Brandserie : Feuerlöscher am Bett

Viermal hat es in einem Moabiter Haus gebrannt. Viele Mieter haben Angst und denken an Umzug. Die Polizei geht von Brandstiftung aus.

Hadija Haruna

Brandgeruch liegt in der Luft. Die Reste der herausgeplatzten Fensterscheiben im Hinterhaus des Wohnquartiers in der Huttenstraße 69 in Moabit sind mit Holzbrettern vernagelt. Die Mieter wurden jetzt erst einmal ausquartiert. Während die Polizei mehrmals am Tag vor dem Haus patrouilliert, stehen vor der rußgeschwärzten Eingangstür im Innenhof zwei Wachmänner. „Wir passen auf, dass hier nichts mehr passiert und keiner in die offenstehenden Wohnungen einbricht“, sagt einer von ihnen.

Drei Mal hatte es innerhalb von wenigen Wochen in dem Haus gebrannt. Am Dienstagmorgen um ein Uhr brannte es ein viertes Mal. Diesmal war das Feuer im Flur des Hinterhauses ausgebrochen. Dabei wurde eine 56-jährige Frau schwer verletzt. Sie musste reanimiert werden und schwebt immer noch in Lebensgefahr. Die Polizei geht von Brandstiftung aus: „Wir gehen allerlei Hinweisen nach und die Ermittlungen laufen“, sagte ein Sprecher.

„Ich habe um kurz vor zwölf eine Frau über den Hof laufen sehen, die ich nicht erkannt habe. Eine Stunde später hat es dann gequalmt“, sagte Heiko Sorgatz, der den Brand in der Nacht von Montag auf Dienstag von seinem Fenster aus gefilmt hat, bevor er das Nebenhaus verlassen musste. Er habe nicht schlafen können, weil ihn der Brand vom Nachmittag davor beschäftigt habe. „Jetzt habe ich mir einen Feuerlöscher und zwei Feuermelder gekauft. Ich überlege aber, ob ich ausziehen soll. Ich mache das nicht mehr lange mit.“

„Es lebt ein Messie im Hinterhaus, die gerne Kerzen benutzt. Seit Montagnachmittag wurde sie nicht mehr gesehen“, sagte der 28-Jährige. Jetzt machten sich zwar einige aus dem Haus Sorgen um sie, aber es werde auch gemunkelt, dass sie die Brände verursacht habe könnte. „Das Hinterhaus ist erst einmal auf unbestimmte Zeit gesperrt“, sagte der Sprecher der Hausverwaltung, Philipp Janssen. Der Wachschutz werde noch mindestens bis zu den Renovierungsarbeiten da sein. Den Bewohnern habe man Umsetzwohnungen angeboten, die meisten aber seien zunächst bei Freunden und Verwandten untergekommen. Wie man das offen stehende Haus vor Fremden besser schützen könne, weiß er nicht. Auch wisse man nicht, wie hoch der Schaden sei. „Zunächst haben wir uns um die Mieter gekümmert. Wir werden aber sicher auch die Schließbarkeit optimieren.“

Er habe Panik, seitdem er weiß, dass es einen Brandstifter gibt, sagt der Mieter Milovan Lazic. Es gebe viele Vermutungen, aber eine wirkliche Ahnung habe keiner. „Ich verstehe nicht, warum jemand so etwas macht. Die Leute hier haben doch nicht viel.“ Hadija Haruna

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