Berliner Philharmonie : "Wir warten aufs Notdach"

"Man kann die ganze Sache nach dem jetzigen Stand so betrachten: Das Glas ist halbvoll", fasste Intendantin Pamela Rosenberg erleichtert die Situation in der Berliner Philharmonie einen Tag nach dem Brand zusammen. "Wir hatten ein riesiges Glück", sagte auch Peter Riegelbauer, Mitglied des Orchestervorstands der Berliner Philharmoniker.

Beschädigt sind Rosenberg zufolge der Zuschauerraum Block C und das Künstlerfoyer. Die Ausmaße sind zur Freude der Philharmonie-Leitung gering. Problematisch allerdings ist der Zustand des Daches: 1600 Quadratmeter, sprich ein Viertel der Fläche des Daches sind erheblich beschädigt. Konstruiert ist es wie ein Sandwich, erläutert Rosenberg. Und da die Zwischenräume gebrannt haben, musste das Dach aufgeschnitten werden. Die unmittelbare Lösung wird ein Provisorium sein. Doch bis ein Notdach die Philharmonie bedeckt, wird es noch dauern. Und danach? "Erst wenn das Notdach steht, werden wir über neue Konstruktionen nachdenken", sagte Geschäftsführer Kersten.

In den nächsten drei Tagen werden die Schäden beseitigt werden, dann erst lässt sich über ein provisorisches Dach entscheiden. Wichtig ist Rosenberg und Kersten vor allem, dass es sicher gebaut wird. "Es wird lange brauchen, es zu installieren und es soll möglichst lange halten", betonen sie. Die Folge: Der Betrieb in der Philharmonie wird nach jetzigem Erkenntnisstand erst am 2. Juni wieder aufgenommen.

Dennoch: Erleichterung auf allen Seiten, die Hiobsbotschaften blieben bisher aus. Die Statik des Gebäudes ist nicht beeinträchtigt, der Beton hat nichts abgekriegt, versicherten die Intendantin und der Geschäftsführer. Kersten betonte, der Kammermusiksaal sei seit Mittwochmorgen ohne Einschränkung wieder geöffnet. Auch der Konzertsaal, das Herzstück der Philharmonie, ist weitgehend unbeschädigt.

Dankbar zeigte sich Rosenberg vor allem für die Arbeit der Feuerwehr: "Sie haben sehr sorgfältig und mit sehr viel Kopf gearbeitet. Durch die Löscharbeiten hätten sonst erheblich mehr Schäden entstehen können." So ist alles gut gegangen. "Glücklicherweise haben auch keine Kabel und kein Kunststoff Feuer gefangen", sagte Kersten. "Ein nächster Schritt wird sein, die Schadstoffe in der Luft im Zuschauerraum zu prüfen", sagte Rosenberg.

Den Mittwoch über waren Angestellte der Versichererverbände, vom Bauamt, der Kriminalpolizei, der Feuerwehr und anderen Behörden im Haus, um sich ein Bild von der Lage zu machen. Zu der Schadenssumme wollte Geschäftsführer Frank Kersten aber keine Angaben machen. Aufkommen für die Schäden muss offenbar die Versicherung der Baufirma, die routinemäßige Instandhaltungsmaßnahmen am Dach vornehmen sollte. Was genau passiert ist, wurde noch nicht bekannt gegeben, die Ermittlungen laufen.

Auskunftsfreudiger zeigte sich in dieser Hinsicht die Polizei: Der Brand ist nach ihrer erstnr Einschätzung durch fahrlässige Brandstiftung verursacht worden. Wie ein Polizeisprecher am Mittwoch mitteilte, gehen die Ermittler vorerst davon aus, dass Dacharbeiten für den Ausbruch des Feuers verantwortlich waren. Genauere Angaben wollte der Sprecher noch nicht machen. Die Ermittlungen des Brandkommissariats seien noch nicht abgeschlossen. Unter anderem müssen Materialproben noch labortechnisch untersucht werden. Wann ein Ermittlungsergebnis vorliegen werde, sei zurzeit noch unklar, sagte der Sprecher.

Der Brand war Feuerwehrangaben zufolge am Dienstag vermutlich in dem unter der Dachverkleidung verlegten Wärmedämmmaterial ausgebrochen. Zuvor hatte es Reparaturarbeiten an der Dachkonstruktion gegeben. Die Flammen richteten nach ersten Angaben Schäden in Millionenhöhe an. Der Brand war laut Feuerwehr bis zum Mittwochmorgen endgültig gelöscht worden, Einsatzkräfte überwachten aber weiterhin den Dachbereich.

Auch das Wetter scheint es mit der Philharmonie gut zu meinen: Die nächsten Tage und vor allem am Wochenende ist kein Regen angesagt - was zum einen sehr wichtig ist für ausbleibende Folgeschäden. Denn einige Dichtungen der Dachkonstruktion sind beschädigt, so dass besonders bei Regen die Gefahr besteht, dass Wasser in die Räume durchsickert.

Zum anderen konnte für das am Freitag, Sonnabend und Sonntag geplante "Te Deum"-Konzert in die Waldbühne am kommenden Samstag verlegt werden. Die Karten werden ihre Gültigkeit behalten, es sollen die besten Blöcke für die schon verkauften Tickets vergeben werden. Wer nicht in die Waldbühne will, kriegt sein Geld zurück. Freie Karten werden für 30 Euro verkauft. Das Konzert beginnt um 19 Uhr. Geprobt wird derzeit im Konzerthaus am Gendarmenmarkt.

Für das Konzert mit Simon Rattle wird noch ein alternativer Veranstaltungskonzert gesucht. Der Chefdirigent der Philharmonie wurde die ganze Zeit auf dem Laufenden gehalten. "Wir haben stündlich telefoniert", so Rosenbaum. Beim Konzert am Samstag in der Waldbühne wird er aus Solidarität dabei sein. Aus Dankbarkeit für die Rettungsarbeiten hat Intendantin Rosenberg auch die Polizei und Feuerwehr zu dem Konzert eingeladen. "Für uns ist es ein freudiger Anlass, denn es ist alles gut gegangen", so Rosenberg.

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