich keine Zeugen gemeldet, die einen Täter flüchten sahen. Es ist auch offen, ob der Tumult im Club und die Schüsse draußen im Zusammenhang stehen.

Kinderfest in der Kulturbrauerei nach Schießerei abgesagt

Eigentlich sollte am Sonntagvormittag in der Kulturbrauerei ein großes Kinderfest stattfinden. "Der Berg tobt", hieß das Motto. Um 11 Uhr sollte es losgehen mit Spiel, Spaß und einem Abenteuerland. Doch das Fest wurde abgesagt. Der Veranstalter des Kinderfestes stand am Mittag ein wenig am Rand und trank einen Kaffee. Die Absage habe zwei Gründe gehabt: Erstens sei das Gelände noch immer nicht betretbar, weil die Polizei noch nach Spuren sucht. Es sei aber auch eine Frage der Pietät: "So kurz nach einem derartigen Vorfall kann man hier einfach kein lustiges Kinderfest veranstalten", sagt er.

Vereinzelt trafen am Sonntagvormittag Kinder mit ihren Eltern ein, die das Kinderfest besuchen wollten. Enttäuscht gingen sie wieder, als sie von der Absage des Festes erfahren hatten. Kleinere Kinder brachen teilweise in Tränen aus, wie ein Vierjähriger, als er mit seinem Vater vor dem geschlossenen Tor stand. „Kinderfest fällt leider aus“, stand handgeschrieben auf einem Zettel. Andere Eltern disponierten schnell um und steuerten Spielplätze in der Nähe an. An diesem Montag soll in der Kulturbrauerei das Sommerfest der SPD-Parteizeitung „Vorwärts“ stattfinden, bestätigte eine Parteisprecherin

"Wir sind fassungslos"

Auf der Facebook-Seite drückten die Betreiber am Sonntagmittag ihre Trauer aus: "Wir sind betroffen und fassungslos, denn wir haben heute einen langjährigen Mitarbeiter und Freund verloren!" Dutzende Discobesucher äußerten auf Facebook ihr Mitgefühl, viele müssen den Türsteher gekannt haben. „Locke war der coolste und entspannteste. Mit ihm konnte man immer reden“, schrieb ein Nutzer. Eine Frau schrieb: „Ich werde dich und deine so herzlichen Umarmungen vermissen.“

Das Polizeipräsidium dementierte am Sonntag Gerüchte, dass es sich um eine Tat im Rockermilieu gehandelt hat. Die Ermittler suchen dringend Zeugen, denen im oder vor dem Club etwas Verdächtiges aufgefallen ist. Zunächst wurden Videoaufnahmen des Clubs gesichert.

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